Verfasst von: Nico Ackermann | 3. Dezember 2010

Der lange Weg aus dem Land

Also begab ich mich auf den Weg nach Delhi. Stark übermüdet, aber der Verkehr hielt mich wach. Nach 150 Kilometern musste ich aber einsehen, dass es doch recht unsinnig ist, weiter zu fahren. Ich beschloss, in der nächsten Stadt, in der ich vielleicht Ersatzteile bekommen könnte, halt zu machen. Meine Hinterradlager waren ausgeschlagen. Wahrscheinlich vom Fahren zu Zweit in rauem Gelände. Ich konnte aber zuvor nirgends die passenden Lager finden. In der nächsten größeren Stadt hatte ich aber großes Glück. Sie hatten sogar widerstandsfähigere Lager aus Polen, was hier in Indien durchaus als High-End-Produkt anzusehen ist. Aber das war nicht mein einziges Glück. Die Stadt und ihre Menschen gefielen mir richtig gut. Immer wenn die Menschen einer Stadt mich fragen, was zur Hölle ich hier zu suchen hätte, fühlte ich mich sofort genau richtig aufgehoben, da sie einfach keine Ausländer gewohnt waren und sich daher sehr freundlich und interessiert zeigten. Wie schon so oft, schwang sich der Erste, den ich nach dem Weg fragte, sofort auf sein Mopped und begleitete mich.

Anstatt zu schlafen, wollte ich eben noch schnell die Reparaturen am Motorrad erledigen. Auch hier hatte ich riesiges Glück. In meinem falschen Stolz wollte ich mal wieder alle Hilfe ablehnen. Diesmal gelang mir das aber nicht. Es ist schon schwer, einem 70-jährigen alten Mann den Hammer aus der Hand zu reißen. Er ging sehr geschickt zu Werke.

Beim Herausschlagen des dritten Lagers wollte ich aber dann doch selber Hand anlegen, aber glücklicherweise brachten sie mich nach ein paar Schlägen wieder davon ab. Mit meiner Übermüdung war ich drauf und dran war die Hinterradnabe zu zerstören, da ich nicht bedachte, dass hinter dem Lager ja noch ein Lagersitz ist, auf dem ich munter herum gedroschen habe. Hätte es also fast geschafft, meinen Aufenthalt um ein paar Wochen zu verlängern. Aber ist ja alles noch mal gut gegangen.

Durch diesen Schock wieder richtig wach, schaute mir in der Nacht noch ein wenig das bunte Treiben aus einem Straßenrestaurant an. Seltsam war, dass mich gegen Mitternacht ein etwa 10 jähriges Kind als Kellner bediente. Aber wirklich herzzerreißend waren die etwa fünf kleinen Mädchen im geschätzten Alter von 4 bis 8 Jahren, die geschmückt wie Weihnachtsbäume mit Schminke, goldenem Lametta und roten Kleidern um Geld bettelten.

Man hatte den Eindruck, dass sie gar nicht so recht wussten was sie da tun. Sie stellten sich einfach vor die Leute mit einem so traurigen Gesicht das es mir wirklich schwer viel ihnen nichts zu geben. Auch die sonst recht mitleidsresistenten Inder um mich herum hatten sichtlich mit diesem Anblick zu kämpfen. Ein paar Männer der Sikhs (die Leute mit langen Bärten und Turban) versuchten mit den Mädchen zu reden und wollten ihnen helfen, aber sie rannten sofort weg. Wenn eine der Jüngeren mal etwas Geld zugesteckt bekam, wurde es gleich von den Älteren der Gruppe weggenommen. Das ohne jede Gegenwehr, da sie den Sinn von Geld sicherlich noch gar nicht verstanden. Ich musste mir immer wieder vorstellen, wie es wohl wäre, meine Nichte, die im etwa gleichen Alter ist, um diese Uhrzeit auf die Strassen zum Betteln zu schicken. Irgendjemand muss dahinter die Fäden gezogen haben. Die Mädchen kamen mit Sicherheit nicht selbst auf die Idee, sich so anzuziehen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Delhi um die Afri auf die Reise nach Thailand vorzubereiten. Das Land wurde flacher. 400 Kilometer bei angenehmen 40 Grad im Schatten. Aber Schwitzen soll ja angeblich entschlacken. Ich war die Hitze nach all der Zeit in den Bergen schon gar nicht mehr gewohnt. Das war aber wahrscheinlich der Grund dafür, dass ich am Vortag so lange durchgehalten habe, denn hier unten gibt es mal wieder anständig Sauerstoff. Man darf nicht vergessen dass ich Monate in Höhenlagen von 3000 bis 5000 Meter verbracht habe.

In Delhi angekommen, war es natürlich ein Spaß, in dieser Hitze durch den schleppenden Verkehr zu fahren. Schlussendlich fand ich auch ein Hotel, das diesmal aber in einem ganz anderen Stadtteil gelegen war, der eher zu den reicheren Gebieten gehört. Nur traf dies keinesfalls auf mein Hotelzimmer zu. Gerade mal so lang wie mein Bett und etwa 30 cm breiter. Ich musste meine Taschen stapeln. Aber ich bin ja schließlich nicht zum Vergnügen hier. Ich dachte schon, dass es mal wieder ein toller Start in meinem so geliebten Delhi ist. Na ja, kann man wohl eher als Hassliebe bezeichnen. Jedoch zeigte sich Delhi dieses Mal überraschenderweise von seiner sehr positiven Seite. Die Leute waren diesmal überaus freundlich. Schnell hatte man Freundschaft in den Restaurants in näherer Umgebung geschlossen und war ein gern gesehener Gast. Sie achteten auch immer darauf, dass sich niemand an der Afri vergriff und waren auch sonst überaus hilfsbereit.

Gleich in der ersten Nacht bin ich beim Manager des Hotels angeeckt. Er hörte zu, wie ich mich mit Leuten über Indien unterhielt. Dabei war es für ihn nicht schwer herauszufinden, dass ich vom Land nicht unbedingt das beste Bild habe. Wenn mich Leute etwas fragen dann antworte ich halt ehrlich und versuche mich nicht aus der Affäre zu ziehen, indem ich einfach immer nur sage wie toll doch alles ist. So wurde ich von ihm erst einmal ein wenig zusammengestaucht. Jedoch wollte ich auch nicht Klein beigeben, da ich mir nach 6 Monaten in diesem Land schon erlauben kann, mir eine Meinung zu bilden. Aus dem Wortgefecht entwickelte sich aber sehr schnell ein sehr interessantes Gespräch, in dem wir uns gegenseitig erklärten, warum wir unsere jeweiligen Ansichten haben. Ab diesem Augenblick waren wir recht gute Freunde. Er meinte auch, dass sonst noch Keiner mit ihm ein derartiges Gespräch geführt hätte, da die meisten Leute sich nicht trauen würden, Probleme offen anzusprechen. Wie sollten sie auch, die meisten trauen sich dies ja noch nicht einmal gegenüber anderen Ausländern zu tun. War auch nicht das erste Mal, dass ich Leute zuerst unbewusst provozierte und sich daraus dann sehr interessante Unterhaltungen ergaben.

Am nächsten Tag ging ich dann erst mal zum Flughafen, um herauszufinden, wie ich denn die Versendung der Afri bewerkstelligen könnte. Ich berief mich auf die Erfahrung anderer Reisender und ging direkt zu Thai Airways. Die sollten angeblich für die Luftfracht nach Thailand die Günstigsten sein. Anfangs meinten die Mitarbeiter noch, dass das Ganze ohne Agenten nicht möglich sei, was ich aber nur als feige Ausrede gesehen habe, da sie sich bloß die zusätzliche Papierarbeit nicht antun wollen. Also beharrte ich darauf, dass es doch einen Weg ohne Agenten geben muss.

Daraufhin rief mich einer der Mitarbeiter zu sich und schwang sich ans Telefon. Eine anderthalbe Stunde lang wurde ich immer wieder vertröstet. Ich solle doch noch warten. Nachdem er mit sicherlich 20 verschiedenen Leuten telefoniert hatte, sagte er auf einmal, dass es klar geht und ich die Afri in einer Kiste verpackt zum Flughafen bringen soll. Den Papierkram würden wir dann hier an einem Tag zusammen erledigen. Ich konnte meinen Ohren kaum trauen. Von den Erfahrungen Anderer weiß ich, dass sie meist fünf Tage benötigten, um ein eigenes Fahrzeug aus Indien heraus zu fliegen. Und in letzter Zeit hat dies auch kaum noch jemand getan, da es in Katmandu wohl doch viel einfacher ist. Das hätte für mich aber weitere 2000 Kilometer bei Hitze und Monsun bedeutet.

Also ging es nun darum, eine Kiste zu bauen. Er empfahl mir zwei Unternehmen, die sich aber eher als Agenten herausstellten und mir gute 300 Euro für die Geschichte abknöpfen wollten. Angeblich wäre das Holz hier so teuer. Also noch mal zurück zum Flughafen um zu fragen, ob ich alte Paletten zum Zusammenzimmern der Kiste benutzen könnte. Aber dies war nicht möglich, auch nach mehrmaligen Fragen. In Katmandu ist dies alles nicht so problematisch, da man dort direkt am Flughafen seine eigene Kiste bauen kann. Jedoch wurden mir ein paar Telefonnummern von Unternehmen gegeben, die mir helfen könnten. Doch nach zahllosen Telefonaten wurde ich immer wieder bloß von Agent zu Agenten weiter gereicht. Sie wollten einfach nicht einsehen, dass ich die Kiste selber bauen möchte und ich doch nur Holz und eine Stelle zum Hämmern benötige. So gab ich das Ganze auf und machte mich am nächsten Tag auf die Suche nach einem Zimmermann. Es ist in Indien recht schwierig, so einen Menschen zu finden. Dazu muss man erst die Strasse kennen, auf der sich die Zimmermänner befinden. Auf dieser befinden sich dann aber auch gleich Hunderte von ihnen. Die meisten lehnten aber direkt ab, als ich verkündete, dass ich die Kiste selber bauen wolle und verlangten zudem auch noch gewaltige Preise. Immer schön hartnäckig bleiben, dachte ich mir. Das zahlte sich mal wieder aus.

Irgendwann hatte ich einen von ihnen so weichgelabert, dass er nachgab und mit mir zusammen zu einem Holzmarkt gefahren ist. Es stellte sich heraus, dass Holz wirklich nicht gerade billig ist in Delhi. Jetzt war noch das weitere Problem, dass ich die Afri samt Kiste früh morgens am Flughafen abliefern müsste. Also haben wir die Kiste am Vortag fertig zusammen gebaut. Die Planung war gar nicht so einfach, da ich die Kiste ja nicht um die Afri herum bauen konnte. Ich wollte sie ja erst am nächsten Tag darin verladen.

Schlussendlich gab der Zimmermann auf, da er nicht mehr verstand, was ich da überhaupt zusammen bastelte. Ich wies ihn nur noch an, wie die Teile aussehen müssten. Bis auf einen kleinen Fehler passte das Ganze dann auch tatsächlich zusammen und war sehr stabil. Am Abend meinte ich dann zum Meister, dass wir am Morgen die Afri verladen und bis 10 Uhr zum Flughafen bringen würden. Jetzt meinte er aber auf einmal, dass Kleintransporter in der Stadt von 8 bis 12 Uhr morgens nicht fahren dürfen. Gott weiß warum er damit nicht schon viel eher herausrückte. Er kannte ja die ganze Zeit meinen Plan. Also musste Alles vor acht Uhr erledigt sein. Das bedeutete, dass ich vier Uhr morgens aufstehen und mich dann mit den ganzen Arbeiten auch noch sehr beeilen müsste. Aufgrund der knappen Zeit war ich bisher noch nicht dazu gekommen, die Afri zu waschen und zu der späten Stunde hatte natürlich auch keine Waschstrasse mehr offen. Also nahm ich mir ein Stück Schlauch und steckte es am Waschbecken eines Restaurants an. Es war natürlich das  Erlebnis für die Gäste. Einen Weißen zu sehen, der sich die Hände schmutzig macht. Glücklicherweise verloren die Besitzer kein einziges Wort darüber, was ich denn hier zu suchen hätte. Die Angestellten halfen mir dann sogar noch. Man muss in diesem Land einfach immer nur so tun, als wäre alles was man tut, vollkommen selbstverständlich.

Nach Mitternacht fing es dann noch sehr stark zu regnen an, so dass das Wasser teilweise etwa 30 cm hoch in den Strassen stand. Zu meinem Glück erwischte ich natürlich einen großen Stein den ich aufgrund des Wassers nicht sehen konnte und versenkte die Afri erst mal. Aber zum Glück war nichts passiert. Es war wieder mal der Beginn eines zauberhaften Tages.

Beim Zimmermann angekommen machte ich mich gleich an die Arbeit. Ich musste die Afri zerlegen, da das Vorderrad, Windschild und der Lenker demontiert werden musste um in die Kiste zu passen. Im Falle einer zu großen Kiste zahlt man nach Volumen. Und es ist recht schwer, unter den Maximalmaßen zu bleiben. Nur durch Demontage dieser Teile ist das möglich. Bei der Gelegenheit fand ich auch heraus, dass Frank, mit dem ich unter anderem in Srinagar war leider bei der Reparatur seines Motorrades mit meinem Werkzeug vergessen hatte, den 10er Schlüssel wieder bei mir einzupacken. Zur Demontage des Vorderrades ist dieser aber zwingend notwendig, da man sonst die Vorderachse nicht heraus bekommt.

Denkt bitte nicht das es leicht wäre in einer Strasse die nur aus Zimmermännern besteht, früh morgens 4:30 einen solchen Schlüssel zu besorgen. Nach ein paar Panikminuten fand mein Zimmermann dann glücklicherweise ein Blech in welchem die Schlüsselweite herausgestanzt war. Nur bestand dies aus weichem Alu und daher bekamen wir nur 3 der 4 erforderlichen Schrauben heraus bis das Notwerkzeug aufgab oder die Schrauben zerdengelt waren. Dies reichte aber zum Glück, so dass ich die Achse gerade so lösen konnte. Daraufhin lief glücklicherweise alles wie am Schnürchen und wir konnten den Zeitplan gerade so einhalten. Kleinere Arbeiten konnte ich noch am Flughafen erledigen.

Als die Tore 10 Uhr morgens öffneten, ging der Papierkriegmarathon, welchem ich zu Anfang noch recht gelassen entgegensah, auch schon los. Thai Airways stellte mir Papiere aus, mit denen ich zu den zuständigen Leuten gehen sollte. Hierbei stellte sich nun aber heraus, dass man offiziell das Ganze tatsächlich nur mit Agenten erledigen kann. Für Leute, die den Export in Eigeninitiative erledigen möchten, gibt es gar kein zuständiges Personal. Thai Airways wiederum nimmt eigentlich nur fertig abgestempelte Kisten entgegen und hat mit dem Papierkram nix am Hut.

Jedoch stellte mir Mr. Wing (N.g.) von Thai Airways Papiere aus, zu denen er eigentlich gar nicht berechtigt gewesen wäre, da er sich als Agent mit speziellen Lizenzen ausgab. Zu meinem Glück war Mr. Wing ein recht hohes Tier und jeder zeigte ihm gegenüber eine Menge Respekt. Der zuständige Zollbeamte hatte an den Papieren immer wieder etwas zu bemängeln so das Neue erstellt werden mussten. Er wollte wohl eigentlich nur bezwecken, dass Mr. Wing nach einer Weile die Lust verlieren würde und mich zum Teufel schickt, da er sich selbst nicht in Schwierigkeiten bringen wollte. Damit hatte er sich aber den Falschen ausgesucht. Anstatt mich aufzugeben, lief Mr. Wing selbst den halben Kilometer zum Büro der Behörden herunter. Man muss dazu sagen, dass ihm das nicht leicht fiel mit deutlichem Übergewicht, einem schweren Hüftschaden und mehreren Schlaganfällen. Aber er war so wutentbrannt, dass man ihn nicht davon abhalten konnte. Er veranstaltete bei den Behörden einen so gewaltigen Aufstand, dass sich im ganzen Flughafengebäude, in dem mehrere hundert Menschen arbeiteten, für etwa 5 Minuten niemand regte, da sie nichts von dem Spektakel verpassen wollten.

Später traten dann die Beamten den langen Marsch zu Thai Airways an, um Mr. Wing persönlich in den Arsch zu kriechen. So wurde mir das jedenfalls immer versucht in Zeichensprache zu erklären, als ich verwundert danach fragte, wo denn alle gerade sind.

Bis zu diesem Zeitpunkt war mir gar nicht klar, was eigentlich passierte, Ich dachte, das läuft immer so und dies sei der offizielle Weg. Einer der Mitarbeiter brachte dann ein wenig Licht uns Dunkle und mir wurde bewusst, wie weit sich Mr. Wing für mich aus dem Fenster lehnte. Später haben wir uns dann noch stundenlang unterhalten und ich wollte erfahren warum zu Hölle er das für mich tat, obwohl er mich kein Stück kannte. Er erklärte mir, dass er in dem Augenblick in dem er mich sah und meine Geschichte hörte, eine innere Stimme zu ihm sagte, dass er mir in jedem Falle helfen müsse. Schlussendlich setzte der die Frachtkosten auch noch um 33 % für mich herunter ohne mir auch nur ein Sterbenswort darüber zu erzählen. Selbst Unternehmen, die tonnenweise Fracht transportieren lassen, bekommen nicht diese Preise.

Nach dem Spektakel bei den Behörden ging dann alles Andere recht schnell. So hatte ich nach 15 Stunden alles erledigt. Die Afri war auf dem Weg.

Daraufhin mussten wir erst mal einen 15 Jahre alten Whiskey öffnen, den ich mir nach fünf stressigen Tagen, in denen ich nur mit der Versendung der Afri beschäftigt war, auch verdient hatte. So wurde ich mit den Mitarbeiten bei Thai Airways richtig gut Kumpel. Jeder war von meiner Geschichte einfach nur fasziniert. War auch selbst erstaunt, wie viel ich doch nach all der Zeit zu erzählen hatte. Dabei kam auch heraus, dass Mr. Wing der Chef des Imports ist und mit Export noch nie was am Hut hatte. Ich verstehe wirklich bis heute noch nicht, warum er das alles für einen Fremden getan hat. Nebenbei sei zu erwähnen, dass er sich mehr als den halben Tag nur mit mir beschäftigte und auch noch vier Überstunden schob, um mich anschließend eine Stunde lang zurück zu meinem Hotel zu fahren. Dabei erfuhr ich, dass er selber und seine Kinder gern reisen und schon immer von Leuten fasziniert waren, die solch großen Reisen unternehmen können.

Leicht angetrunken und voller Erleichterung ich mich noch zwei Stunden nach dem Packen meiner sieben Sachen ins Bett legen, um dann am nächsten Tag der Afri nach Bangkok zu folgen.

Leider wachte ich am Morgen mit gewaltigen Kopfschmerzen auf. Ich dachte zuerst, dass dies der Kater vom Whiskey wäre, jedoch stellte sich heraus, dass mich Indien nicht ohne kleines Geschenk gehen lassen wollte. Denn es war Dengue-Fieber.

Und wie toll sich das anfühlt, erzähle ich euch das nächste Mal.

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Verfasst von: Nico Ackermann | 30. Oktober 2010

Der lange Weg heraus aus den Bergen

Die ganze Geschichte in Leh zog sich dann doch noch weitere fünf Tage, bis endlich die Strassen wieder geöffnet wurden. Sogar die Strasse nach Srinagar öffnete zeitgleich. Wir entschieden uns also, dort hin zu fahren. Wir waren uns auch der Gefahren bewusst, da durch die andauernden Studentenproteste nach wie vor Leute auf den Strassen umgebracht werden. Wir wollten eigentlich nur auf die Hausboote, die von dem Rest der Stadt abgeschnitten sein sollen.

Einen Tag zuvor gesellten sich noch Lucky und Martin dazu, wobei Lucky sich auch noch eine Mitfahrerin namens Jenna anlächelte. Ich wusste aber zuvor nicht, in welchem katastrophalen Zustand sich deren Enfields befanden. So wollten wir um 10 Uhr am nächsten Morgen los.

Die Strecke dauert normalerweise um die zwei Tage. Aber es kommt ja bekanntlich alles anderes als man denkt. Kurz vor 10 Uhr verweigerte Martins Motorrad erst mal seinen Dienst. Irgendein Elektronikproblem. Aber wir hatten ja Frank, den Elektroniker. Also konnte ich in aller Ruhe frühstücken. Gegen Zwei Uhr nachmittags ging es dann endlich los. Die Anderen waren sich aber noch sicher, dass wir das 240 km entfernte Kargil ohne weiteres bis zum Abend erreichen sollten. Es scheint wirklich so, dass Kiffer einen unerschütterbaren Optimismus besitzen. Natürlich schafften wir gerade mal die Hälfte der Strecke.

Man muss aber auch dazu sagen, dass wir einen Platten hatten. Aber darin bekamen wir in den nächsten Tagen recht viel Übung. Am Abend schaute ich mir mal Luckys Motorrad etwas genauer an und bemerkte, dass am Hinterrad schon 5 Speichen fehlten. Alle auf einer Halbseite. Dabei hatte er noch jemanden hinten drauf und auch eine Menge Taschen, so dass er aussah, wie ein Schwertransporter. Meine Bedenken, dass dies lebensgefährlich sei, verdrängte er ganz schnell mit einem Joint. So konnte er wieder sorgenfrei unterwegs sein. Jenna war dabei aber nicht so wohl. Da seine Enfield so stark beladen eh immer die langsamste war, entschlossen wir uns, Jenna bei mir hinten drauf zu packen.

Am nächsten Morgen sollte es dann weiter gehen, aber wir kamen wieder nicht vor zwei Uhr nachmittags los. Martins Motorrad hatte einen Platten. Wunderte mich eh ein wenig, dass wir mit drei Enfields unterwegs waren, aber nur einen Ersatzschlauch dabei hatten. Aber besagte Leute und ihr Optimismus. Schlussendlich erreichten wir am Abend Kargil.

Ich muss sagen, dass ich diese Stadt mochte. Denn die Menschen verhielten sich eher muslimisch, was mir irgendwie mehr liegt. Man konnte mal wieder ein paar Gespräche führen. Am Abend veranstalteten die Jungs unseres Hotels ihre wöchentliche Probe ihrer Boyband. Es kam ein wenig Partystimmung auf, Ohne Mädels war das Ganze trotzdem ein wenig eigenartig.

Hier von Kargil aus startet auch die Route ins Zanskar-Tal hinein, das als eines der schönsten und fahrerisch als das anspruchvollste Gebiet Ladakhs gilt. Nun galt es zu entscheiden, ob wir diese Strecke angehen wollten. Ich hatte darauf wegen des Zustands der Motorrädern von Martin und Lucky keine Lust. Aber wir ließen eine Münze entscheiden. Somit gingen wir die Sache an.

Ich wollte aber auf alle Fälle nur bis zu einem Gletscher, der nach ungefähr 85 Kilometern entlang der Strecke kommen sollte. Eigentlich sollte das Ganze auch in einem Tag zu schaffen sein. Luckys Motorrad entschied sich aber dazu, direkt vor mir seine Kette auf die Strasse zu spucken. Dazu kam noch ein Platter. Somit schafften wir nur etwa 50 Kilometer, wobei die ersten 30 Kilometer guter Asphalt waren. Die Nacht verbrachten wir in unseren Zelten. Hatte ich schon lange nicht mehr gemacht. Früh kam eine Herde mit Ziegen und Kühen und versuchten, unsere Reste aufzufuttern. An diesem Tag erreichten wir dann tatsächlich den Gletscher. Wirklich ein schöner Anblick. Die anderen wollten gern noch weiter ins Tal hinein, worin ich aber keinen Sinn sah. Man kann bis zu 240 Kilometer tief hinein fahren, wonach mir aber wirklich nicht der Sinn stand. Ich hatte schon genügend Gebiete tief in den Bergen gesehen. Glücklicherweise verschlechterte sich die Strasse so, dass auch den Anderen die Lust verging und wir machten uns wieder auf die Rückreise. Wir fuhren sogar noch zwei Stunden in der Nacht, um Kargil wieder zu erreichen. Witzigerweise fiel Martin unterwegs ein, dass sein Visum nur noch drei Tage gültig war und er sich nun doch beeilen müsste, um es zu verlängern. Das ist aber nur in Srinagar möglich. Also beeilten wir uns am nächsten Tag, um beizeiten los zu kommen. Gegen 13 Uhr Nachmittags waren wir dann auch tatsächlich unterwegs. Diesmal verabschiedete sich Franks Kupplung. Martin hatte mal wieder einen Platten, was wir aber mittlerweile schon gar nicht mehr als Problem ansahen. Es gehörte zu jedem Tag schon dazu. Kam auch öfters vor, dass wir früh aufbrechen wollten und bei zwei Motorrädern erst mal die Reifen flicken mussten, da diese mysteriöserweise in der Nacht dahin gegangen waren. Wie wir später herausfanden, war das auf massiven Speichenverlust der beiden Enfields zurückzuführen.

Schließlich verbrachten wir die Nacht etwa 70 km vor Srinagar was aber gar nicht so schlecht war, da wir dadurch unsere neuen Gastgeber kennen lernten. Normalerweise lasse ich mich ja nicht gern auf Verkaufsgespräche ein, aber diese beiden Typen hörten nach kurzem Bitten damit auf und man konnte ein vernünftiges Gespräch führen. Sie luden uns am Abend noch zu sich ein. Man konnte viel über ihre derzeitigen Lebensumstände, ihre Familien und ihre Probleme erfahren. Das macht ja den eigentlichen Sinn am Reisen aus. Hier im eher muslimischen Norden Indiens wollen einen die Menschen auch mal wieder daran teilhaben lassen. Schlussendlich stimmten wir zu, wenigstens einen Blick auf ihr Hausboot zu werfen.

Also ging es am nächsten Tag dort hin und wir verliebten uns auf der Stelle. Nach kurzer Verhandlung stimmte auch der Preis. So musste die nächsten Tage wenigstens nicht mehr über Geld geredet werden. Nun wollten wir zuerst ein Mal ein paar Tage ausspannen und die Atmosphäre am Fluss genießen. Auch wollten wir ein paar nötige Reparaturen durchführen. Leider gab es in der kompletten Stadt eine Ausgangssperre. Nur am Tage an dem wir ankamen, hatten die Läden geöffnet. Leider war es nun schon zu spät, da es in Indien immer eine Ewigkeit dauert wenn man etwas sucht, das man nicht an jeder Ecke bekommt. Somit hieß es also für die nächsten Tage entspannen.

Zuerst wollten wir uns ein Boot ausleihen, jedoch entdeckten wir ein halb zerfallenes direkt bei uns am Peer. Nach kurzer Rücksprache mit unserm Hausbootbesitzer durften wir es bergen und damit machen was wir wollten. Das dauerte natürlich eine Weile. Nachdem er aber sah, dass die Schäden am Boot doch nicht so groß waren und er es durch einen Zimmermann günstig wieder herstellen lassen kann, mussten wir uns schlussendlich doch ein Boot ausleihen. Hin und wieder gingen wir in die Stadt um verschiedene Sachen zu besorgen, jedoch war die Situation doch recht angespannt. Schließlich wurden in dieser Stadt nicht ohne Grund über 70 Menschen bei Demonstrationen umgebracht. Glücklicherweise bekamen wir auf dem Hausboot davon gar nichts mit.

Nur einmal eskalierte die Situation, als ich gerade zu Fuß eine Kreuzung überqueren wollte. Auf einmal fingen die Menschen um mich herum an, einen Polizisten anzuschreien und bewegten sich recht schnell auf ihn zu. Er ergriff seine Waffe und schoss ein paar Mal in die Luft um sie danach auf die Leute zu richten. Glücklicherweise musste er aber nicht auf jemanden feuern, da alle blitzartig davon liefen. Das Ganze fand nur  ein paar Meter von mir entfernt ohne Vorankündigung statt. Ich weiß auch bis heute noch nicht, was die Ursache des Ganzen war.

Schlussendlich war es aber an der Zeit, auch das Boot zu verlassen und mich langsam auf den Weg zu machen, das Land wieder zu verlassen. Leider fand die Gastfreundschaft am letzten Tag ein jähes Ende, da es ab diesem Zeitpunkt wieder nur noch ums Geld ging. Der Sohn, mit dem wir eigentlich zu tun hatten, war nicht mehr da, sondern nur noch seine Eltern. Die Frau fragte uns etwa 10-mal ob wir ihr nicht ein Trinkgeld fürs Essen geben wollen. Und trotz strömenden Regens wollte man uns unbedingt um 12 Uhr Mittags heraus haben, oder wir müssten einen weiteren Tag zahlen. Andererseits kann ich das aber auch verstehen, da der Tourismus ihre einzige Einnahmequelle ist und durch die schlechten politischen Umstände bleibt er dieses Jahr fast komplett aus. Schließlich existieren auf den Seen in Srinagar etwa 2500 Hausboote und fast jedes war leer.

Schließlich brachen wir am Nachmittag auf. Dies war unser erster gemeinsamer Tag ohne Pannen, was uns doch alle ein wenig verdutzte. Unsere weibliche Begleitung Jenna war auch nicht mehr dabei, da sie auf mein Anraten hin den Weg nach Amritsar zum Goldenen Tempel einschlug, den ich ja schon vor einer Weile beschrieben hatte.

Wir kamen zwar wieder zurück ins stärker besiedelte Indien, jedoch waren die Strassen immer noch wie ausgestorben, da die Streiks ein Fahren für Otto Normal Bürger nicht erlaubte. Durch die späte Abfahrt machten wir dennoch kaum Strecke und mussten zwischendrin übernachten. War aber recht lustig. Als wir in der Nacht etwas zu Essen kaufen wollten, fragten wir einen Inder nach dem Weg. Er machte immer nur komische Bemerkungen und gab uns ständig zu verstehen, dass er es nicht darauf abgesehen hat, uns anzufassen. Scheinbar scheint diese Stadt wohl eine Hochburg für homosexuelle Touristen zu sein, anders kann ich mir das nicht erklären. Aber wer weiß, welchen Eindruck vier Männer, von denen drei lange Haare bis fast zum Hintern haben, auf die Einheimischen machen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter. Diesmal auch nahezu ohne Pannen. Sieben Kilometer vor unserem Ziel hatte Martin mal wieder einen Platten, aber keinen Ersatzschlauch mehr. Um 12 Uhr in der Nacht ließ sich auch nichts mehr auftreiben. Also versuchten wir es mit Reifenkleber und den Resten eines alten Schlauchs. Nach drei gescheiterten Versuchen gab er schließlich auf und fuhr die restlichen Kilometer mit plattem Hinterrad. Auf engen Serpentinenstrecken ist das nicht ganz ungefährlich.

Schlussendlich kamen wir an unserem Ziel um etwa drei Uhr in der Nacht an. Nichts hatte mehr offen. So verbrachten wir die Nacht mit Herumfahren in den Bergen Mcleod Ganj’s wo übrigens der Dalai Lama sein Exil gefunden hat. Frank wollte uns ein paar schöne Plätze zeigen, da er zuvor schon drei Monate hier verbrachte, aber er bekam es in seinem Zustand nicht mehr auf die Reihe, den richtigen Weg zu finden. So kamen wir nicht zum Schlafen.

Am Morgen war ich dann doch ein wenig angesäuert. Als die Jungs sich dann noch entschieden, in einem Hotel einzukehren zu dem man etwa 20 Minuten laufen müsste, reichte es mir. Ich wollte ja am nächsten Morgen wieder los. So entschied ich mich, trotz Müdigkeit den Weg nach Delhi anzutreten.

Ich dachte mir, wenn man schon in einer miesen Laune ist, dann ist Delhi vielleicht leichter zu ertragen. Nach meinem letzten Besuch wollte ich eigentlich keinesfalls zurückkommen.

Aber es kam mal wieder alles anders als ich dachte. Das erzähle ich Euch im nächsten Bericht. Dann kann ich euch auch erklären, warum ihr schon länger nichts mehr von mir gehört habt.

Nur so viel:

mittlerweile bin ich in Thailand und mache mich die Tage auf nach Kambodscha.

Verfasst von: Nico Ackermann | 13. August 2010

Auf nach Leh und dessen Umgebung

Nach langer Zeit in Manali hab ich mich nun endlich nach Leh aufgemacht. Schlussendlich alleine, da sonst niemand in die Schwünge kam. Leider hab ich mir dafür einen recht ungünstigen Tag ausgesucht, da es die ganze Zeit leicht regnete. Der Rotang Pass ist dafür bekannt, dass er sich an solchen Tagen nicht gerade von der besten Seite zeigt. Aber ich bin bisher bis hierher gekommen, da sollte dieser Pass auch nur eine kleine Herausforderung darstellen. Die meisten Leute stürzen dort.

Mir passierte das aber leider schon vorher. Die Strassen waren nass und ich wunderte mich schon, warum drei Inder mich so interessiert anschauten, als ich um eine Kurve herum kam. In der nächsten Sekunde lag ich auch schon auf der Nase. Es war ein großer Ölteppich der sich auf der ganzen Strasse breit machte. Es ging so schnell, dass ich gar nicht realisierte wie die Afri wegrutschte. Wie sich später herausstellte, stürzten die Inder auch schon an derselben Stelle. Sie hielten es nicht für nötig, mich zu warnen. Zumindest halfen sie mir wieder auf. Meine Klamotten haben ein wenig gelitten was ich aber durch ein paar Flicken wieder richten kann. Das dümmste ist aber, dass die Maschine so hart aufschlug, dass der eine Sturzbügel nun verbogen ist. Es wird nicht ganz so leicht, die ganze Sache wieder zu richten. Aber dafür sind die Bügel ja gedacht und haben Schlimmeres verhindert.

Mit schlechter Laune ging es schlussendlich weiter auf den Pass, der sich wirklich von seiner unangenehmen Seite zeigte. Glücklicherweise waren die langen Konvois der indischen Skitouristen nicht mehr unterwegs. Die Skigebiete waren mittlerweile geschmolzen. Dennoch machte das die ganze Sache nicht viel einfacher, da die ganze Strecke nun eine einzige Schlammschlacht war. Aber ich habe wenige Tage zuvor meinen Hinterreifen gewechselt, so dass die Afri ganz gut Grip fand. Witzig war, dass man oft mit dem ganzen Stiefel eingesunken ist, wenn man den Fuß zum Abstützen herunter nahm. Und das ganze auch noch im Regen. Aber ich bin ja nicht hier, um Urlaub zu machen. J

Nach dem Pass wurde es einfacher und man kam ganz gut voran. Als es dunkel wurde, versuchte ich ein günstiges Hotel zu finden. Als ich einen Inder auf einem Skooter fragte, meinte er nur, dass ich ihm folgen soll. Und so ging es 10 km weiter zu seinem Teezelt, wo ich die Nacht mit neun anderen Indern verbringen konnte. Der Vorteil von solchen Unterkünften ist einerseits, dass es billig ist. Andererseits geht man früh zu Bett, da um einen herum nach 10 Uhr außer schnarchenden Indern nichts Spannendes passiert. Und es fühlt sich ein wenig wie Campen an.

Am nächsten Tag ging es wieder alleine weiter, aber das sollte nicht lange so bleiben.  Ich traf Jeff, den ich zuvor in Manali kennen lernte. Eigenartigerweise war er in der Gegenrichtung unterwegs. Seine Kollegen hatten Probleme mit einer Enfield und er war auf der Suche nach einem Mechaniker. Nur war der nächste in 100 km Entfernung. Also hab ich mir mal die Enfield genauer angeschaut und nach einer halben Stunde herausgefunden, dass der Zündgeber unter Wasser und Schlamm stand. Also sauber gemacht und sie lief wieder wunderbar. Danach ging es zusammen mit dieser Gruppe, welche aus Jeff, Stu und Mark bestand, weiter bis nach Leh und darüber hinaus. Wir ließen es recht gemütlich angehen, da wir nahezu an jedem Teezelt anhielten und uns 2-3 Tees genehmigten. Die kosten zwar nur um die 20 Cent pro Stück, aber im Nachhinein waren sie, glaube ich, das teuerste auf dem Weg nach Leh. Stu stellte sich als recht lustiger Fahrer heraus, da er fast jeden Tag einen anständigen Unfall baute und immer heil davon kam. So entschied er sich, den einen Tag während der Fahrt ein Video zu drehen. Als er die Kamera während der Fahrt abstellte und wieder auf die Strasse blickte, befand er sich nur noch zwei Meter von einem 1,5 Meter tiefen Graben entfernt. Er entschied sich, das Motorrad in der Flugphase zu verlassen. Ihm passierte nichts und an der Enfield brach nur der Bremshebel und die Fußrasten waren ordentlich verbogen. Also gab es für mich am nächsten Teehaus mal wieder was zu reparieren. Am nächsten Tag ging es kilometerweit über sandige Strassen. Normalerweise ist die Regel auf Sand, dass man ein strauchelndes Motorrad mit etwas mehr Gas wieder stabilisiert. Nur hatte die Afri auf 4800 Meter gar keine Lust, noch mehr Power zu produzieren. Aber wir haben diese Passage ohne Stürze in der ganzen Gruppe gemeistert.

Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch hoch auf den zweithöchsten Pass der Welt, welcher mit 5328 Meter zu Buche schlägt, aber es war schon recht spät und Jeff hatte ordentlich mit der Höhe zu kämpfen. Glücklicherweise gibt es immer mal vereinzelte Armeestationen, welche uns ein wenig Sauerstoff schnüffeln lassen, was ihn erstaunlich schnell wieder auf die Beine brachte. Danach ging es weiter zu unserem Nachtlager auf einer langen, guten Teerstraße. Als wir um eine Kurve herum kamen, rannten 50 Meter neben uns um die 20 Wildpferde, die uns für die nächsten fünf Kilometer begleiteten. Sie rannten mit 40 bis 50 km/h und hinterließen eine riesige Staubfahne. Es war nicht ganz einfach, das Ganze auf Bild fest zu halten, da auch keiner von uns die Pferde überholen wollte, um sie möglicherweise durch die Motorgeräusche zu verschrecken. Und das Ganze auf 4800 Meter Höhe. Keine Ahnung, wie die das durchhalten konnten, aber jeder von uns war von dem Anblick sichtlich bewegt und wir alle waren uns einig, dass es diese Momente sind, die das Reisen besonders machen.

Die Nacht verbrachten wir auf 4750 Meter vor dem Pass. Alle hatten am nächsten Tag ein wenig Kopfschmerzen. Aber wir mussten weiter, da es hier nicht so einfach ist, auf niedrigeres Terrain zu kommen. Also hoch auf den Pass, was sich als gar nicht mal so dramatisch heraus stellte. Nur hatte die Afri nun gar keine rechte Lust mehr und funktionierte nur noch in einem Drehzahlfenster von 3000 bis 4000 Umdrehungen. Und wenn der Motor zu warm wurde, wollte sie auch  nicht mehr so recht. Daher hieß es für mich, dass ich die Gruppe alleine lassen und etwas schneller nach oben fahren musste. Oben wieder vereint, gab es erst mal reichlich Fotos. So einen Erfolg muss man für die Nachwelt ja auch gebührend festhalten. Ich kam auf die Idee, den Höhenweltrekord für einen Handstand zu brechen. Währe schön, wenn das mal jemand für mich recherchieren könnte, ob ich das geschafft habe. Unterwegs sah man auch reichlich Fahrradfahrer, die sich den Berg herauf schleppten. Beeindruckende Leistung, aber wir waren uns alle einig, dass diese Menschen in diesem Augenblick nicht glücklich gewesen sein konnten. Jeder von ihnen war auch erst am Gipfel zu einem Gespräch bereit. Daraufhin ging es nun herunter vom Pass auf einen herrliche Serpentinenstrasse, die allen einen riesigen Spaß machte. Und so langsam hörte auch der Körper damit auf, einem ständig die Frage zu stellen, was man hier oben nur zu suchen hat. Am Abend erreichten wir dann Leh, und nach 2 Stunden Hotelsuche gab es dann endlich auch das verdiente Feierabendbierchen.

Nach zwei Tagen Reparaturen und Erholung entschieden wir uns dann, gemeinsam den höchsten Pass der Welt zu erklimmen. In der Nacht zuvor kamen aber die anderen auf die Idee, die Angst vor dem bevorstehenden Ereignis mit Alkohol zu bekämpfen. Glücklicherweise bin ich da nicht eingestiegen, da ich es sonst nie im Leben geschafft hätte, früh um sieben Uhr aus den Federn zu kommen. Die anderen schienen aber etwas Lebenserfahrung auf diesem Gebiet vorweisen zu können und waren recht munter und nur eine Stunde zu spät. Die Strassen waren bis auf 10 Kilometer über den Pass erstaunlich gut. Wir nahmen noch Tom mit – ein Holländer, der sich zwei Tage zuvor erst eine Enfield zulegte. Leider hatte diese Maschine Kupplungsprobleme und daher mussten wir auf den steilen Passagen ein wenig auf ihn warten. Stu, der am Vorabend beim Biere am meisten zugelangt hatte, nutzte diese Gelegenheiten, um seinen Kater auszuschlafen. Nur war die Bettwahl mit einem Stein vor einem 200 Meter Kliff nicht gerade die cleverste.

Zu meiner Enttäuschung musste ich feststellen, dass die Inder ganz gewaltig mit der Höhenangabe gelogen haben. Denn am zweithöchsten Pass wich mein GPS nur um zwei Meter ab. Hier oben jedoch um etwa 250 Meter. Angeblich soll der Pass 5603 Meter hoch sein aber laut GPS waren es nur 5550. Ich fragte frecherweise einen Soldaten, ob er einen Stift hat, damit ich das Schild berichtigen kann. Er lächelte nur und machte pssssssssssst. Angeblich hatte die indische Regierung erst vor kurzem mit hochpräzisem Armee-GPS den Pass vermessen. Aber ich war auch nicht ganz unglücklich darüber, da weitere 250 Meter der Afri sicherlich ganz ordentlich zugesetzt hätten. Danach ging es herunter in eine leichte Art Wüstenlandschaft inmitten der Berge. Es gab sogar Kamele, die wir aber nicht zu Gesicht bekamen, da wir uns entschieden, den Dalai Lama zu sehen, der in diesen Tagen gerade eine Statue einweihte.

Nach einer Nacht in dem Gebiet ging es also am nächsten Tag wieder zurück mit Zwischenstopp beim Dalai Lama. Dieser posierte während seiner Vorlesung sogar kurz mit Peace-Fingern, als er unsere Kamera erblickte, nur leider war keiner von uns so schnell, das ganze im Bild fest zu halten. Aber ein recht lustiger Geselle. Da er aber in tibetisch redete, wurde das ganze für uns recht schnell langweilig und es ging wieder zurück nach Leh. Stu entschied sich mal wieder, eine seiner ungeplanten Stunt-Einlagen zum Besten zu geben und schmiss sich selbst und sein Motorrad fast in eine Mauer. Wieder einmal blieb er unverletzt und machte sofort Scherze über die ganze Geschichte. Also gab es in Leh mal wieder etwas zu reparieren.

Ich lernte unterwegs auch zwei Inder kennen, die organisierte Motorradtouren in Indien durchführen. Und zu meinem Erstaunen war einer der Beiden eine Inderin, welche ordentlich am Kabel zog. So etwas sieht man hier sehr selten. Die letzten indischen Mädels auf Motorrädern hab ich in Goa gesehen und noch nie eine auf einer Enfield. Es gibt also doch noch vernünftige Frauen in diesem Land.

Am folgenden Tag verließ mich die Gruppe dann, da ihre Visa ausliefen und ich machte mir mit Tom Gedanken, wo es denn als Nächstes hin gehen könnte. Und wir entscheiden uns, uns  zu einem See im Osten von Leh aufzumachen, wobei man über den angeblich dritthöchsten Pass der Welt fahren muss.

Leider gab es morgens zwischen uns ein paar Unstimmigkeiten, da ich nicht so richtig aus den Federn kam und mir auch sonst ein wenig Zeit ließ. Jedenfalls kamen wir erst kurz vor Mittag los und ich fuhr zu Anfang auch noch 5 Kilometer in die falsche Richtung. Daraufhin ist Tom die Lust vergangen und er entschied sich, erst am nächsten Tag zu fahren. Ich wollte aber kein zweites mal packen und entschloss mich, den Weg dennoch anzutreten. Seit Längerem war ich mal wieder alleine unterwegs und ich habe es echt genossen. Es ging über herrliche Strassen und nur die zehn Kilometer über die Spitze des Passes waren ein wenig anspruchsvoller.

Leider hatte die Tankstelle am Weg  mal wieder kein Benzin. So musste ich auf dem Schwarzmarkt ein paar Liter kaufen. Glücklicherweise waren kurz zuvor zwei Inder wegen Benzinmangel gestrandet und ich nahm einen von ihnen mit, um gemeinsam auf die Suche zu gehen. Aber ganz sicher war ich mir dennoch nicht, ob es soweit noch reicht, da die Afri auf dieser Höhe gern mal zehn Liter auf hundert Kilometer zu sich nimmt. Kurz vor dem See traf ich dann noch einen Mönch, dem auch das Benzin in seinem Skooter ausgegangen war. Ich nahm ihn dann 15 Kilometer mit, aber so richtig dankbar war er dafür nicht. Scheint hier oben selbstverständlich zu sein, Mönchen eine Mitfahrgelegenheit zu geben. Der See an sich war wirklich einzigartig und vor allem der Sonnenuntergang ergab herrliche Bilder. Zu meinem Glück war hier oben auch ein anderer Deutscher, der einen recht gescheiten Eindruck machte und auch nicht ins typische Touristenbild passte. So hatte ich für ein paar Stunden mal wieder eine vernünftige Unterhaltung.

Am nächsten Tag ging es dann wieder zurück nach Leh, um dort noch ein paar Tage zu verbringen und auch Reparaturen an der Afri zu erledigen. So gingen dann für mich drei Tage mir nichts, dir nichts mit Erhitzen, Biegen, Sägen, Hämmern und Schweißen ins Land, um den rechten Schutzbügel der Afri wieder hin zu biegen. Ist schlussendlich auch geglückt. Er macht nun fast wieder einen neuen Eindruck. Während dieser Tage habe ich Frank wieder getroffen, den ich schon in Vashischt kennen gelernt habe. Obwohl wir beide vollkommen unterschiedlicher Natur sind, kommen wir erstaunlich gut klar und beschlossen, mal gemeinsam ein wenig Strecke zu machen. Glücklicherweise gesellten sich den einen Abend noch Nina und Lisa, zwei deutsche Mädels, dazu, die auch schon nach wenigen Tagen vom Touristenleben in Leh die Nase voll hatten. Also bin ich mit dieser Truppe noch mal ins Nubra Tal gefahren, was sich im Nachhinein mehrmals als eine geniale Idee und Glücksfall herausgestellte.

Irgendwie passte die Chemie der ganzen Truppe erstaunlich gut und wir hatten alle einen riesigen Spaß. Wir haben versucht, alle Seitentäler abzufahren und kamen teils weiter, als wir eigentlich durften, was man an der Reaktion des etwas entsetzten Militärs sehen konnte. Es scheint auch unheimlich zu helfen, weibliche Mitfahrer zu haben, da die Leute der Dörfer viel gelassener reagieren. Somit schauten wir uns viele Täler an und verbrachten einen Abend in den Sanddünen, was einem in diesem Augenblick einfach nur unwirklich erscheint, da man teils noch von Schneegipfeln umringt ist. Ich habe versucht, Lisa beizubringen, wie man eine große Maschine bedient, indem sie hinten saß und den Lenker übernahm. Dabei stellte sie sich so gut an, dass ich sie habe vorn sitzen lassen und nur in Notfällen eingriff.

Als dann eine Wasserdurchfahrt kam, wollte ich sie das in ihrer jungen Motorradkarriere doch nicht versuchen lassen und wir hielten an. Als ich die Afri wieder starten wollte, sprang sie nicht an. Das erste Mal nach über 25.000 km und 9 ½ Monaten. Und das nachdem ich jemand anderen nur 500 Meter habe fahren lassen. Scheinbar mag sie keine Mädels. Glücklicherweise war es aber nur der Lichtmaschinenregler, eine Kinderkrankheit der Afri, der nun nach 87.000 Kilometern den Geist aufgegeben hat. Ich hatte aber schon vorgesorgt und hatte einen zweiten dabei. Somit war sie nach 20 Minuten wieder flott und die Reise konnte weiter gehen.

Die Abende wurde durchgequatscht, so dass wir am nächsten Morgen immer etwas gerädert waren. Aber die Szenerie um einen herum weckte einen schnell wieder auf. Scheinbar hatten wir mit den Mädels auch unsere persönlichen Glücksbringer dabei, da wir fast immer herrliches Wetter über uns hatten, während es wenige Kilometer um uns herum vom Anblick der Wolken her zu stürmen schien.

Und damit hatten wir auch nicht ganz Unrecht. Denn in der Nacht desselben Tages, an dem wir Leh verließen, wütete ein Sturm über der Stadt und der restlichen Umgebung. Schlammlawinen brachen um Mitternacht los und begruben Teile der Stadt und ganze Dörfer in naher Entfernung. Täglich steigen die Todeszahlen und es scheinen wohl schon mehrere hundert zu sein, da auch noch etliche vermisst werden.

Das ganze haben wir aber erst 2 Tage später erfahren, da mit zusammengebrochenem Stromnetz nur wenige Nachrichten dieses Tal erreichten. Also beschlossen wir, am nächsten Tag den Rückweg anzutreten, um der Verwandtschaft der anderen mitzuteilen, dass man noch am Leben ist. Auf dem Weg zurück gibt es vor dem Pass eine kilometerlange Gerade und ich dachte mir, dass ich Lisa noch mal eine Chance gebe, die Afri zu fahren. Dabei stellte sie sich so gut an, dass sie die Hälfte des höchsten Passes der Welt im Alleingang bewältigte. Das sorgte für eine Menge Adrenalin auf beiden Seiten, aber so hatte ich wenigstens auch mal die Gelegenheit, die Landschaft genauer anzuschauen.

Als wir dann nach Leh kamen, hatte man den Eindruck, als ob man in eine Art Geisterstadt fahren würde. Jeder, den man sah, machte einen eigenartig verstörten Eindruck. Vier Tage lang hatten wir nur sehr wenige Menschen um uns herum und jetzt waren wir wieder in der Touristenmetropole gefangen. Wir fühlten uns alle fehl am Platz, aber alle Strassen, welche aus Ladakh heraus führen, waren zum Teil zerstört, so dass man erst einmal gefangen war.

So entschied ich mich am nächsten Tag, bei den Aufräumarbeiten mit anzupacken. Und da gibt es reichlich zu tun. Bisher habe ich die Dörfer noch nicht gesehen, aber alleine in der Stadt reicht die Zerstörung schon aus. Mehrere Häuser wurden einfach weggespült oder verwüstet. Und das Krankenhaus, welches ich mit vom Schlamm befreie, ist in nahezu jedem Raum einen halben Meter hoch mit Schlamm gefüllt. Wir haben versucht, teures Gerät aus den Räumen zu bergen und die Notaufnahme wieder frei zu legen, da die Regierung den Ausbruch von Infektionskrankheiten befürchtet. Dabei habe ich nun zwei Tage mitgeschaufelt und jetzt liege ich selber flach. Schlammpackungen auf der Haut sind wohl doch nicht so gesund.

Etwas mulmig wurde mir auch, als wir ein Röntgengerät aus dem Schlamm befreiten. Als das Militär davon Wind bekam, rannten sie mit Metalldetektoren in den Raum und untersuchten ihn. Wir vermuteten zuerst, dass sie damit nach Körpern suchen würden. Wie sich aber herausstellte, suchten sie nach Landminen, die  vom Hügel herunter gespült wurden. Mittlerweile wurden schon vier davon in den Räumen des Krankenhauses ausfindig gemacht. Bisher hatte aber noch nie jemand darüber ein Wort verloren.

Nahezu jeder Tourist versucht derzeit schnellstmöglich aus Leh zu verschwinden, obwohl das Leben hier langsam wieder normale Zustände annimmt. Und jeden Tag verstärkt sich das Gefühl, dass Leh zur Geisterstadt wird, da kaum noch Touristen da sind. Es wurde auch ein Kerzenmarsch organisiert, an dem sich zu meiner Überraschung fast die ganze Stadt beteiligte. Das ergab schöne Bilder der Anteilnahme.

Ich werde wohl so lange warten, bis eine Strasse aus diesem Gebiet wieder geöffnet wird und mich dann auch wieder Richtung Nepal aufmachen, um endlich nach Südostasien auszufliegen. Aber so lange das nicht geht, werde ich wohl bei den Arbeiten mit tätig sein – sobald es mir wieder besser geht.

So long…

Verfasst von: Nico Ackermann | 8. August 2010

Schlammlawine in Leh. Mir geht es gut.

Wie ihr vielleicht in den Medien mitbekomen habt, gab es hier in Leh eine gewaltige Schlammlawine.
Hunderte sind umgekommen.
Vielleicht habt Ihr den Spot mitverfolgt und gesehen, dass ich mich glücklicherweise nicht in Leh befunden habe.
Jetzt sind wir gerade zurück und es ist recht schwierig, Mails zu versenden da das Internets ständig blockiert ist. Die Strassen zu anderen Gebieten sind alle blockiert. Also werde ich bei den Aufräumarbeiten helfen oder vielleicht noch ein wenig in der Umgebung herumfahren um die zeit zu verbringen. Es wird wohl erst in einer Woche wieder möglich sein, irgend wo anders hin zu fahren.

Melde mich wieder…

Verfasst von: Nico Ackermann | 19. Juli 2010

Abenteuerliche Pässe

Leider ist es mal wieder eine Weile her, dass ich von mir habe hören lassen.

Alles ergab sich mal wieder ein wenig anders als geplant.

Ich bin viel in alle möglichen Seitentäler der Spitti Region gefahren um mir alles anzuschauen. Schließlich hatte ich ja auch Zeit tot zu schlagen, da der Pass noch nicht geöffnet war. So hatten wir auch Gelegenheit, ein Tibetisches Festival eines Klosters anzuschauen. Die Mönche erzählen die Geschichte ihrer Kultur mit Hilfe von riesigen Masken und eigenartigen Tanzritualen. Das ganze Dorf ist versammelt sich, um das Spektakel anzuschauen. Das Ganze ist für eine Weile recht spannend aber es wiederholt sich alles. Für die Leute der Dörfer ist es sicherlich eines der Höhepunkte des Jahres.

Am selben Abend öffnete der Pass und wir entschlossen uns, ihn am nächsten Tag zu überqueren. Nur kam, wie so oft, mal wieder etwas dazwischen. Als wir an der einzigen Tankstelle auf der ganzen Strecke ankamen, ergaben sich ein paar Probleme. Wie in Indien üblich, versuchte sich Jeder nach vorn zu drängeln. Leider auch erfolgreich. Der Typ vor uns konnte noch seinen Tank füllen. Als wir an der Reihe waren, hatten sie nur noch einen halben Liter. Daher war mal wieder Warten angesagt. Angeblich sollte der Tanker am Abend kommen. Das verlängerte sich dann auf den nächsten Tag. Daraus wurde ein weiterer Tag. Immer wenn man fragte, versicherte man uns, dass er in zwei bis drei Stunden da sein muss. Am dritten Tag waren somit immer mehr aufgrund Spritmangels gestrandete Leute in der Stadt. Man unterhielt sich natürlich und jeder erzählte von seinen Problemen, die er mit dem Motorrad hat. Leider war der einzige Enfield-Mechaniker der Stadt gerade für eine Woche weg. Da ich nichts zu tun hatte, habe ich mir ihre Motorräder mal etwas genauer angeschaut. Viele waren in katastrophalen Zustand. Manche fuhren komplett ohne Bremsen oder mit gebrochenen Vorderradaufhängungen. Also habe ich einige der Motorräder repariert und andere für tot erklärt. Glücklicherweise sollte ich das Ganze nicht für umsonst tun, denn ich konnte das Benzin der Motorräder bekommen, welche nicht mehr zu reparieren waren. Damit konnte ich meinen Tank und den meines Kollegen füllen. So konnten wir uns endlich auf den Weg über den Pass machen, ohne weiter auf den Tanker warten zu müssen.

Diese Fahrt stellte sich als interessanter heraus als erwartet. Die bisherige Strecke war recht einfach, aber das änderte sich dramatisch. Oft wurde die Strasse einfach durch riesige Schneemassen hindurch gefräst. So fuhr man nicht selten entlang von 5 Meter hohen Schneewänden. Was das ganze aber anspruchsvoll gestaltete, waren die Wassermassen der Schneeschmelze. Hinter nahezu jeder Kurve war eine Wasserdurchfahrt zu meistern. Oft floss das Wasser auch die Strasse herunter, so dass man manchmal mehrere hundert Meter in 30 cm tiefem Wasser auf losen, herhausgewaschenen Steinen fahren musste. Ständig in der Angst nicht umzukippen, um die Elektronik der Afri nicht zu töten. Nasse Füße gab es natürlich trotz Wasserdichten Stiefeln gratis dazu. Wasserdichte Stiefel nützen einfach nichts, wenn das Wasser zu hoch ist. Wir beide haben unsere Motorräder jeweils einmal ins Wasser geschmissen. Wir dachten, anstatt uns gegenseitig zu helfen, wäre es besser, das Ganze für die Nachwelt mit Hilfe eines Bildes fest zu halten. Glücklicherweise ist aber nichts passiert.

Auf dem Pass selbst fährt man eigentlich oft in einer Schneelandschaft. Es geht hoch bis auf 4500 Meter entlang von Gletschern und Schneemassen die permanent drohen herabzustürzen.

Entlang des Weges gibt es von Zeit zu Zeit ein paar Zelte, in denen ein wenig Essen verkauft wird und in denen man auch schlafen kann. Als ich sie fragte, wo sich denn die Toilette befindet, gab es nur ein großes Gelächter. Ist halt alles ein wenig simpler hier oben. Leider gibt es aber auch reichlich Alkohol. Nicht selten sieht man, dass Jeepfahrer, welche Touristen durch das Tal chauffieren, schnell in die Zelte rennen, um dann ein 200 ml Glas Whiskey auf ex herunter zu schütten, um für die nächsten Kilometer gewappnet zu sein. Mein Begleiter meinte, dass das, was die Einheimischen machen, nie dumm sein kann und es immer von Vorteil ist, sich den Sitten und Gebräuchen des Landes anzupassen. Danach war er auch deutlich schneller mit dem Motorrad unterwegs und passierte Wasserdurchfahrten wesentlich geschmeidiger, da er sie einfach nicht so recht wahrnahm.

Nach einer Nacht in den Zelten ging es dann auf die letzten Kilometer der Strecke nach Manali. Diesmal starteten wir um 7 Uhr morgens. Zu unserer Überraschung war es um diese Zeit um ein Vielfaches einfacher, da der Schnee noch nicht beginnt zu schmelzen. Am Ende der Strecke erwartete uns aber noch der recht berühmte Rotang Pass, welcher dafür bekannt ist, dass er durch die ständig wechselnden Streckenverhältnisse nicht ganz einfach sein soll. An diesem Tage war aber alles halb so wild. Wir sahen unter anderem ein Skigebiet und trafen auf tausende von Indischen Skitouristen, die lange Konvois den Berg herauf bildeten. Wie immer zeigen sie, dass sie im Verkehr einfach nicht teamfähig sind. Vor jeder Brücke, die nur für ein Fahrzeug passierbar ist, bildeten sich ellenlange Staus, da beide Seiten nach jedem Fahrzeug versuchten auf die Brücke zu fahren. Ich sah mir das Ganze eine Weile an. Dann stellte ich mich vor das vorderste Auto und ließ die Fahrzeuge der anderen Seite passieren. Das beschleunigte die Geschichte deutlich. Natürlich begleitet von Protest-Hupkonzerten der Fahrzeuge hinter mir. Auch nach Monaten in Indien kann ich mir die Verkehrsdynamik immer noch nicht wirklich erklären. Lustig war auch anzuschauen, dass mein Kollege mit T-Shirt herunter fuhr, im Gegensatz dazu die Inder eingemummelt in Ski-Anzügen aus den 80ern in beheizten Autos saßen und dieses nur in Gummistiefeln, Mütze und Handschuhen verließen.

An jeder Ecke wollten uns Leute permanent Safran verkaufen. So verlor die Landschaft um einen herum auch schnell an Reiz und wir wollten nichts wie weiter. Auf dem Pass traf ich auch einen Deutschen auf dem Fahrrad wieder, den ich zwei Monate zuvor in Nepal traf. Und er verfluchte die Strecke verständlicherweise aufs Übelste. Als Fahrradfahrer verliert man in diesem Verkehr jegliche Daseinsberechtigung. Es kursiert ein Gerücht: Falls einen Jemand über den Haufen fahren sollte, dreht dieser noch einmal um und fährt ein weiteres mal drüber, um sicher zu sein das man auch wirklich tot ist, da es viel zu teuer wäre das Krankenhaus zu bezahlen. Keine Ahnung ob das stimmt, aber ich möchte auch nicht versuchen, es heraus zu finden.

Angekommen in Manali bzw. Vashisht traf ich direkt in der ersten Stunde viele Leute, die ich zuvor in verschiedensten Orten kennen gelernt hatte. Somit hatte man natürlich viel zu erzählen und es wurde auch erst mal ein Belohnungsbierchen für die letzten 2 Wochen geopfert.

Nun bin ich seit knapp 2 ½ Wochen hier und tue das, was viele andere Touristen im Norden Indiens tun. Nicht sehr viel. Man verbringt die Tage mit Gesprächen und kleineren Ausflügen in die Umgebung. Ich habe hier auch eine Palästinenserin kennen gelernt, die doch ein wenig Eindruck auf mich macht. Aber auch auf Andere. Sie ist seit zwei Jahren mit ihrer Enfield in Indien unterwegs und macht das Ganze nicht alleine, sondern mit ihrem Hund. Es sollte durchaus mehr solcher Frauen auf der Welt geben.

Leider existiert hier oben auch eine ausgeprägte Drogenkultur weshalb es besser ist, sich mit Leuten am Morgen zu unterhalten, denn am Abend spricht man oft verschiedene Sprachen. Schade ist nur, dass hier nahezu Jeder damit zu tun hat. Ich habe auch endlich mal wieder ein paar sehr nette Inder kennen gelernt, mit denen ich gute Gespräche über das Land und seine Leute hatte. Ich habe endlich mal wieder exzessiv ein Fitness-Studio besucht, um körperlich nicht völlig zu verfallen. Man möchte ja in Thailand am Strand keinen gar zu schlechten Eindruck hinterlassen. Das war es wahrscheinlich auch, was mich so lange hier gehalten hatte. Ich wollte eigentlich nur eine Woche hier bleiben, aber jeden Tag kam man nicht so wirklich in die Schwünge. Ich denke, dass ich morgen nun endlich wieder unterwegs sein werde und mich auf den Weg nach Leh begeben werde.

Leider kamen mir aber schlechte Nachrichten über das Kashmirgebiet zu Ohren. Vor zwei Wochen wurden neun Menschen in diesem Gebiet wegen der Pakistanisch – Indischen Auseinandersetzungen hingerichtet. Jedoch soll das ganze nicht gegen Touristen gerichtet sein. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ich mich in solche Gebiete begebe und sich im Nachhinein herausstellt, dass es sich um eines der interessantesten der Reise handelt. Aber ich werde die Nachrichten verfolgen und mich bei der Polizei erkundigen. Leh gehört glücklicherweise noch nicht zu diesen Gebieten. Außerdem sind die Pässe dieses Jahr ständig gesperrt da es immer wieder Erdrutsche gibt, welche die Strassen für Tage blockieren. Aber jetzt hat es einige Tage nicht geregnet, was die Chancen erhöhen sollte, ohne Probleme hindurch zu kommen.

Wünscht mir Glück.

Das nächste Mal, wenn ich von mir hören lasse, befinde ich mich dann wohl in Leh.

Verfasst von: Nico Ackermann | 18. Juni 2010

Die Berge haben mich wieder

Nach doch eher heißen Tagen in Rishikesh habe ich mich nun endlich aufgemacht, um das Spiti Tal zu erkunden. Dies ist eine große Runde durch das Himalayagebiet im Norden Indiens. Das Ganze sollte doch eher eine Fahrt ins Ungewisse werden, da man über die Straßenzustände zuvor nie etwas Gutes hört. Angeblich sollen es die Schlimmsten in ganz Indien sein. Aber dazu musste ich zuerst mal zum Anfang dieses Gebiets. Ich habe mich für den Weg durch die Berge entschieden. Ich wollte einfach raus aus dem Flachland und der Hitze.

Es ging in einem Mix aus schönen Serpentinenstrecken und Geländefahrten 400 km Richtung Norden. Immer durch herrliche Landschaften, die teilweise sogar ein wenig an deutsche Wälder erinnerten. Der Weg führte entlang des Ganges, so dass ich sogar fast bis zu dessen Quelle gefahren wäre. Hätte ich mir gern angeschaut. Das hätte jedoch bedeutet, zwei Tage zu Wandern. Andere Freunde haben zuvor versucht, mit dem Motorrad zur letzten möglichen Stadt zu fahren. Der Weg war jedoch schwieriger als gedacht. Gelohnt hätte sich das Ganze ja wirklich nur, wenn ich dann auch bis zur Quelle gewandert wäre. Dazu war ich aber ein wenig zu faul.

Entlang des Weges gibt es nur wenige Dörfer, so dass man meist nur ein paar vereinzelte Jeeps oder Reisebusse sieht. Was die Sache aber auch nicht besser macht. Man fährt viele blinde Kurven und vergisst schnell, dass auch etwas entgegenkommen könnte, wenn man nur jede halbe Stunde ein anderes Fahrzeug sieht. Daher muss man sich schon ein wenig konzentrieren.

Komisch ist auch, dass man, obwohl oft 30 km vom nächsten Dorf entfernt, immer von Indern umringt ist. Man denkt, man wäre alleine und hält an, um sich kurz zu erleichtern. Wenn man sich umdreht, stehen immer ein paar Leute hinter einem. Keine Ahnung wo die herkommen, die werden bestimmt dafür bezahlt, arme harmlose Ausländer zu erschrecken. Na ja, so mit ist man wenigstens nie wirklich alleine.

Glücklicherweise habe ich die ersten beiden Tage abends ein günstiges Zimmer mit TV gefunden. So konnte ich den Anfang der Fußball WM verfolgen. Ich hätte so gern das Deutsche Spiel gemeinsam mit den Australiern angeschaut J

Nach zwei Tagen Fahrt habe ich dann den Anfang des Spiti Tals erreicht. Zu meinem Erstaunen sahen die Strassen bis hierher doch recht gut aus. Ich hatte mich schon auf 500 km Straßenverhältnisse wie in Norden Nepals eingestellt. Wie ich die folgenden Tage herausfinden sollte, bleibt es auch so. Teils gibt es schöne Geländepassagen, auf denen es mit der Afri Riesen Spaß macht. Dann wechselt das Ganze abrupt zu passablem Asphalt, bis hin zu perfekten neuen Strassen, auf denen man es ein wenig fliegen lassen kann. Aber auch hier muss man sich zusammenreißen, da man sonst wirklich Gefahr läuft, zu fliegen. Denn nicht selten geht es direkt neben der Straße hunderte Meter steil nach unten.

Außerdem besteht weiterhin das Problem, dass hinter jeder Kure ein LKW auftauchen kann. Hier wird recht fleißig an Wasserkraftwerken gebaut, weswegen viele Strassen wahrscheinlich auch in solch gutem Zustand sind. Staubige Wege werden oft sogar bewässert, damit man vor lauter Staub nicht die Strasse aus den Augen verliert. Das ist kein Scherz, denn auf unbewässerten Abschnitten kann man 20 Meter hinter einem LKW keinen halben Meter weit sehen. Zum Überholen muss man auf einen besseren Abschnitt warten.

Aber Alles in Allem muss ich sagen, dass der Weg durch das Spiti Tal für einen Reisenden wie mich, der von abenteuerlichen Strassen nicht abgeneigt ist, nahezu perfekt ist. Es macht einfach nur riesigen Spaß, eben gerade durch den ständigen Wechsel. Man findet auch eine Menge andere Reisende, die man abends immer wieder trifft. So entsteht langsam eine nette Reisegemeinschaft. So habe ich auch ein paar Deutsche kennen gelernt, die hier ihren Urlaub verbringen, indem sie durch das Tal mit Royal Enfield Motorrädern fahren.

Langsam reift die Idee, dass ich mir auch eine Enfield zulege und diese nach Deutschland schicke. Am liebsten eine mit Dieselmotor. Das währe dann mal wirklich was Seltenes für gemütliches Cruisen in Deutschland. Dazu müsste ich aber erst mal wissen, wann es denn zurückgeht. Leider weiß ich darauf noch keine Antwort.

So langsam geht es immer höher hinaus. Die erste Nacht habe ich schon auf 3500 Meter verbracht. Dann ging es zwar direkt wieder herunter, aber heute bin ich wieder auf dieser Höhe und es wird die nächsten Tage auch so bleiben. Es wird sogar noch ansteigen bis auf knappe 4500. Leider ist der Pass, der sich auf dieser Höhe befindet und am Ende des Tals liegt, derzeit gesperrt. Es gab innerhalb einer Nacht 60 cm Neuschnee, der die Strassen blockierte. Aber ich vertraue mal darauf, dass die Indischen Räumdienste einen guten Job machen. Man sieht sie auch hier schon ständig die Strassen nach Erdrutschen wieder herstellen. Es sieht schon beeindruckend aus, wenn ein Bagger einen 2 Meter großen Felsen 100 Meter tiefer in den Fluss stößt

Selbst aus dieser Entfernung kann man noch deutlich die Vibrationen spüren, wenn der Felsen unten aufschlägt. Es verschafft einem andererseits aber auch kein gutes Gefühl, wenn man die Felsen über einem sieht, die aussehen, als würden sie jeden Moment herabstürzen.

Ihr werdet Euch fragen, was Menschen dazu bewegt, dieses Tal zu besuchen. Da kann ich nur sagen, dass man hier mit wahnsinnig beeindruckenden Landschaften entlohnt wird, die einen Besuch mehr als wert sind. Ich komme mir die ganze Zeit vor, als wäre ich in einem ‚Herr der Ringe’ Film. Damit kann man es wohl am ehesten vergleichen, obwohl das ja in Neuseeland gedreht wurde.

Hoffentlich klappt es, dass ich zu diesem Artikel noch ein paar Bilder hochladen kann. Ansonsten könnt ihr euch die anschauen, wenn ich wieder in Manali bin. Dort gibt es vermutlich eine vernünftige Internetverbindung.

Die Landschaften werden von Kilometer zu Kilometer besser. Leider wird mein Körper auch immer schwächer. Die Höhe macht einem schon ganz schön zu schaffen. Vor allem wenn man die Afri ein wenig rangieren muss. Dann wünscht man sich schnell eine zweite Lunge. Muss vielleicht mal über Stützräder nachdenken. 😉

Macht’s gut und wünscht mir Glück, dass die Pässe offen sind…

Verfasst von: Nico Ackermann | 8. Juni 2010

Zurück in Indien

Endlich mal wieder auf Reisen. Raus aus Pokhara wo man zu schnell sesshaft wird, ohne es zu wollen.

Also erst mal dieselbe Strecke zurück. Ist aber nicht weiter schlimm. 160 Kilometer auf sehr schönen Serpentinen mit gutem Asphalt. Die Fußrasten dürfen mal wieder mal ein wenig kratzen. Danach begann der eher langweilige Teil Richtung Indien. Es ging etwa 600 Kilometer größtenteils geradeaus.  Da ich keine Lust auf Pausen hatte, habe ich gut 400 Kilometer an einem Tag hinter mich gebracht. Leider rächte sich das am Abend mit anständigen Kopfschmerzen. Kurz vor der Stadt, in der ich die Nacht verbringen sollte, lernte ich einen deutschen Radfahrer kennen, der im stolzen Alter von 57 Jahren von Tibet in die Berge Indiens strampelt. Das ist bei durchschnittlich 4000 Meter Höhe in Tibet kein Spaß. Ich hatte es schon satt, als ich bei 3650 Meter mein Gepäck eine Etage höher tragen musste. An diesem Tag hatte er 140 Kilometer hinter sich gebracht. Und das bei gut 40 Grad. In der Nacht hatten wir im Hotel noch 36 Grad.

Am nächsten Tag ging es dann raus aus Nepal. Die Grenzprozedur war verhältnismäßig unproblematisch. Das Ganze ging in etwa zwei Stunden über die Bühne. Dann stand ich da und wusste nicht so recht, ob ich mich freuen soll oder nicht. Sofort fing wieder der intensive Verkehr an. Schon in Nepal wurde es schlimmer, je weiter man zur Grenze kam.

Leider war die Ankunft in Indien wieder etwas eigenartig. Ich checkte in einem Hotel ein. Nachdem ich alle Taschen im Zimmer verladen hatte und mich gerade aus der Kombi schälte, kam der Hotelmanager herein und meinte, dass das Zimmer schon gebucht wäre. Natürlich großer Blödsinn. Er hatte natürlich keine Erlaubnis, Ausländer zu beherbergen. Die Polizei hätte ihm wahrscheinlich die Hölle heiß gemacht.

Wie Ihr Euch aber vorstellen könnt, war ich davon gar nicht begeistert. Ich zog zwar widerwillig ab, aber nicht ohne die werten Herren ein wenig aufzuregen. Stell Dir einfach vor, Du fährst bei 40 Grad 350 Kilometer. An der Grenze hast Du zwei Stunden lang schwitzend damit zu tun, die Grenzbeamten bei Laune zu halten. Permanent musst Du sinnlose Fragen von neugierigen Grenzpassanten beantworten. Eine halbe Stunde fährst Du in der überhitzen Stadt durch schleichenden Verkehr auf der Suche nach einem Hotel. Du verbringst 20 Minuten damit, alles im Zimmer zu verstauen. Und dann, wenn Du nur noch eine kühle Dusche im Kopf hast, sagen sie Dir, dass Du wieder abziehen musst. Echt prickelnd.

Im nächsten Hotel und eine kühle Dusche später begab ich mich ein wenig auf die Marktstrassen. Ich muss sagen, dass ich nicht erwartet hätte, dass ich das so genießen könnte. Es scheint so, als habe ich die Menschenmengen ein wenig vermisst. Der Norden Indiens scheint auch nicht so schmutzig und von Kuhmist übersäht zu sein. Die Menschen sind sehr hilfsbereit. Nicht ein Einziger versuchte, die Afri zu besteigen. Was ist nur mit Indien passiert? Es sieht gleich aus, aber es fühlt sich total anders an. Mal schauen, wie sich das die nächsten Tage entwickelt. Vielleicht kann ich den Norden Indiens doch noch richtig genießen. Hier lebt scheinbar auch ein hoher Anteil von Sikhs, deren Menschenschlag ich sowieso sympathisch finde.

Hutch, mit dem ich schon in Nepal unterwegs war, meldete sich. So trafen wir uns in Rishikesh am nächsten Tag nach weiteren 300 Kilometer Fahrt.

Ich bin auch stur dem GPS gefolgt, das die Route diesmal wohl ein wenig interessanter gestalten wollte. Die kürzeste Strecke ist nicht immer die Einfachste und Schnellste. So ging es mit Schrittgeschwindigkeit mitten durch stark belebte Märkte, Wasserdurchfahrten und staubige Strassen. Man konnte das Fahrzeug fünf Meter vor Einem nicht mehr sehen. Es gab auch sehr schöne Sandstrecken. So konnte ich mal wieder meine Fahrtechnik auf diesem Untergrund verbessern. Alles in allem ein interessanter, aber intensiver Tag.

Die Australier, mit denen ich in den Norden Nepals gefahren war, haben sich ebenfalls hier eingefunden. Sie mussten etwas überstürzt aus Nepal aufbrechen. Ihr Visum lief aus und sie wollten kein Neues bezahlen. So versuchten sie, in zwei Tagen von Katmandu an die Westgrenze Nepals zu kommen. Dieser Plan ging nicht ganz auf, da sie mit acht defekten Speichen am Hinterrad gefahren sind.  Sie meinten, dass sie keine Zeit hätten, dieses zu reparieren. Als sie mit 80 Sachen ein ordentliches Schlagloch trafen und die Nabe des Hinterrades in zwei Teile zerbrach, wurden sie eines Besseren belehrt. Glücklicherweise haben sie die Kofferträger an den Seiten des Motorrads vor einem Überschlag bewahrt. So sind sie nur von einer Seite zur anderen entlang geschlittert. So viel Glück muss man bei so viel Leichtsinn erst mal haben. Jetzt haben sie hier vier Tage damit verbracht, das Motorrad wieder flott zu machen. Natürlich hat es auch einige andere Teile zerlegt. Eigentlich wollte ich hier mit Hutch nach zwei Tagen wieder in den Norden abhauen, aber er entschied sich in letzter Minute, einen neuen Motor zu besorgen. So wurde aus diesem Plan nichts.

Daher werde ich mich wohl morgen oder übermorgen alleine auf den Weg in den Norden begeben.

Mal schauen…

Verfasst von: Nico Ackermann | 1. Juni 2010

Auf in die Berge…

Und ein weiteres Mal haben sich die Pläne geändert.

Ich verbrachte ein paar Tage in Katmandu um mein Indisches Visum zu organisieren. Leider haben sich ja die Visabestimmungen für Indien geändert. Man muss derzeit normalerweise zwei Monate außerhalb des Landes bleiben, bevor man wieder einreisen kann. Daher habe ich, wie die Anderen mit denen ich Unterwegs war, eine Agentin beschäftigt. Sie soll das Ganze ein wenig beschleunigen, da sie private Kontakte zur Botschaft hat. Das hatte für mich auch gut funktioniert. Nicht jedoch nicht für die Anderen, da sie noch ein gültiges Visum besitzen.

Daher wollte ich hoch in den Norden zur Tibetischen Grenze, wo es unter anderem einen der höchsten Bungee Jumps der Welt gibt. Als wir aufbrechen wollten, hatten die Anderen aber eine neue Idee. Um die Wartezeit zu überbrücken, wollten sie doch noch nach Jomsom und Muktinath fahren. Ich wollte sowieso schon die ganze Zeit dorthin. So war ich natürlich dabei.

Also zuerst mal zurück nach Pokhara. Zwei Tage später ging es endlich los. Der Anfang der Strecke gestaltete sich noch recht simpel. Guter Asphalt und nette Serpentinen. Aber das änderte sich schnell. Es gab es nur noch Offroad. Da war die Afri in ihrem Element. Die anderen waren mit Enfields unterwegs, haben sich aber gut angestellt. Ich war doch recht beeindruckt, wozu diese Motorräder taugen. Dennoch war ich natürlich erheblich schneller unterwegs. So hatte ich wenigstens Zeit hier und da anzuhalten und ein paar Bilder zu schießen. Wie schnell ich wirklich unterwegs sein konnte sollte ich später noch herausfinden.

So sind wir auf teils anspruchsvollen Strecken von Dorf zu Dorf gefahren, um dort die Nacht zu verbringen und haben dabei jedes Mal einige Höhenmeter hinter uns gebracht. Die Sicht auf die Berge ist wirklich beeindruckend und ändert sich alle paar Kilometer. Es kam auch vor, dass man ein Dorf am Abend erreichte und durch Wolken so gut wie nichts von den Bergen sehen konnte. Am Morgen war man einfach nur noch überwältigt. Ich habe so etwas in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen und bin wirklich froh, dass ich diese Reise unternommen habe. Wie so oft verstärkt sich somit das Gefühl, dass man selbst nur sehr klein auf diesem Planeten ist. Im Laufe des Tages verändert sich auch das Aussehen der Berge, da ständig Neuschnee fällt und wieder schmilzt. So konnte man einige Zeit damit verbringen, sich einfach nur die Landschaft anzuschauen.

Die Strecke wurde zunehmend schwieriger, da es von Zeit zu Zeit ein paar Wasserdurchfahrten zu bewältigen galt. Wirkliche Probleme gab es aber erst, als man uns wegen anstehender Bauarbeiten nicht weiter fahren lassen wollte. Irgendwer, ohne wirkliche Entscheidungsgewalt, sagte uns, dass hier Ende sei. Keiner dürfe diesen Abschnitt passieren. Wir haben uns aber zuvor schlau gemacht und gefragt, ob man die komplette Strecke absolvieren dürfte. Ich wollte die Anderen überreden, diesen Typ einfach links liegen zu lassen und bis zu der Stelle an der die Bauarbeiten beginnen weiter zu fahren und dort Jemanden zu fragen, der wirklich etwas zu sagen hat. Die Anderen vertieften sich mal wieder in Gespräche. Sie entschieden, die drei Kilometer zu dieser Stelle zu laufen. Ich wartete und hatte ein Auge auf die Motorräder. Wie sich in Gesprächen mit den Dorfbewohnern herausstellte, hatte dieser Typ wirklich nix zu melden. Als ich ihn nochmals zur Rede stellen wollte, flüchtete er nur und war zu keiner weiteren Konversation bereit. Nach 90 Minuten kamen die anderen mit der Nachricht, dass wir passieren dürfen, zurück. Wir müssten noch eine Stunde warten, bis die Bagger mit der Arbeit fertig sind. Angeblich wollten sie am nächsten Tag Teile der Strecke sprengen, da überhängende Felsbrocken drohten, auf die Strasse zu stürzen. Nach den Sprengungen sollte die Strasse für zwei bis vier Wochen nicht mehr passierbar sein. Also fuhren wir durch. Während wir passierten waren die Bagger mit ihren Arbeiten noch nicht ganz fertig, aber es gab keine Probleme, an ihnen vorbei zu kommen. Es ging also weiter in kleine Dörfer, mit Menschen die den Tourismus zwar gewöhnt sind, aber dennoch einen ganz eigenen sehr angenehmen Charakter haben. Sehr freundlich und hilfsbereit. Noch vor zwei Jahren musste alles zu Fuß hier herauf transportiert werden. Man kann immer noch manche Träger sehen, die einzelne Waren und auch Hühner tagelang durch die Berge schleppen und in den Dörfern verkaufen. Und das sind teilweise erhebliche Lasten. Die Träger machen oft auch nicht den jüngsten Eindruck. In jedem Dorf machen sie halt, um einen kleinen Plausch zu halten. Und es sieht so aus, als ob sie das Ganze schon seit vielen Jahren machen.

In einem der Dörfer lernte ich einen Nepalesen kennen, der sein ganzes Leben in England verbracht hatte und hier derzeit an einer Schule für einen Monat Englisch unterrichtet. Da es somit keine Verständigungsschwierigkeiten mehr gab, konnte er mir Einiges über die Nepalesischen Lebensverhältnisse beibringen. Da er auch mit dem halben Dorf verwandt war, konnte man sich schnell mit den Leuten bekannt machen, was zu netten Unterhaltungen am Abend führte. Was aber auch nicht schwer war, da die Nepalesen gern zum Reiswein greifen und somit alle Schüchternheiten schnell weg sind. Ich habe auch seine Schule besucht, die von einer Schweizer Organisation gestiftet wurde und war sogar in einer der Unterrichtsstunden. Und ich muss schon sagen, dass er das für seine jungen 19 Jahre sehr vernünftig macht.

Die nächsten Tage ging es weiter nach Kagbeni. Ein wirklich sehr schönes Dorf. Es scheint, als ob es eine Oase im Grau der Berge wäre. Man kommt über einen Hügel und sieht auf einmal eine grüne Insel.

Auch innerhalb des Dorfes ist es schön, herumzulaufen. Die Aussicht ist sagenhaft, da man von drei großen Bergen umgeben ist. Auch die Menschen faszinieren mit ihrer Gelassenheit.

Auf dem Weg dorthin bekam ich auf einmal einen Anruf von meinen Eltern mit den Worten: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“. Habe ich doch glatt meinen eigenen Geburtstag verpasst. Witzigerweise war in unserem Hotel ein anderer Deutscher, der an diesem Tag seinen 60sten feierte. Somit wurde es eine doch recht feuchtfröhliche Nacht, in der uns die Polizei behilflich sein musste, ein paar Flaschen Apfelbrandy zu besorgen. Es schien so, als ob das die wichtigste Mission des Tages für sie gewesen wäre.

Dann ging es weiter ins wenige Kilometer entfernte Muktinat welches laut meinem GPS auf 3650 Meter liegt. Und hier fingen doch langsam die Probleme mit der Höhe an. Man merkte es bei der Afri sehr deutlich, da sie unterhalb einer Drehzahl von 3000 gar nicht so richtig in die Hufe kam. Aber darüber hinaus war es kein Problem. Mir bereitete es doch langsam Schwierigkeiten, das Gepäck in die zweite Etage zu schleppen. Und ich brauchte erst mal einen Tag bis ich wieder ganz normal atmen konnte. Scheinbar zeigen sich hier die Spätfolgen meines Unfalls doch so langsam.

Wir spielten mit dem Gedanken, auf die höchste Passage des Trecks, der hier entlang führt, zu laufen. Das hätte bedeutet, dass wir innerhalb eines Tages auf 5450 Meter gestiefelt wären. Durch Gespräche mit erfahrenen Treckern bin ich nach 3 Tagen doch von dieser Idee weg gekommen. Die Anderen dann schlussendlich auch. Ich hatte ja auch nicht wirklich vernünftige Trekkingausrüstung dabei. Außerdem werde ich mit der Afri wahrscheinlich in Indien noch in solche Höhen fahren. Da sich da oben die Aussicht auch nicht stark verändern soll, genossen wir den Blick von hier aus.

Am nächsten Tag fuhren wir zurück nach Kagbeni. Da es ja keine weite Strecke war, sind wir erst am frühen Nachmittag gestartet. Als wir ankamen, wollte ich keine weitere Nacht dort verbringen. Ich brauche etwas mehr Leben um mich herum, weshalb es mich nicht wirklich reizt, hier mehrere Tage zu verbringen. Die Anderen haben sich nach dem Fahren meist ein Buch geschnappt. Sie wollten hier oben am Liebsten noch eine weitere Woche verbringen. Da wäre ich doch vor Langeweile gestorben. Deshalb entschied ich mich, weiter zu fahren, was sich im Nachhinein als äußerst weise herausstellte. Ich dachte, dass ich nur ein paar Dörfer weit kommen würde, aber ich konnte endlich mal richtig Strecke machen. Ich musste auf Niemanden warten und konnte einfach nur die Fahrt genießen. Stundenlang ging es durchs Gelände, Wasserdurchfahrten und Hängebrücken. Ich machte auch keine Pausen, da das Fahren einfach zu viel Spaß machte.

An einer Stelle jedoch war erstmal abrupt Pause. Ich hatte es doch etwas übertrieben. Ein LKW fuhr sich im Schlamm fest, der in den letzten Tagen entstanden war und die Abfahrt deutlich schwieriger gestaltete. Da ich nicht auch stecken bleiben wollte, bin ich außen auf einem etwa 50 cm breiten Grat vorbei, der aber mit nicht gerade kleinen Steinen gesät war. Ich dachte mir aber, dass die Power der Afri das schon regeln wird. Falsch gedacht. Auf einmal schoss die Front empor, da ein Stein als Rampe diente und ich landete auf der Seite. Mir war nix passiert. Die Afri hat einen Spiegel verloren. Leider hat es dabei auch mal wieder die rechte Außentasche abgerissen. Näh-Reparaturen gestalten sich in Asien erstaunlicherweise immer etwas schwierig.

Hinter mir fuhren ein paar Nepalesen auf kleineren Motorrädern, die mir erst mal hoch halfen. Daraufhin bin ich dann zusammen mit ihnen einen großen Teil der Strecke gefahren. Die Stelle, an der die Sprengarbeiten durchgeführt werden sollten, erwies sich dann doch als keine Lüge. Teilweise fehlte die halbe Strasse und es lagen ordentlich Felsen herum. Ich dachte, dass wir da wohl nicht durchkommen werden, aber mit vereinten Kräften haben wir die Maschinen durchgedrückt und gezogen. Somit zieren die Afri jetzt so einige Zeitzeugnisse in Form von Kratzern. Das macht sie ihrem Besitzer doch immer ähnlicher.

Leider konnte ich von der Stelle keine weiteren Bilder machen, da sich von oben Felsen zu lösen und herabzustürzen drohten. Mir war die Sache nicht bewusst, aber die Nepalesischen Jungs waren ganz aufgeregt. Manchmal ist es gut, sowas erst im Nachhinein zu wissen.

Später machten wir dann einen Zwichenstop an heißen Quellen und ich entschied mich, bis nach Pokhara durchzufahren. Leider gelang mir das nicht ganz, da 30 km zuvor ein mächtiges Gewitter aufzog und ich mittlerweile auch schon 9 Stunden Geländefahren hinter mir hatte. Witzigerweise hatte ich mit der asphaltierten Strasse mehr zu kämpfen, da ich doch schon sehr müde war. Als schnell ein Hotel gesucht. Die Besitzer meinten nur, dass es besser wäre, mein Motorrad im Restaurant unter zu stellen. Es würde wohl ein mächtiges Gewitter werden. Und so kam es auch. Habe noch nie so viele Blitze in so kurzer Zeit gesehen. Pro Sekunde hat es ohne Übertreibung im Schnitt dreimal geblitzt. Und das ganze für etwa 20 Minuten. Ein wirklich sagenhaftes Schauspiel. Schön zu sehen war auch, dass die Leute des Hotels hier mit Vögeln im Einklang leben. Diese haben auf der Leuchtstoffröhre ein Nest gebaut und somit kreisen Ständig Vögel im Raum herum.

Am nächsten Tag ging es nun schlussendlich nach Pokhara. Jetzt brauchte ich erst mal ein paar Tage Auszeit. Viel hat sich während dieser Zeit nicht ergeben, da man den Tag meist mit Essen, Gesprächen und einem Film am Abend im Restaurant verbrachte. Nach und nach habe ich die Reparaturen erledigt. Somit geht es der Afri wieder gut. Ich habe auch endlich die Kette gewechselt. So muss ich nun nicht mehr dieses elend schwere Ding in meinem Gepäck herumschleppen. Bald ist auch der Hinterreifen dem Ende nahe. Dann kann ich wieder mit leichtem Gepäck unterwegs sein, was das Fahrverhalten doch deutlich beeinflusst. So wie es aussieht, werde ich mich morgen wohl nach Indien in den Kaschmir aufmachen, um mir auch die Berge in diesem Gebiet anzuschauen. Zudem ist dies wohl eine gute Entscheidung, da der Monsun dieses Gebiet nicht erreicht. Aber wir werden sehen. Alle Pläne ändern sich schnell auf Reisen.

Lasst es euch gut gehen.
Fast vergessen: Hallo Leni Sue, alles Gute zum Kindertag!

Verfasst von: Nico Ackermann | 8. Mai 2010

Alles kommt anders als man denkt…

Ich habe hier in Nepal eine Gruppe von weiteren Enfield Fahrern kennen gelernt. Viele Leute sitzen aufgrund des Streiks ja hier fest.

Wir haben Pläne geschmiedet, wie wir am besten heraus kommen und welche Gegenden man noch besuchen sollte. Wir waren schon so weit, eine Person nach Katmandu fliegen zu lassen, um für uns alle Indische Visa zu beantragen. Aber wie so oft in den letzten Tagen ändert sich mal wieder Alles schlagartig.

Nach Ankündigung von gewaltsamen Auseinandersetzungen hat der Streik urplötzlich in der Nacht aufgehört. Die Maoisten mussten sich eingestehen, dass sie mit den Streiks in der Öffentlichkeit immer mehr auf Missgunst stoßen. Zudem hat sich der Premier Minister unter der Vorraussetzung, dass die Streiks beendet werden, zu Verhandlungsgesprächen bereiterklärt.

In der Hoffnung, dass dieser Zustand noch eine Weile anhält, können wir jetzt doch nach Katmandu fahren. mit. Während der Zeit in der wir auf die Visa warten müssen, wollen wir uns die Zeit mit Fahrten ins Katmandu-Tal und wohl auch hoch zur tibetischen Grenze vertreiben. Und danach geht es Richtung West zurück nach Indien. Auch wenn ich dabei ein wenig mit mir kämpfen muss, aber der Norden Indiens soll auch vom Menschenschlag her ganz anders sein. Sicher wird es wohl täglich atemberaubende Landschaften zu sehen geben. Zudem führt es auf die höchsten Pässe der Welt. Die wollte ich doch schon gern auf meiner Liste der Dinge, die man im Leben getan hat, abgehakt haben.

Voraussichtlich wird das Ganze wohl zwei Monate in Anspruch nehmen. Ich muss sowieso versuchen, die Monsun-Zeit so gut wie möglich zu überstehen. Da bietet sich der Norden Indiens, der außerhalb des Monsungebiets liegt, an.

Aber hoffen wir dass es bei diesem Plan bleibt und auch die politische Situation für ein paar Tage stabil bleibt.

Verfasst von: Nico Ackermann | 6. Mai 2010

Endlich nach Nepal

Ich musste in Varanasi noch ein paar Tage auf meine Reifen warten, da sich immer wieder neue Probleme ergaben. Jeder wollte gern noch etwas an mir verdienen. So wurde die ganze Geschichte doch teurer als erwartet. Aber was soll’s, schließlich macht Fahren ohne Reifen keinen großen Spaß. Schlussendlich hat es doch noch geklappt und ich konnte die Schlappen endlich in meinen Händen halten. Ich wollte gleich am nächsten Tag aufbrechen, zuvor aber noch den Vorderreifen wechseln und an den Taschen noch ein paar Reparaturen vom kleinen Unfall zuvor erledigen.

So eine Taschenreparatur kann schon recht stressig sein, da ich beim Schneider von 200 Leuten umringt war und dieser dadurch sehr schnell die Geduld verlor. Es gab ein so starkes Gedränge, so dass die Vorderen auf mich drauf geschoben wurden. Ich musste ein wenig ungemütlich werden um mir etws Luftz zum Athmen zu verschaffen. Inder verstehen die Worte „Fass das bitte nicht an“ einfach nicht. Mehrfach wurde die Afri fast umgerissen. Kinder versuchten, kleine Teile zu stehlen. Einer hat mir sogar einen Blinker abgerissen. Eigenartig war, dass ich zwei Tage zuvor schon an selber Stelle stand und das niemanden interessierte.

Sehr frustriert ging ich dann zum Hotel zurück und musste mir ein letztes Mal eingestehen, dass in Indien einfach nichts so funktioniert, wie man es gern hätte. Ich war nun wirklich so weit, das Land zu verlassen.

Also ging es am nächsten Tag endlich nach Nepal. Und je näher ich der Grenze kam, um so klarer wurde mir, dass es schon längst Zeit war, aus Indien herauszukommen. Es gab sicherlich viele schöne Momente in Indien und ich habe eine Menge faszinierender Dinge gesehen. Aber schlussendlich hat mich Indien eher enttäuscht, da ich mir zuvor viel davon erhofft hatte. Für so eine Art Reise ist das aber nicht schlecht, da man ja nach Herausforderungen sucht. Trotzdem möchte man für seine Mühen auch entlohnt werden, so dass man sagen kann, dass es die Strapazen wert war.

Die Strassen sind einfach extrem gefährlich und verglichen mit den anderen von mir bereisten Ländern steht Indien einfach an letzter Stelle. Dennoch möchte ich es nicht missen, vor allem auch weil man immer den Vergleich braucht, um Dinge wertschätzen zu können. Ohne die Probleme bei der Reifenbeschaffung wäre ich schon einen Monat zuvor draußen gewesen. Aber das liegt nun hinter mir.

Und deswegen heißt es jetzt: „Willkommen Nepal“. Der Menschenschlag änderte sich gleich an der Grenze. Man wird freundlich empfangen, Leute lächeln mal wieder und sagen „Danke“ und „Auf wieder sehen“. War mir gar nicht so bewusst, aber das hab ich doch sehr vermisst. Die Grenzprozedur ging recht schnell von statten. Eigenartig ist, dass man das Visa in US-Dollar bezahlen muss. Es wird keinerlei andere Währung akzeptiert. Auch der Verkehr verändert sich nach der Grenze sehr stark. Es ist zwar immer noch recht chaotisch, aber man wird als Motorradfahrer wieder als vollwertiges Mitglied im Verkehr akzeptiert. Das bedeutet, dass einen die LKW Fahrer nicht mehr mit einem Grinsen von der Strasse drängen.

Für die Nacht ging es nach Lumbini, der Geburtsstädte Buddha’s. In der Stadt selbst ist nicht viel los, aber es gibt recht nette Tempelanlagen in der Umgebung, welche eine kurze Besichtigung wert sind.

Am folgenden Tag stand aber erst mal Reifenwechseln auf der Tagesordnung. Der ortsansässige Reifendienst hatte an diesem Tag aber keine Lust zu arbeiten. Also selbst ist der Mann. Meine Montierhebel kamen das erste Mal zum Einsatz. Diese Hebel sind zwar eher von der winzigen Sorte, haben aber ein besonderes Design so das es nicht all zu schwer war. Also hat sich die wochenlange Suche nach vernünftigem Equipment mal wieder bezahlt gemacht. Ich war schon recht stolz auf mich. Jetzt kann der nächste Platte in unbesiedeltem Gebiet kommen. Na ja, das sollte ich wohl nicht so laut sagen.

Während meiner Reparaturarbeiten kam ein anderer Motorradfahrer zur Tür herein, der gerade einen platten Reifen an seiner Enfield behandelte. So kamen wir schnell ins Gespräch. Sein Name ist Rob. Er kommt aus Süd-Afrika und ist ein recht lustiger und bisschen durchgeknallter Typ.

Am nächsten Tag machten wir uns gemeinsam auf nach Pokhara. Und ich muss schon sagen dass die Royal Enfield gar nicht mal so schlecht läuft. Die Berge hoch geht es zwar etwas gemächlich dahin, aber auf freier Strecke ist die Geschwindigkeit durchaus akzeptabel. Ich bin echt neidisch auf seine Art zu Reisen.

Sein Gepäck besteht aus einer kleinen Sporttasche, und seine Sicherheitsausstattung aus einem Helm für umgerechnet 3 Euro (meine Klamotten haben 500 Mal so viel gekostet). Deswegen braucht er früh nicht wie ich 20 Minuten, um die Taschen aufs Motorrad zu laden und in die Klamotten zu steigen. Jedoch möchte ich im Falle eines Unfalls sicher nicht mit ihm tauschen.

Der Strasse nach Pokhara war ein Traum für Motorradfahrer. 150 km Serpentinen mit einem traumhaften Ausblick auf den Fuß des Himalajas. Mit jedem Kilometer wurde es besser. Dazu kleine Dörfer am Wegesrand mit Menschen, bei denen es den Eindruck macht, dass die Welt hier noch in Ordnung zu schein seit. Der westliche Einfluss ist zwar zu sehen, aber dennoch scheinen sie noch ihre Kultur bewahrt zu haben. Was sicherlich nicht für immer so bleiben wird.

In Pokhara angekommen war erstaunlich viel auf den Strassen los. Wie sich dann herausstellte, war gerade Nepalesisches Silvester. Man hieß das Jahr 2067 willkommen. In den folgenden Tagen musste ich leider feststellen, dass es ansonsten recht wenig Nachtleben gibt. Gegen 22:30 räumt die Polizei die Strassen frei. Man sieht um diese Zeit oft nur noch Touristen, die mehr oder weniger schwankend den Weg nach Hause suchen.

Trotzdem sind die Tage hier sehr angenehm. Eine herrliche Umgebung mit einem großen See. Wenn das Wetter gut ist, kann man ein paar 7000er des Himalajas sehen.

Wir trafen später noch einen weiteren Enfield-Fahrer namens Hutch. Er tourte auch durch Indien und ist nach Nepal gekommen, um ein neues Indisches Visum zu beantragen.

Dieser Typ, den wir hier in Pokhara trafen, ist ende Oktober nach Leh auf den höchsten Highway der Welt hochgefahren und wurde mit seiner Enfield vom Schnee erfasst. Er musste drei Wochen warten, bis die Regierung einen Convoi gebildet hatte, um die verbliebenen Fahrzeuge herauszuholen. Dazu verlud er die Enfield auf einen LKW. Während der Abfahrt starben nach seinen Erzählungen 12 Menschen, weil Fahrzeuge über die Klippen schlitterten.  Es muss wohl die aufregenste Fahrt seines Lebens gewesen sein. Dennoch möchte ich gern dahin.

Haben zusammen allen möglichen Blödsinn angestellt und ein paar Ausfahrten zu den kleineren Bergen in der Umgebung unternommen. Aber alles in allem nichts Aufregendes – bis auf einen kleinen Bootstrip.

Während wir auf dem See waren, wurde das Wetter zunehmend schlechter. Der Wind wurde stärker, es begann zu regnen. Alle Nepalesen ruderten zielsicher flink zum Ufer. Wir dachten uns, dass es schon nicht so schlimm werden wird. Als es dann auch noch Anfing in der Ferne zu Gewittern, wollten wir doch auch den Rückweg antreten. Es begann schlagartig zu Hageln und der Wind wurde immer stärker. Das Boot drehte sich in die Wellen und wurde fast überflutet. Jetzt wurde die ganze Sache doch recht ungemütlich. Rob und ich ruderten wie wild, Hutch schöpfte Wasser. In dem Augenblick, als wir das Ufer erreichten, wuchsen die Hagelkugeln zu Golfballgröße an. Das bescherte uns ein paar Beulen auf dem Kopf und eine Menge blauer Flecken. 10 Sekunden zuvor meinte Rob noch, dass er deswegen nicht in den Schlamm springen wird. Schmerzen jedoch beflügeln. Ich fand glücklicherweise Unterschlupf unter einem Dach. Die Beiden kauerten witzigerweise unter einem kleinen Felsvorsprung mitten im Schlamm, da sie die Situation erst ausdiskutieren mussten. So war alles ok, aber das hätte auch schnell schief gehen können.

Leider hatte sich auch größeres Problem mit der Afri herausgestellt. Die komischen Geräusche im Motor wurden immer stärker, so dass ich ihn doch mal aufmachen musste. Dabei hat sich herausgestellt, dass das Hauptwellenlager hinüber ist. Glücklicherweise kann man dieses wechseln, ohne den ganzen Motor aufmachen zu müssen. Das Lager war hier nicht zu beschaffen. So musste ich das Teil erst mal in Deutschland bestellen. Zum Glück habe ich noch in Deutschland eine extra Versicherung für weltweiten Ersatzteilversand bei der D.A.S. abgeschlossen. Nach einem kurzem Telefonat hat sich ein Mitarbeiter gleich drum gekümmert und entsprechendes Teil bestellt. Innerhalb von nur einer Woche hatte ich das Teil mit kostenlosem Versand in meinen Händen. Ist schon schön zu wissen, dass solche Sachen in Deutschland noch funktionieren. In den meisten anderen Ländern der Welt interessiert so etwas Niemanden. Es würde Monate dauern, bis sich überhaupt mal jemand in Bewegung setzt.

Leider konnte ich aber keinen speziellen Kugellager-Abzieher organisieren. Daher musste ich mir selber etwas basteln. Der Werkstattbesitzer bei dem ich schraubte, hatte einen Deutschen Kollegen, der hier schon seit 20 Jahren wohnt und auch gleich vorbei kam. Zusammen war es dann nicht mehr so schwer, etwas zurecht zu schweißen, da er alles übersetzen konnte und er auch ein gern gesehener Gast der meisten Werkstätten war. Schlussendlich haben wir auf dem Kugellager ein Werkzeug, welches wir auch erst basteln mussten, fest geschweißt um es heraus zu bekommen. Wie eine Operation am offenen Herzen.

Zudem war den ganzen Tag Stromausfall, so dass wir das nur in der Nacht machen konnten. Die Afri lag auf der Seite, und unter einem Regenschirm wurde auf der Hauptstrasse am offenen Motor herumgeschweißt. Hat aber prima funktioniert. Nach etwa acht Stunden Arbeit erklang sie wieder, schnurrend wie am ersten Tag. Der Werkstattbesitzer ließ den Laden sogar extra drei Stunde länger auf. Störte ihn aber nicht sonderlich, da er mit seinen Kollegen jeden Reparaturfortschritt mit Selbstgebranntem feiern musste. Je besser es der Afri ging umso besser ging es also auch dem Publikum.

Jedenfalls gibt es keine dummen Geräusche mehr. Sie fährt sich, als ob ich einen neuen Motor hätte. Wenn die Probleme schleichend kommen gewöhnt man sich eben leider an die Geräusche und nimmt sie nicht mehr als so drastisch wahr. Ich denke, den Motor hätte es bestimmt in den nächsten 500 Kilometern erledigt.

Nun konnte es wieder weiter gehen und wir schmiedeten Pläne. Ich wollte gern nach Jomsom hoch auf einer Strasse die entlang des Trekking-Weges führt. Soll recht anspruchsvoll sein, aber die Afri wird das schon meistern. Jedoch scheiterte dieser Plan, da man eine Erlaubnis benötigt, die man bezahlen muss. Dazu waren die Anderen nicht bereit. Also werde ich das später allein machen und fahre erst mal mit den anderen gemeinsam in den Osten. Es gibt da ein paar interessante Dörfer.

So vergingen 4 Tage mit kurzen Fahrten in nette kleine Ortschaften, die unterschiedlichen Charakter haben. Dazu gibt es wunderschöne Aussichten auf die Berge. Wir nutzen auch die Flüsse zur kurzen Abkühlung zwischen den Fahrten. Aber das einzigartige an der ganzen Sache war dass zu dieser Zeit gerade die Maoisten im Land streikten. Das bedeutete, dass jeder Laden geschlossen war und überhaupt kein Verkehr herrschte. Kinder spielen Kricket auf den Strassen. Das ganze Dorf sitzt herum und vertreibt sich den Tag. Somit hat man völlige Freiheit auf den Strassen. Des Öfteren versuchen einen zwar Maoisten anzuhalten, aber das machen sie weniger überzeugend da sie auch nicht wissen ob es für Touristen erlaubt ist oder nicht. Mittlerweile streiken die Leute aber schon seit fünf Tagen und es ist kein Ende in Sicht.

Die Leute werden wohl eher zum Streik gezwungen, als ob sie das aus freien Stücken tun würden. Mittlerweile wächst auch die Gewaltbereitschaft der Demonstranten. Nach und nach gehen hier und da die Lebensmittel aus, was auch sicherlich die Absicht der Maoisten ist. Der längste so durchgeführte Streik war im letzten Jahr und ging über 19 Tage. Dabei wurden auch die BMWs von 2 Deutschen auf der Strasse in Brand gesetzt, da diese an Streiktagen gefahren sind. Kann hier schon noch recht übel werden. Aber ich werde sehen. Man muss halt immer die Gruppendynamik im Auge behalten. Die Leute verlieren immer schnell jedes Gefühl von Verantwortung, sobald sie in der großen Masse sind. Wenn es hier zu bunt werden sollte, dann fahre ich in der Nacht. Auch in Thailand sieht die Situation im Moment nicht gerade rosig aus. Irgendwie scheine ich das ganze anzuziehen.

Aber ich bin heil durch Pakistan gekommen und daher werde ich die Situation hier auch meistern.

, welches wir auch erst basteln mussten,

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