Verfasst von: Nico Ackermann | 8. Dezember 2009

neue Eindrücke über den Iran

Für alle Leute, die regelmäßig meinen Blog verfolgen, tut es mir leid, dass Ihr so lange nichts mehr von mir gehört habt.

Die Iranische Regierung blockt wohl alle möglichen Internetseiten, vermutlich fällt darunter auch dieser Blog. Daher ist es recht schwer, etwas Neues zu veröffentlichen. Zudem ist die Internetverbindung unglaublich langsam und bricht auch ständig zusammen. Daher ist es mir auch kaum möglich, mit ein paar Freunden und der Familie über Skype zu quatschen. Das klappt übrigens auch nicht wirklich über das Telefon, da auch diese Verbindung ständig zusammenbricht. Über die Weihnachtszeit ist das schon bisschen blöd, wenn man keinen Kontakt halten kann. Aber genug der Gefühlsduselei. Ihr wollt ja schließlich wissen, was so Alles passiert ist.

Zuerst einmal, ich bin doch mit dem Motorrad nach Teheran gefahren. Eigentlich wollte ich die Afri beim Cargo Service abgeben. Dabei half mir der Kerl vom Vortag, da ich sonst gewaltige Sprachbarrieren gehabt hätte. Dort angekommen wollte ich mich erst mal informieren und mir auch ein Bild von der ganzen Geschichte machen. Er sprach dann mit den Leuten und fragte, wann ich denn das Motorrad abzugeben hätte und so weiter. Während er das tat, machte ich mir ein Bild von der Arbeitsweise. Und als ich dann sah, wie sie versuchten, einen Karton im Kofferraum eines Autos unterzubringen, bekam ich es mit der Angst zu tun. Denn dieser passte definitiv nicht da rein. Also wurde mit der Kofferraumklappe so lange drauf eingeschlagen bis es passte. Nur leider war der Karton sehr stabil und somit war es die Kofferraumklappe, die nachgegeben hatte. Als sie fertig waren, konnte man anhand der Form der Kofferraumklappe erkennen, was sich darin befand. Daraufhin hab ich zu den Leuten gesagt, dass ich unbedingt dabei sein will, wenn die Afri verladen wird und dass ich auch bestimmen möchte. wie dies geschieht. Aber sie meinten nur. dass sie schon tausende Motorräder verladen hätten und ich mir keine Sorgen machen soll. Aber da haben meine Alarmglocken geschlagen und ich entschied mich. die Strecke selber zu bewältigen. Ansonsten hätte ich in Teheran womöglich nur noch eine halbe Afri gehabt.

Weiter ging es dann nach Teheran. Dort wurde ich über Couchsurfing von einer Familie eingeladen, die eigentlich nahezu nur aus Frauen bestand. Die Mutter lebte zusammen mit ihren beiden Töchtern, da der Vater der Familie vor einigen Jahren verstorben war. Sie waren auch recht wohlhabend, wie man an der Wohnung erkennen konnte. Wir haben erst mal stundenlang gequatscht und uns ein wenig kennen gelernt. Das war wirklich interessant. Die Mutter hatte vor 30 Jahren drei Jahre in Indien studiert und konnte mir daher ein wenig davon berichten.

Abends ging es dann erst einmal zu ein paar Freunden der Tochter. Da fing es an, richtig lustig zu werden.  Es dauerte  nicht lange und die Stimmung wurde recht locker. Also versuchten die Mädels, mir den persischen Tanz beizubringen. Dabei hab ich mich laut der Meinung aller Beteiligten gar nicht mal so blöd angestellt. Vielleicht wollten sie aber auch nur nett sein. Dann holten sie die Gitarre raus und fangen an zu singen und wurden auch recht emotional. Dabei fiel mir auf, dass die jungen Menschen im Iran zwei verschiedene Persönlichkeiten haben. Sobald sich hinter einem die Türe schließt und man sich nicht mehr in der Öffentlichkeit befindet, werden die Leute sehr viel lockerer. Als erstes wird erst mal das Kopftuch abgelegt oder fast schon heruntergerissen, und die Frauen bekommen viel mehr Persönlichkeit und Charakter, da sie in der Öffentlichkeit nur eine untergeordnete Rolle spielen, und auf mich fast schon hilflos wirken. Noch dramatischer ist der Sinneswandel, wenn keine Eltern anwesend sind. Da es bei dieser Familie recht gemütlich und durch die stundenlangen Gespräche über alles auch sehr interessant war, blieb ich dort gleich mal drei Tage.

Die nächsten Tage habe ich dann mit vielen Freunden der Tochter gesprochen und konnte mir auch ein Bild der Stadt machen. Teheran unterscheidet sich doch sehr vom Rest des Irans. Es wirkt vom Denken der Menschen her doch sehr viel moderner als beispielsweise Urmia. Hier ist es nicht das große Problem, dass Mann und Frau zusammen auf der Strasse laufen und sich unterhalten. Das Kopftuch wird auch eher sehr locker getragen. Man sieht somit viel Haar. Da es hier auch ein Fitnessstudio gab, habe ich das natürlich erst mal genutzt. Das hat mich schon ein wenig erschrocken. Denn jeder Zweite in diesem Studio ist sicherlich gedopt. Das sind schon halbe Gorillas. Aber das scheint hier nicht das große Problem zu sein, da es ja jeder macht und es daher wohl in Ordnung ist. Aber dennoch sehr nette Leute. Mir wurde dann auch noch ein Eiweißdrink spendiert. Da es hier verboten ist, so etwas in Fitnessstudios zu verkaufen, hat mir Einer etwas von seinem privaten Vorrat abgegeben.
Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Esfahan. Da der Weg zu weit ist, habe ich eine Nacht Zwischenstopp in Kaschan gemacht. Ich wollte eigentlich nur ins Hotel und dort ein wenig entspannen und zeitig Schlafen gehen. Aber daraus wurde wie immer mal nichts. Ich traf dort einen Belgier, der hier im Iran die Maschinen zur Teppichherstellung wartet. Nach ein wenig Smalltalk nahm er mich dann mit zu seinem Iranischen Kollege, den er über die Wochen kennen gelernt hatte. Dieser wollte mir unbedingt die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen. Also hab ich das Angebot erst mal angenommen. Somit sind wir zu Dritt durch die Stadt gefahren und haben uns erst mal eine Moschee angeschaut. So habe ich erst mal was über deren Bauweise und Bedeutung erfahren.

Später unterhielten wir uns dann, wie so oft im Iran, über die Probleme des Landes. Es war schade zu sehen, dass ein scheinbar doch recht intelligenter Mensch tatsächlich den offiziellen Darstellungen glaubt. Ist bis jetzt aber der Erste, den ich getroffen habe. Eigentlich lebt das ganze Land in einer Lüge, und das erinnert mich doch recht stark an die ehemalige DDR. Aber später Mal mehr dazu aus besagten Gründen im vorherigen Artikel.

Am späten Abend habe ich mich dann noch eine Stunde mit dem Belgier unterhalten und wollte wissen, was er denn so von der ganzen Sache hält und welche Meinung er zu den Iranern und speziell zu deren Arbeitsweise hat. War aber ein wirklich Lustiges und tiefgründiges Gespräch und man bekommt einen besseren Einblick in die Kultur des Irans.

Am nächsten Tag ging es dann nach Esfahan zu den nächsten Cochsurfern. Wir vereinbarten einen Treffpunkt an einer Tankstelle. Dort wartete ich 15 Minuten. Das bedeutete wie immer, dass sich langsam immer mehr Menschen um mich versammeln. Jeder stellt immer dieselben Fragen. Wie heißt du, wie alt, woher, wie heißt das Motorrad, wie groß ist der Motor, wie schnell ist es, wie lange hast du gebraucht um hier her zu kommen, was ist die nächste Stadt, welche Länder willst du noch bereisen. Ist ja alles ganz nett, aber wenn du das immer wieder in wenigen Minuten gefragt wirst, wird es schon recht belastend. Und Keiner geht weiter, nachdem er die Fragen gestellt hat, sondern stellt sich zu den Anderen, die dich schon umringen. Also haben sich nach einer Weile so um die 25 Leute versammelt, die dich alle anstarren. Wie soll das nur in Indien werden? Ich gewöhne mich ja so langsam daran, aber es ist dennoch recht unangenehm. Hätte mich der Couchsurfer nicht abgeholt, würde jetzt wohl die halbe Stadt um mich herum versammelt sein.

Bei ihm angekommen, lernte ich die Eltern und seine Schwester kennen. Es wurde erst mal gegessen und gequatscht. Am nächsten Tag bin ich dann mit der Schwester in der Stadt unterwegs gewesen und konnte mich ausgiebig mit ihr unterhalten und ihre Meinung zu der ganzen Situation im Iran und der Rolle der Frau erfahren. Und es tut mir schon ein wenig Leid, dass ich mit ihr darüber gesprochen habe, denn zu Anfang meinte sie, dass sie ihr Leben hier mag und kein so großes Problem darin sieht. Zum Ende hingegen hatte Sie doch eine deutlich negativere Meinung. Und das ist auch mein Problem bei meiner Reise durch den Iran. Denn ich kann meine deutsche Mentalität nicht abschalten und muss mich natürlich über alles was mir nicht passt aufregen und kann einfach nicht meine Klappe halten.

Leider konnten wir nicht länger reden, da ihr Vater sich dann doch wunderte dass wir zehn Uhr Abends noch nicht zurück sind. Am nächsten Tag nahm mich ihr Bruder zu seinen Kollegen zur Motorrad Crosstrecke mit. Leider waren die Cross-Läufe schon vorbei, aber dafür durften die Leute mit den Rennmaschinen zeigen was sie können. Und das war einerseits sehr lustig und andererseits doch auch traurig. Die Leute wissen einfach nicht, was sie tun. Auf einer Strecke die einem Quadrat gleicht und 3 Meter breit ist, haben sie ein Rennen gefahren. Diese Strasse war sehr dreckig, was sie aber nicht daran gehindert hat, Alles zu geben. So hat es fast dreimal geklappt, dass Einer seine Karre weggeschmissen hätte.

Wie kann man mit Rennmaschinen auf so einer Strecke fahren. Die Zuschauer stehen direkt an der Strecke, so dass es sie voll erwischt hätte, wenn es Einen niederstreckt. Sie tragen auch noch normale Kleidung oder völligen Blödsinn, der nicht auf eine Rennmaschine gehört. Eigentlich haben sie diese Maschinen nur, um damit anzugeben. Denn man kann sie auf diesen Strassen einfach nicht benutzen. Und sie lassen auch die Plastikfolie auf den Sitzbänken, damit das Motorrad neu aussieht. Und das ist wirklich kein Scherz. Wie kann man zum Beispiel auf einer Crossmaschine mit einer Plastiksitzbank fahren. Das ist doch schon Selbstbehinderung. Das machen die übrigens auch in Autos. Aufkleber die bei der Auslieferung auf dem Auto sind, wie beispielsweise die Aufkleber der Spedition, werden am Auto belassen und gehütet, da es somit neuer aussieht. Wenn man in ein Büro geht, sind die Sitzbezüge der Polster mit halb zerrissenen Plastikfolien überzogen. Sieht neuer aus. Wie dämlich ist das denn nur. Als ich die Folie der einen Crossmaschine abziehen wollte, da ich dachte, dass man das einfach vergessen hätte, wollten mich fünf Leute gleichzeitig davon abbringen. Es scheint fast so, dass Männer, die keinen natürlichen Kontakt zu Frauen pflegen dürfen eine Liebe zur Plastikfolie entwickeln. In meinen Augen eine erschreckende Entwicklung.

Da ich schon mal mit so vielen Motorradfahrern zusammen war, könnten die mir vielleicht bei der Beschaffung von passenden Reifen für meine Maschine behilflich sein. Aber das war keine gute Idee. Dies wurde zum ständigen Problem der nächsten Tage. Hier läuft es nicht so, dass man einfach einen Motorradhändler anruft, sondern man braucht einen Freund, der einen Freund kennt, dessen Vater einen Kollegen hat, der mal von einem gehört hatte, dass ein naher Verwandter eines Freundes mal auf die sinnlose Idee kam, sich solche Reifen zu besorgen. Jedenfalls sind wir nach endlosen Telefonaten bei einem Händler gelandet, der auf jeden Fall meine Reifen hätte. Dabei hat sich mal wieder bewiesen, dass man wenig Ahnung hat, was man tut. Sie hatten Reifen, die mal eben grob die Masse, aber sonst auch gar nichts mit den benötigten gemeinsam hatten. Es gab einen Reifen, den ich hätte montieren können, der aber in Pakistan völlig nutzlos, da er für die Strasse ist. Zudem war er noch acht Jahre alt. Als ich auf das Alter aufmerksam gemacht hatte, schaute man mich nur fragend an. Es wurde permanent versucht, mir einzureden, dass die ganzen Angaben an der Seite des Reifens wie Geschwindigkeitsindex und Tragfähigkeit doch gar nichts zu bedeuten hätten. Die haben einfach keine Ahnung.

Man hat dann noch versucht, hier und da herum zu telefonieren. Mir wurde mehrmals gesagt, dass ein anderer Händler doch Reifen hätte, aber das war alles nur großer Blödsinn. Ich wollte die Sache einfach nur abblasen, da es ja zu nix führen würde. Ich meinte dann nur noch, dass, wenn jemand der Meinung ist, dass er einen Reifen für mich aufgetrieben hat, dass ich unbedingt die kompletten Angaben des Reifen benötigen würde. Freudestrahlend wurde mir dann die Nachricht überbracht, dass man es jetzt endlich geschafft hätte. Als ich nach den Angaben des Reifens fragte, sagte man mir nur: „ein Originaler Dunlop“. Es dauerte dann fast eine Stunde, zu erklären, worin der Unterschied eines Reifens abgesehen von seinen Dimensionen besteht. Erst als ich den Vergleich mit verschiedenen Fußballschuhen für verschiedene Untergründe brachte, hat man es dann verstanden. Das machte mich schon wütend. In meinen Augen sind die Motorradhändler ggf. für eine Menge in Unfällen getöteter Motorradfahrer verantwortlich, da sie ihnen einfach Schrott verkaufen.

Irgendwann musste ich dann auch weiter und wollte nicht länger in Esfahan verweilen. Auch wenn es dort sehr angenehm war und die Familie mich ungern gehen lassen wollte. Aber ich musste wieder etwas Neues sehen und wollte auch mal wieder etwas Privatsphäre haben. Daher ging es weiter nach Nain.

In der Stadt angekommen, wollte ich in einem Touristenhotel unterkommen. Als ich davor stand, waren viele Iranische Mädels anwesend und doch sehr interessiert an mir. Was ich natürlich begrüßte. Der Preis jedoch hatte mir dann nicht so recht gefallen, Ich verhandelte mit einem Typen über den Preis, der Ausländer wohl überhaupt nicht leiden konnte. Also hab ich mich auf die Suche nach etwas Anderem begeben. Auf meinem Weg durch die Stadt wurde ich von einem Typen angequatscht, der wirklich sehr gut Englisch konnte. Er besaß auch ein Internetcafe. Also sind wir erst mal dort eingekehrt. Ich wollte paar Dinge im Internet checken. Das war aber mal wieder nicht möglich, da es erneute Demonstrationen im Land gibt und die Regierung so ziemlich alles blockt. Das Gute war aber, dass der Typ den Hotelmanager kannte und mit ihm einen besseren Preis aushandeln konnte. Also bin ich wieder hingefahren und in einer wirklich schönen Suite untergekommen.

Aber die erhofften Gespräche in der Nacht mit den vielen Mädels fielen leider aus, da zwei Tage zuvor Feiertage waren und viele Iraner die Zeit nutzen, um ein wenig im Land herum zu kommen. Nun waren diese vorbei und ich war, bis auf eine Familie, der einzige Gast des Hotels. Übrigens nutzen viele Frauen diese Touristenfahrten innerhalb des Irans, da sie ohne die Erlaubnis des Vaters oder des Ehemanns nicht ins Ausland verreisen dürfen. Männer hingegen können tun und lassen was sie möchten.

Also bin ich wieder zurück ins Internetcafe. Wir kamen immer mehr ins Plaudern und am Ende redeten wir bis ein Uhr in der Nacht. Wir haben uns dabei größtenteils über politische Probleme unterhalten. Das Interessante daran war, dass er für die derzeitige Regierung war und deren Mittel, um diese aufrecht zu erhalten, billigte. Und es war schade zu hören, dass ein intelligenter Mensch so was tatsächlich glaubt und es versucht, zu verteidigen. Ich habe nach unserem Gespräch gedacht, das ich viel zu offen war und vielleicht besser meine Klappe gehalten hätte. Aber wer mich kennt weiß, wie schwer mir das fällt. Jedenfalls rechnete ich die ganze Nacht über mit Besuch der Polizei, aber nichts ist geschehen. Also konnte ich ihm doch trauen. Zum Glück. 🙂

Am nächsten Tag ging es endlich mal wieder ins Fitnessstudio. Dort konnte ich im Spiegel erst mal meinen kümmerlichen Körper betrachten. Daher muss ich in der nächsten Zeit diesem Umstand mal wieder mehr Augenmerk widmen.

Danach ging es weiter nach Yazd. Am Weg dort hin wohnte ein Freund des Typen vom vorherigen Tag, der mich unbedingt kennen lernen wollte, da er ja so interessiert an Ausländern ist. Also dachte ich mir, ich tue ihm diesen Gefallen. Als ich ihn sah, kam er mir schon so ein wenig wie ein Psycho vor. Er organisiert Abenteuerreisen durch den Iran und wollte mir eigentlich nur so eine Tour verkaufen und mich dazu überreden, doch die Nacht über in der Stadt zu bleiben. Aber die Art wie er redete und wie er sich benahm, war schon sehr unheimlich. Schwer zu beschreiben, aber er verhielt sich so ein wenig wie einer der Typen in ‚Clockwork Orange’. Psycho halt. Als er dann realisierte, dass er bei mir an der falschen Adresse war, da ich es hasse, auf einer organisierten Tour zu sein, musste er auf einmal ganz plötzlich los und hatte keine Zeit mehr.

In Yazd angekommen traf ich einen deutschen Fahrradfahrer, der mit einem Iraner zusammen zwei Wochen unterwegs war. Er hatte einen Tag zuvor diesen Typ auch kennen gelernt. Und wir teilten unsere Meinung über ihn.

Und jetzt bin ich hier in einem wirklich großartigen Backpackerhotel. Ich treffe endlich mal ein paar andere Reisende. Es tut gut, sich mal über die Erfahrungen und Meinungen über den Iran auszutauschen. Viele Leute sind sonst politisch nicht interessiert, aber hier im Iran ändert sich das ganz automatisch.

Es sind mal wieder ein paar schön verrückte Leute anwesend. Beispielsweise pennte gerade ein Japaner im Gemeinschafsraum. Neben ihm lag ein Motorradhelm. Und somit hab ich endlich den ersten anderen Motorradreisenden getroffen. Und der ist wirklich mal bekloppt. Er ist von Japan über Russland mit einer 15 Jahre alten Harley Davidson gefahren. Jetzt will er weiter nach Europa. Ein paar Jahre zuvor ist er mit einer ‚Super Tenere’, also einer Maschine, die meiner recht ähnlich ist und dafür gebaut wurde, die Welt zu umrunden, von Alaska nach Südamerika gefahren. Für den jetzigen Trip hat er diese Maschine verkauft, da es, wie er selbst sagt, zu einfach war. Daher will er mit einer Chopper, die eigentlich für so etwas völlig ungeeignet ist, den Weg bestreiten.

Ich habe auch ein verrücktes, aber sehr liebenswürdiges Paar kennen gelernt. Sie reisen zusammen mit ihrem zweijährigen Sohn in einem Wohnwagen von den Niederlanden nach Australien. Wir quatschen seit zwei Tagen die ganze Zeit miteinander und wollen unter Umständen gemeinsam mit anderen Reisenden gemeinsam durch Pakistan fahren. Daher werde ich jetzt auch vielleicht noch ein bis zwei Tage hier bleiben und mir ein wenig Auszeit gönnen. Ich genieße es gerade sehr, mich mit anderen Reisenden zu unterhalten.

Aber auch davon werde ich sicherlich nach einer Weile müde sein und wieder weiter reisen wollen. Das Beste ist, dass ich nie weiß, wann das sein wird. Meistens passiert es, dass ich morgens aufwache und einfach weiß, dass ich weiter muss. Und wenn ich das will, dann tue ich es einfach. Man fühlt sich schon sehr frei, wenn man auf diese Art reist. Man kann tun und lassen was man will. Wenn es einem irgendwo nicht gefällt zieht man einfach weiter. Man weiß nie, was am nächsten Tag passieren wird.

Wie manche von Euch vielleicht noch nicht wissen, habe ich keinen Plan, an den ich mich selbst halten muss, den ich vielleicht in langer Vorbereitungszeit ausgearbeitet hätte. Meistens entscheide ich in der Nacht zuvor, wo ich am nächsten Tag hinfahren werde. Und manchmal fahre ich los und weiß nicht, wo das Ziel am Abend sein wird. Und ich liebe es, nicht zu wissen was in der nächsten Stadt passieren wird. Ich habe auch meist keine Ahnung von irgendeinem Hotel oder sonst was dergleichen. Meistens trifft man in den Städten zuvor ein paar Menschen die einem ein paar Tipps geben was man sich unbedingt anscheuen sollte.

Außerdem schaue ich mir auch sehr selten irgendwelche Sehenswürdigkeiten an. Ist vielleicht ein Fehler, aber irgendwie hab ich einfach keine Lust dazu, da ich an den Menschen am meisten interessiert bin. Ich möchte sehen, wie sie jetzt leben und denken und was ihnen wichtig ist und was nicht. Wo die Unterschiede zu unserer Gesellschaft liegen. Und hin und wieder brauche ich eben andere Reisende um eine andere Sichtweise der Dinge zu erfahren.

Meistens haben diese aber kein so großes Interesse an der Kultur, sondern wollen entweder Party machen, oder sich einfach nur entspannen. Oder eben die Sehenswürdigkeiten sehen. Aber das ist anders bei Reisenden, die man im Iran trifft, da dies mit Sicherheit kein gewöhnliches Urlaubsland ist und man daher eher hier her kommt um andere Kulturen kennen zu lernen. Somit ist es interessant ihre Sichtweise zu sehen da sie sich auch eine Menge Gedanken darüber machen. Denn manchmal habe ich das Gefühl das ich die ganzen Sachen vielleicht zu einseitig interpretiere. Aber meistens teilen die anderen Leute auch meine Meinung.

Was ich auch an dieser Art zu Reisen liebe ist, dass man einen sehr einfachen Lebensstil führt. Man mag beispielsweise keine großen Shoppingstraßen, da man sowieso nichts kaufen kann. Man hat eh keinen Platz auf dem Motorrad für irgendwelchen sinnlosen Plunder. Daher benötigt man sein Geld eigentlich für Essen, Trinken, Benzin und einen Schlafplatz. Es ist faszinierend, wie billig man auf diese Weise leben kann. Eigentlich muss ich nicht so stark aufs Geld achten, aber man tut es einfach, da man sich denkt, dass eine einfache Malzeit auch ausreichend ist. Man verliert einfach das Interesse an all dem sinnlosen Scheiß, den man sonst so den ganzen Tag über kauft und dann eh nicht braucht. Somit habe ich in den letzten zwei Wochen im Iran gerade mal schätzungsweise 200 Euro ausgegeben. Und auf dem Weg von Deutschland zur Osttürkei so um die 1000. Und dabei gingen locker 350 Euro fürs Tanken in der Türkei drauf. Aber vielleicht überkommt mich ja doch noch der Shoppingwahn und ich kaufe mir einen handgeknüpften Perserteppich, den sie mir öfters andrehen wollen. Aber ich sage dann immer, dass ich einen auf jeden Fall einen kaufen möchte, wenn er einen Platz auf meinem Motorrad findet und ich ihn befestigen kann. Ist schon witzig, wie die dann suchen und sich gegenseitig beraten.

Ich hoffe dass es in Zukunft besser mit dem Internet klappt und ich wieder häufiger berichten kann. Daher seid mir nicht böse und lest treu weiter. Bis denne

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Responses

  1. oh mann , das ist ja voll spannend im iran. plastikfolie also?! ich glaube die inder sind noch bekloppter^^
    gute reise!

  2. muss ma wieder schöne grüße dalassen oller heizer…….mach weiter so

  3. Beneidenswert – das wäre bestimmt die beste Therapie für meine kleine Shoppingsucht… :o)

  4. Und was ist mit meiner AK47???

  5. Von denen werde ich in Pakistan so viele sehen das ich sicherlich nicht auf die idee kommen werde dir eine zu besorgen. Wurde heute erst mit einem Gewehr willkommen geheissen. und in der tuerkei wurden auch genug davon auf mich gerichtet. da wuerdest auch du ganz schnell das interesse daran verlieren.

  6. Respekt vor deinem Vorhaben und viel Glück auf dem Weg durch Pakistan.

  7. Gut zu hören, dass man dich noch nicht in das finsterste loch gesteckt hat. hatten da schon so unsere bedenken…
    Gruß
    Dani+Martin

  8. Gut zu hören das es dir gut geht
    und du die Erfahrungen machst die du wolltest.

    Respekt!

    Lg geo


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