Verfasst von: Nico Ackermann | 1. Juni 2010

Auf in die Berge…

Und ein weiteres Mal haben sich die Pläne geändert.

Ich verbrachte ein paar Tage in Katmandu um mein Indisches Visum zu organisieren. Leider haben sich ja die Visabestimmungen für Indien geändert. Man muss derzeit normalerweise zwei Monate außerhalb des Landes bleiben, bevor man wieder einreisen kann. Daher habe ich, wie die Anderen mit denen ich Unterwegs war, eine Agentin beschäftigt. Sie soll das Ganze ein wenig beschleunigen, da sie private Kontakte zur Botschaft hat. Das hatte für mich auch gut funktioniert. Nicht jedoch nicht für die Anderen, da sie noch ein gültiges Visum besitzen.

Daher wollte ich hoch in den Norden zur Tibetischen Grenze, wo es unter anderem einen der höchsten Bungee Jumps der Welt gibt. Als wir aufbrechen wollten, hatten die Anderen aber eine neue Idee. Um die Wartezeit zu überbrücken, wollten sie doch noch nach Jomsom und Muktinath fahren. Ich wollte sowieso schon die ganze Zeit dorthin. So war ich natürlich dabei.

Also zuerst mal zurück nach Pokhara. Zwei Tage später ging es endlich los. Der Anfang der Strecke gestaltete sich noch recht simpel. Guter Asphalt und nette Serpentinen. Aber das änderte sich schnell. Es gab es nur noch Offroad. Da war die Afri in ihrem Element. Die anderen waren mit Enfields unterwegs, haben sich aber gut angestellt. Ich war doch recht beeindruckt, wozu diese Motorräder taugen. Dennoch war ich natürlich erheblich schneller unterwegs. So hatte ich wenigstens Zeit hier und da anzuhalten und ein paar Bilder zu schießen. Wie schnell ich wirklich unterwegs sein konnte sollte ich später noch herausfinden.

So sind wir auf teils anspruchsvollen Strecken von Dorf zu Dorf gefahren, um dort die Nacht zu verbringen und haben dabei jedes Mal einige Höhenmeter hinter uns gebracht. Die Sicht auf die Berge ist wirklich beeindruckend und ändert sich alle paar Kilometer. Es kam auch vor, dass man ein Dorf am Abend erreichte und durch Wolken so gut wie nichts von den Bergen sehen konnte. Am Morgen war man einfach nur noch überwältigt. Ich habe so etwas in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen und bin wirklich froh, dass ich diese Reise unternommen habe. Wie so oft verstärkt sich somit das Gefühl, dass man selbst nur sehr klein auf diesem Planeten ist. Im Laufe des Tages verändert sich auch das Aussehen der Berge, da ständig Neuschnee fällt und wieder schmilzt. So konnte man einige Zeit damit verbringen, sich einfach nur die Landschaft anzuschauen.

Die Strecke wurde zunehmend schwieriger, da es von Zeit zu Zeit ein paar Wasserdurchfahrten zu bewältigen galt. Wirkliche Probleme gab es aber erst, als man uns wegen anstehender Bauarbeiten nicht weiter fahren lassen wollte. Irgendwer, ohne wirkliche Entscheidungsgewalt, sagte uns, dass hier Ende sei. Keiner dürfe diesen Abschnitt passieren. Wir haben uns aber zuvor schlau gemacht und gefragt, ob man die komplette Strecke absolvieren dürfte. Ich wollte die Anderen überreden, diesen Typ einfach links liegen zu lassen und bis zu der Stelle an der die Bauarbeiten beginnen weiter zu fahren und dort Jemanden zu fragen, der wirklich etwas zu sagen hat. Die Anderen vertieften sich mal wieder in Gespräche. Sie entschieden, die drei Kilometer zu dieser Stelle zu laufen. Ich wartete und hatte ein Auge auf die Motorräder. Wie sich in Gesprächen mit den Dorfbewohnern herausstellte, hatte dieser Typ wirklich nix zu melden. Als ich ihn nochmals zur Rede stellen wollte, flüchtete er nur und war zu keiner weiteren Konversation bereit. Nach 90 Minuten kamen die anderen mit der Nachricht, dass wir passieren dürfen, zurück. Wir müssten noch eine Stunde warten, bis die Bagger mit der Arbeit fertig sind. Angeblich wollten sie am nächsten Tag Teile der Strecke sprengen, da überhängende Felsbrocken drohten, auf die Strasse zu stürzen. Nach den Sprengungen sollte die Strasse für zwei bis vier Wochen nicht mehr passierbar sein. Also fuhren wir durch. Während wir passierten waren die Bagger mit ihren Arbeiten noch nicht ganz fertig, aber es gab keine Probleme, an ihnen vorbei zu kommen. Es ging also weiter in kleine Dörfer, mit Menschen die den Tourismus zwar gewöhnt sind, aber dennoch einen ganz eigenen sehr angenehmen Charakter haben. Sehr freundlich und hilfsbereit. Noch vor zwei Jahren musste alles zu Fuß hier herauf transportiert werden. Man kann immer noch manche Träger sehen, die einzelne Waren und auch Hühner tagelang durch die Berge schleppen und in den Dörfern verkaufen. Und das sind teilweise erhebliche Lasten. Die Träger machen oft auch nicht den jüngsten Eindruck. In jedem Dorf machen sie halt, um einen kleinen Plausch zu halten. Und es sieht so aus, als ob sie das Ganze schon seit vielen Jahren machen.

In einem der Dörfer lernte ich einen Nepalesen kennen, der sein ganzes Leben in England verbracht hatte und hier derzeit an einer Schule für einen Monat Englisch unterrichtet. Da es somit keine Verständigungsschwierigkeiten mehr gab, konnte er mir Einiges über die Nepalesischen Lebensverhältnisse beibringen. Da er auch mit dem halben Dorf verwandt war, konnte man sich schnell mit den Leuten bekannt machen, was zu netten Unterhaltungen am Abend führte. Was aber auch nicht schwer war, da die Nepalesen gern zum Reiswein greifen und somit alle Schüchternheiten schnell weg sind. Ich habe auch seine Schule besucht, die von einer Schweizer Organisation gestiftet wurde und war sogar in einer der Unterrichtsstunden. Und ich muss schon sagen, dass er das für seine jungen 19 Jahre sehr vernünftig macht.

Die nächsten Tage ging es weiter nach Kagbeni. Ein wirklich sehr schönes Dorf. Es scheint, als ob es eine Oase im Grau der Berge wäre. Man kommt über einen Hügel und sieht auf einmal eine grüne Insel.

Auch innerhalb des Dorfes ist es schön, herumzulaufen. Die Aussicht ist sagenhaft, da man von drei großen Bergen umgeben ist. Auch die Menschen faszinieren mit ihrer Gelassenheit.

Auf dem Weg dorthin bekam ich auf einmal einen Anruf von meinen Eltern mit den Worten: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“. Habe ich doch glatt meinen eigenen Geburtstag verpasst. Witzigerweise war in unserem Hotel ein anderer Deutscher, der an diesem Tag seinen 60sten feierte. Somit wurde es eine doch recht feuchtfröhliche Nacht, in der uns die Polizei behilflich sein musste, ein paar Flaschen Apfelbrandy zu besorgen. Es schien so, als ob das die wichtigste Mission des Tages für sie gewesen wäre.

Dann ging es weiter ins wenige Kilometer entfernte Muktinat welches laut meinem GPS auf 3650 Meter liegt. Und hier fingen doch langsam die Probleme mit der Höhe an. Man merkte es bei der Afri sehr deutlich, da sie unterhalb einer Drehzahl von 3000 gar nicht so richtig in die Hufe kam. Aber darüber hinaus war es kein Problem. Mir bereitete es doch langsam Schwierigkeiten, das Gepäck in die zweite Etage zu schleppen. Und ich brauchte erst mal einen Tag bis ich wieder ganz normal atmen konnte. Scheinbar zeigen sich hier die Spätfolgen meines Unfalls doch so langsam.

Wir spielten mit dem Gedanken, auf die höchste Passage des Trecks, der hier entlang führt, zu laufen. Das hätte bedeutet, dass wir innerhalb eines Tages auf 5450 Meter gestiefelt wären. Durch Gespräche mit erfahrenen Treckern bin ich nach 3 Tagen doch von dieser Idee weg gekommen. Die Anderen dann schlussendlich auch. Ich hatte ja auch nicht wirklich vernünftige Trekkingausrüstung dabei. Außerdem werde ich mit der Afri wahrscheinlich in Indien noch in solche Höhen fahren. Da sich da oben die Aussicht auch nicht stark verändern soll, genossen wir den Blick von hier aus.

Am nächsten Tag fuhren wir zurück nach Kagbeni. Da es ja keine weite Strecke war, sind wir erst am frühen Nachmittag gestartet. Als wir ankamen, wollte ich keine weitere Nacht dort verbringen. Ich brauche etwas mehr Leben um mich herum, weshalb es mich nicht wirklich reizt, hier mehrere Tage zu verbringen. Die Anderen haben sich nach dem Fahren meist ein Buch geschnappt. Sie wollten hier oben am Liebsten noch eine weitere Woche verbringen. Da wäre ich doch vor Langeweile gestorben. Deshalb entschied ich mich, weiter zu fahren, was sich im Nachhinein als äußerst weise herausstellte. Ich dachte, dass ich nur ein paar Dörfer weit kommen würde, aber ich konnte endlich mal richtig Strecke machen. Ich musste auf Niemanden warten und konnte einfach nur die Fahrt genießen. Stundenlang ging es durchs Gelände, Wasserdurchfahrten und Hängebrücken. Ich machte auch keine Pausen, da das Fahren einfach zu viel Spaß machte.

An einer Stelle jedoch war erstmal abrupt Pause. Ich hatte es doch etwas übertrieben. Ein LKW fuhr sich im Schlamm fest, der in den letzten Tagen entstanden war und die Abfahrt deutlich schwieriger gestaltete. Da ich nicht auch stecken bleiben wollte, bin ich außen auf einem etwa 50 cm breiten Grat vorbei, der aber mit nicht gerade kleinen Steinen gesät war. Ich dachte mir aber, dass die Power der Afri das schon regeln wird. Falsch gedacht. Auf einmal schoss die Front empor, da ein Stein als Rampe diente und ich landete auf der Seite. Mir war nix passiert. Die Afri hat einen Spiegel verloren. Leider hat es dabei auch mal wieder die rechte Außentasche abgerissen. Näh-Reparaturen gestalten sich in Asien erstaunlicherweise immer etwas schwierig.

Hinter mir fuhren ein paar Nepalesen auf kleineren Motorrädern, die mir erst mal hoch halfen. Daraufhin bin ich dann zusammen mit ihnen einen großen Teil der Strecke gefahren. Die Stelle, an der die Sprengarbeiten durchgeführt werden sollten, erwies sich dann doch als keine Lüge. Teilweise fehlte die halbe Strasse und es lagen ordentlich Felsen herum. Ich dachte, dass wir da wohl nicht durchkommen werden, aber mit vereinten Kräften haben wir die Maschinen durchgedrückt und gezogen. Somit zieren die Afri jetzt so einige Zeitzeugnisse in Form von Kratzern. Das macht sie ihrem Besitzer doch immer ähnlicher.

Leider konnte ich von der Stelle keine weiteren Bilder machen, da sich von oben Felsen zu lösen und herabzustürzen drohten. Mir war die Sache nicht bewusst, aber die Nepalesischen Jungs waren ganz aufgeregt. Manchmal ist es gut, sowas erst im Nachhinein zu wissen.

Später machten wir dann einen Zwichenstop an heißen Quellen und ich entschied mich, bis nach Pokhara durchzufahren. Leider gelang mir das nicht ganz, da 30 km zuvor ein mächtiges Gewitter aufzog und ich mittlerweile auch schon 9 Stunden Geländefahren hinter mir hatte. Witzigerweise hatte ich mit der asphaltierten Strasse mehr zu kämpfen, da ich doch schon sehr müde war. Als schnell ein Hotel gesucht. Die Besitzer meinten nur, dass es besser wäre, mein Motorrad im Restaurant unter zu stellen. Es würde wohl ein mächtiges Gewitter werden. Und so kam es auch. Habe noch nie so viele Blitze in so kurzer Zeit gesehen. Pro Sekunde hat es ohne Übertreibung im Schnitt dreimal geblitzt. Und das ganze für etwa 20 Minuten. Ein wirklich sagenhaftes Schauspiel. Schön zu sehen war auch, dass die Leute des Hotels hier mit Vögeln im Einklang leben. Diese haben auf der Leuchtstoffröhre ein Nest gebaut und somit kreisen Ständig Vögel im Raum herum.

Am nächsten Tag ging es nun schlussendlich nach Pokhara. Jetzt brauchte ich erst mal ein paar Tage Auszeit. Viel hat sich während dieser Zeit nicht ergeben, da man den Tag meist mit Essen, Gesprächen und einem Film am Abend im Restaurant verbrachte. Nach und nach habe ich die Reparaturen erledigt. Somit geht es der Afri wieder gut. Ich habe auch endlich die Kette gewechselt. So muss ich nun nicht mehr dieses elend schwere Ding in meinem Gepäck herumschleppen. Bald ist auch der Hinterreifen dem Ende nahe. Dann kann ich wieder mit leichtem Gepäck unterwegs sein, was das Fahrverhalten doch deutlich beeinflusst. So wie es aussieht, werde ich mich morgen wohl nach Indien in den Kaschmir aufmachen, um mir auch die Berge in diesem Gebiet anzuschauen. Zudem ist dies wohl eine gute Entscheidung, da der Monsun dieses Gebiet nicht erreicht. Aber wir werden sehen. Alle Pläne ändern sich schnell auf Reisen.

Lasst es euch gut gehen.
Fast vergessen: Hallo Leni Sue, alles Gute zum Kindertag!

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Responses

  1. hallo nico,

    ich muss gestehen, dass ich mich lange nicht mehr zu wort gemeldet habe- deine beiträge lese ich aber regelmäßig und sie sind wirklich beeindruckend- besonders deine berichte und fotos von nepal sind der wahnsinn…es macht mich irgendwie sprachlos, da ich es garnicht so richtig fassen kann, dass du es mit der afri und ganz allein bis dahin geschafft hast- dies ist mit ziemlicher sicherheit das abenteuer deines lebens und mich stimmen deine berichte auch immer mehr nachdenklich…zum glück gibts auch auf rügen abenteuer-zeltplätze:)
    da du ja nun schon so weit gekommen bist, hätte ich mal ne frage: schaffst du´s noch, bis rum?
    viele grüße aus der heimat
    Andi

  2. wir werden sehen. ich sag zumindest mal nicht definitiv nein, aber das würde dann wohl um die drei bis vier jahre dauern.


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