Verfasst von: Nico Ackermann | 8. Juni 2010

Zurück in Indien

Endlich mal wieder auf Reisen. Raus aus Pokhara wo man zu schnell sesshaft wird, ohne es zu wollen.

Also erst mal dieselbe Strecke zurück. Ist aber nicht weiter schlimm. 160 Kilometer auf sehr schönen Serpentinen mit gutem Asphalt. Die Fußrasten dürfen mal wieder mal ein wenig kratzen. Danach begann der eher langweilige Teil Richtung Indien. Es ging etwa 600 Kilometer größtenteils geradeaus.  Da ich keine Lust auf Pausen hatte, habe ich gut 400 Kilometer an einem Tag hinter mich gebracht. Leider rächte sich das am Abend mit anständigen Kopfschmerzen. Kurz vor der Stadt, in der ich die Nacht verbringen sollte, lernte ich einen deutschen Radfahrer kennen, der im stolzen Alter von 57 Jahren von Tibet in die Berge Indiens strampelt. Das ist bei durchschnittlich 4000 Meter Höhe in Tibet kein Spaß. Ich hatte es schon satt, als ich bei 3650 Meter mein Gepäck eine Etage höher tragen musste. An diesem Tag hatte er 140 Kilometer hinter sich gebracht. Und das bei gut 40 Grad. In der Nacht hatten wir im Hotel noch 36 Grad.

Am nächsten Tag ging es dann raus aus Nepal. Die Grenzprozedur war verhältnismäßig unproblematisch. Das Ganze ging in etwa zwei Stunden über die Bühne. Dann stand ich da und wusste nicht so recht, ob ich mich freuen soll oder nicht. Sofort fing wieder der intensive Verkehr an. Schon in Nepal wurde es schlimmer, je weiter man zur Grenze kam.

Leider war die Ankunft in Indien wieder etwas eigenartig. Ich checkte in einem Hotel ein. Nachdem ich alle Taschen im Zimmer verladen hatte und mich gerade aus der Kombi schälte, kam der Hotelmanager herein und meinte, dass das Zimmer schon gebucht wäre. Natürlich großer Blödsinn. Er hatte natürlich keine Erlaubnis, Ausländer zu beherbergen. Die Polizei hätte ihm wahrscheinlich die Hölle heiß gemacht.

Wie Ihr Euch aber vorstellen könnt, war ich davon gar nicht begeistert. Ich zog zwar widerwillig ab, aber nicht ohne die werten Herren ein wenig aufzuregen. Stell Dir einfach vor, Du fährst bei 40 Grad 350 Kilometer. An der Grenze hast Du zwei Stunden lang schwitzend damit zu tun, die Grenzbeamten bei Laune zu halten. Permanent musst Du sinnlose Fragen von neugierigen Grenzpassanten beantworten. Eine halbe Stunde fährst Du in der überhitzen Stadt durch schleichenden Verkehr auf der Suche nach einem Hotel. Du verbringst 20 Minuten damit, alles im Zimmer zu verstauen. Und dann, wenn Du nur noch eine kühle Dusche im Kopf hast, sagen sie Dir, dass Du wieder abziehen musst. Echt prickelnd.

Im nächsten Hotel und eine kühle Dusche später begab ich mich ein wenig auf die Marktstrassen. Ich muss sagen, dass ich nicht erwartet hätte, dass ich das so genießen könnte. Es scheint so, als habe ich die Menschenmengen ein wenig vermisst. Der Norden Indiens scheint auch nicht so schmutzig und von Kuhmist übersäht zu sein. Die Menschen sind sehr hilfsbereit. Nicht ein Einziger versuchte, die Afri zu besteigen. Was ist nur mit Indien passiert? Es sieht gleich aus, aber es fühlt sich total anders an. Mal schauen, wie sich das die nächsten Tage entwickelt. Vielleicht kann ich den Norden Indiens doch noch richtig genießen. Hier lebt scheinbar auch ein hoher Anteil von Sikhs, deren Menschenschlag ich sowieso sympathisch finde.

Hutch, mit dem ich schon in Nepal unterwegs war, meldete sich. So trafen wir uns in Rishikesh am nächsten Tag nach weiteren 300 Kilometer Fahrt.

Ich bin auch stur dem GPS gefolgt, das die Route diesmal wohl ein wenig interessanter gestalten wollte. Die kürzeste Strecke ist nicht immer die Einfachste und Schnellste. So ging es mit Schrittgeschwindigkeit mitten durch stark belebte Märkte, Wasserdurchfahrten und staubige Strassen. Man konnte das Fahrzeug fünf Meter vor Einem nicht mehr sehen. Es gab auch sehr schöne Sandstrecken. So konnte ich mal wieder meine Fahrtechnik auf diesem Untergrund verbessern. Alles in allem ein interessanter, aber intensiver Tag.

Die Australier, mit denen ich in den Norden Nepals gefahren war, haben sich ebenfalls hier eingefunden. Sie mussten etwas überstürzt aus Nepal aufbrechen. Ihr Visum lief aus und sie wollten kein Neues bezahlen. So versuchten sie, in zwei Tagen von Katmandu an die Westgrenze Nepals zu kommen. Dieser Plan ging nicht ganz auf, da sie mit acht defekten Speichen am Hinterrad gefahren sind.  Sie meinten, dass sie keine Zeit hätten, dieses zu reparieren. Als sie mit 80 Sachen ein ordentliches Schlagloch trafen und die Nabe des Hinterrades in zwei Teile zerbrach, wurden sie eines Besseren belehrt. Glücklicherweise haben sie die Kofferträger an den Seiten des Motorrads vor einem Überschlag bewahrt. So sind sie nur von einer Seite zur anderen entlang geschlittert. So viel Glück muss man bei so viel Leichtsinn erst mal haben. Jetzt haben sie hier vier Tage damit verbracht, das Motorrad wieder flott zu machen. Natürlich hat es auch einige andere Teile zerlegt. Eigentlich wollte ich hier mit Hutch nach zwei Tagen wieder in den Norden abhauen, aber er entschied sich in letzter Minute, einen neuen Motor zu besorgen. So wurde aus diesem Plan nichts.

Daher werde ich mich wohl morgen oder übermorgen alleine auf den Weg in den Norden begeben.

Mal schauen…

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