Verfasst von: Nico Ackermann | 18. Juni 2010

Die Berge haben mich wieder

Nach doch eher heißen Tagen in Rishikesh habe ich mich nun endlich aufgemacht, um das Spiti Tal zu erkunden. Dies ist eine große Runde durch das Himalayagebiet im Norden Indiens. Das Ganze sollte doch eher eine Fahrt ins Ungewisse werden, da man über die Straßenzustände zuvor nie etwas Gutes hört. Angeblich sollen es die Schlimmsten in ganz Indien sein. Aber dazu musste ich zuerst mal zum Anfang dieses Gebiets. Ich habe mich für den Weg durch die Berge entschieden. Ich wollte einfach raus aus dem Flachland und der Hitze.

Es ging in einem Mix aus schönen Serpentinenstrecken und Geländefahrten 400 km Richtung Norden. Immer durch herrliche Landschaften, die teilweise sogar ein wenig an deutsche Wälder erinnerten. Der Weg führte entlang des Ganges, so dass ich sogar fast bis zu dessen Quelle gefahren wäre. Hätte ich mir gern angeschaut. Das hätte jedoch bedeutet, zwei Tage zu Wandern. Andere Freunde haben zuvor versucht, mit dem Motorrad zur letzten möglichen Stadt zu fahren. Der Weg war jedoch schwieriger als gedacht. Gelohnt hätte sich das Ganze ja wirklich nur, wenn ich dann auch bis zur Quelle gewandert wäre. Dazu war ich aber ein wenig zu faul.

Entlang des Weges gibt es nur wenige Dörfer, so dass man meist nur ein paar vereinzelte Jeeps oder Reisebusse sieht. Was die Sache aber auch nicht besser macht. Man fährt viele blinde Kurven und vergisst schnell, dass auch etwas entgegenkommen könnte, wenn man nur jede halbe Stunde ein anderes Fahrzeug sieht. Daher muss man sich schon ein wenig konzentrieren.

Komisch ist auch, dass man, obwohl oft 30 km vom nächsten Dorf entfernt, immer von Indern umringt ist. Man denkt, man wäre alleine und hält an, um sich kurz zu erleichtern. Wenn man sich umdreht, stehen immer ein paar Leute hinter einem. Keine Ahnung wo die herkommen, die werden bestimmt dafür bezahlt, arme harmlose Ausländer zu erschrecken. Na ja, so mit ist man wenigstens nie wirklich alleine.

Glücklicherweise habe ich die ersten beiden Tage abends ein günstiges Zimmer mit TV gefunden. So konnte ich den Anfang der Fußball WM verfolgen. Ich hätte so gern das Deutsche Spiel gemeinsam mit den Australiern angeschaut J

Nach zwei Tagen Fahrt habe ich dann den Anfang des Spiti Tals erreicht. Zu meinem Erstaunen sahen die Strassen bis hierher doch recht gut aus. Ich hatte mich schon auf 500 km Straßenverhältnisse wie in Norden Nepals eingestellt. Wie ich die folgenden Tage herausfinden sollte, bleibt es auch so. Teils gibt es schöne Geländepassagen, auf denen es mit der Afri Riesen Spaß macht. Dann wechselt das Ganze abrupt zu passablem Asphalt, bis hin zu perfekten neuen Strassen, auf denen man es ein wenig fliegen lassen kann. Aber auch hier muss man sich zusammenreißen, da man sonst wirklich Gefahr läuft, zu fliegen. Denn nicht selten geht es direkt neben der Straße hunderte Meter steil nach unten.

Außerdem besteht weiterhin das Problem, dass hinter jeder Kure ein LKW auftauchen kann. Hier wird recht fleißig an Wasserkraftwerken gebaut, weswegen viele Strassen wahrscheinlich auch in solch gutem Zustand sind. Staubige Wege werden oft sogar bewässert, damit man vor lauter Staub nicht die Strasse aus den Augen verliert. Das ist kein Scherz, denn auf unbewässerten Abschnitten kann man 20 Meter hinter einem LKW keinen halben Meter weit sehen. Zum Überholen muss man auf einen besseren Abschnitt warten.

Aber Alles in Allem muss ich sagen, dass der Weg durch das Spiti Tal für einen Reisenden wie mich, der von abenteuerlichen Strassen nicht abgeneigt ist, nahezu perfekt ist. Es macht einfach nur riesigen Spaß, eben gerade durch den ständigen Wechsel. Man findet auch eine Menge andere Reisende, die man abends immer wieder trifft. So entsteht langsam eine nette Reisegemeinschaft. So habe ich auch ein paar Deutsche kennen gelernt, die hier ihren Urlaub verbringen, indem sie durch das Tal mit Royal Enfield Motorrädern fahren.

Langsam reift die Idee, dass ich mir auch eine Enfield zulege und diese nach Deutschland schicke. Am liebsten eine mit Dieselmotor. Das währe dann mal wirklich was Seltenes für gemütliches Cruisen in Deutschland. Dazu müsste ich aber erst mal wissen, wann es denn zurückgeht. Leider weiß ich darauf noch keine Antwort.

So langsam geht es immer höher hinaus. Die erste Nacht habe ich schon auf 3500 Meter verbracht. Dann ging es zwar direkt wieder herunter, aber heute bin ich wieder auf dieser Höhe und es wird die nächsten Tage auch so bleiben. Es wird sogar noch ansteigen bis auf knappe 4500. Leider ist der Pass, der sich auf dieser Höhe befindet und am Ende des Tals liegt, derzeit gesperrt. Es gab innerhalb einer Nacht 60 cm Neuschnee, der die Strassen blockierte. Aber ich vertraue mal darauf, dass die Indischen Räumdienste einen guten Job machen. Man sieht sie auch hier schon ständig die Strassen nach Erdrutschen wieder herstellen. Es sieht schon beeindruckend aus, wenn ein Bagger einen 2 Meter großen Felsen 100 Meter tiefer in den Fluss stößt

Selbst aus dieser Entfernung kann man noch deutlich die Vibrationen spüren, wenn der Felsen unten aufschlägt. Es verschafft einem andererseits aber auch kein gutes Gefühl, wenn man die Felsen über einem sieht, die aussehen, als würden sie jeden Moment herabstürzen.

Ihr werdet Euch fragen, was Menschen dazu bewegt, dieses Tal zu besuchen. Da kann ich nur sagen, dass man hier mit wahnsinnig beeindruckenden Landschaften entlohnt wird, die einen Besuch mehr als wert sind. Ich komme mir die ganze Zeit vor, als wäre ich in einem ‚Herr der Ringe’ Film. Damit kann man es wohl am ehesten vergleichen, obwohl das ja in Neuseeland gedreht wurde.

Hoffentlich klappt es, dass ich zu diesem Artikel noch ein paar Bilder hochladen kann. Ansonsten könnt ihr euch die anschauen, wenn ich wieder in Manali bin. Dort gibt es vermutlich eine vernünftige Internetverbindung.

Die Landschaften werden von Kilometer zu Kilometer besser. Leider wird mein Körper auch immer schwächer. Die Höhe macht einem schon ganz schön zu schaffen. Vor allem wenn man die Afri ein wenig rangieren muss. Dann wünscht man sich schnell eine zweite Lunge. Muss vielleicht mal über Stützräder nachdenken. 😉

Macht’s gut und wünscht mir Glück, dass die Pässe offen sind…

Advertisements

Responses

  1. na da wünsch ich dir viel glück. wird zwar etwaqs spät sein aber das kannste ja immer gebraucchen. hoffe dein körper und geist kommen halbwegs mit der höhenluft zurecht. dran gewöhnen wirst du dich in diewer zeit nicht…
    die stützräder sin noch ne option, grüße….

  2. Hi Nico,
    das hört sich ja spannend an … Wir hängen weiter in Pokhara ab; es regnet mittlerweile ziemlich häufig.
    Das Thema Endfield ist für mich auch brandheiss !!! Immer hin und her gerissen. Wegen der Abgasbestimmungen in D geht eigentlich nur nen Oldi oder eine Brandneue (mit Euro 3).
    Wenn sich was konkretisiert, kannst Du mir gerne mal berichten 🙂
    Beste Grüße und gute Fahrt, Till

    Wenn

  3. grüße dich kleener du wirst es kaum erraten aber ich sitz grad mit wenz bei mir im garten……aller beste grüße von uns beiden hue rein digger
    hey kleener, wünsch Dir was hau mal ab bis ich hinterher komme, soweit alles fit in niederlu… gruß wenz


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: