Verfasst von: Nico Ackermann | 19. Juli 2010

Abenteuerliche Pässe

Leider ist es mal wieder eine Weile her, dass ich von mir habe hören lassen.

Alles ergab sich mal wieder ein wenig anders als geplant.

Ich bin viel in alle möglichen Seitentäler der Spitti Region gefahren um mir alles anzuschauen. Schließlich hatte ich ja auch Zeit tot zu schlagen, da der Pass noch nicht geöffnet war. So hatten wir auch Gelegenheit, ein Tibetisches Festival eines Klosters anzuschauen. Die Mönche erzählen die Geschichte ihrer Kultur mit Hilfe von riesigen Masken und eigenartigen Tanzritualen. Das ganze Dorf ist versammelt sich, um das Spektakel anzuschauen. Das Ganze ist für eine Weile recht spannend aber es wiederholt sich alles. Für die Leute der Dörfer ist es sicherlich eines der Höhepunkte des Jahres.

Am selben Abend öffnete der Pass und wir entschlossen uns, ihn am nächsten Tag zu überqueren. Nur kam, wie so oft, mal wieder etwas dazwischen. Als wir an der einzigen Tankstelle auf der ganzen Strecke ankamen, ergaben sich ein paar Probleme. Wie in Indien üblich, versuchte sich Jeder nach vorn zu drängeln. Leider auch erfolgreich. Der Typ vor uns konnte noch seinen Tank füllen. Als wir an der Reihe waren, hatten sie nur noch einen halben Liter. Daher war mal wieder Warten angesagt. Angeblich sollte der Tanker am Abend kommen. Das verlängerte sich dann auf den nächsten Tag. Daraus wurde ein weiterer Tag. Immer wenn man fragte, versicherte man uns, dass er in zwei bis drei Stunden da sein muss. Am dritten Tag waren somit immer mehr aufgrund Spritmangels gestrandete Leute in der Stadt. Man unterhielt sich natürlich und jeder erzählte von seinen Problemen, die er mit dem Motorrad hat. Leider war der einzige Enfield-Mechaniker der Stadt gerade für eine Woche weg. Da ich nichts zu tun hatte, habe ich mir ihre Motorräder mal etwas genauer angeschaut. Viele waren in katastrophalen Zustand. Manche fuhren komplett ohne Bremsen oder mit gebrochenen Vorderradaufhängungen. Also habe ich einige der Motorräder repariert und andere für tot erklärt. Glücklicherweise sollte ich das Ganze nicht für umsonst tun, denn ich konnte das Benzin der Motorräder bekommen, welche nicht mehr zu reparieren waren. Damit konnte ich meinen Tank und den meines Kollegen füllen. So konnten wir uns endlich auf den Weg über den Pass machen, ohne weiter auf den Tanker warten zu müssen.

Diese Fahrt stellte sich als interessanter heraus als erwartet. Die bisherige Strecke war recht einfach, aber das änderte sich dramatisch. Oft wurde die Strasse einfach durch riesige Schneemassen hindurch gefräst. So fuhr man nicht selten entlang von 5 Meter hohen Schneewänden. Was das ganze aber anspruchsvoll gestaltete, waren die Wassermassen der Schneeschmelze. Hinter nahezu jeder Kurve war eine Wasserdurchfahrt zu meistern. Oft floss das Wasser auch die Strasse herunter, so dass man manchmal mehrere hundert Meter in 30 cm tiefem Wasser auf losen, herhausgewaschenen Steinen fahren musste. Ständig in der Angst nicht umzukippen, um die Elektronik der Afri nicht zu töten. Nasse Füße gab es natürlich trotz Wasserdichten Stiefeln gratis dazu. Wasserdichte Stiefel nützen einfach nichts, wenn das Wasser zu hoch ist. Wir beide haben unsere Motorräder jeweils einmal ins Wasser geschmissen. Wir dachten, anstatt uns gegenseitig zu helfen, wäre es besser, das Ganze für die Nachwelt mit Hilfe eines Bildes fest zu halten. Glücklicherweise ist aber nichts passiert.

Auf dem Pass selbst fährt man eigentlich oft in einer Schneelandschaft. Es geht hoch bis auf 4500 Meter entlang von Gletschern und Schneemassen die permanent drohen herabzustürzen.

Entlang des Weges gibt es von Zeit zu Zeit ein paar Zelte, in denen ein wenig Essen verkauft wird und in denen man auch schlafen kann. Als ich sie fragte, wo sich denn die Toilette befindet, gab es nur ein großes Gelächter. Ist halt alles ein wenig simpler hier oben. Leider gibt es aber auch reichlich Alkohol. Nicht selten sieht man, dass Jeepfahrer, welche Touristen durch das Tal chauffieren, schnell in die Zelte rennen, um dann ein 200 ml Glas Whiskey auf ex herunter zu schütten, um für die nächsten Kilometer gewappnet zu sein. Mein Begleiter meinte, dass das, was die Einheimischen machen, nie dumm sein kann und es immer von Vorteil ist, sich den Sitten und Gebräuchen des Landes anzupassen. Danach war er auch deutlich schneller mit dem Motorrad unterwegs und passierte Wasserdurchfahrten wesentlich geschmeidiger, da er sie einfach nicht so recht wahrnahm.

Nach einer Nacht in den Zelten ging es dann auf die letzten Kilometer der Strecke nach Manali. Diesmal starteten wir um 7 Uhr morgens. Zu unserer Überraschung war es um diese Zeit um ein Vielfaches einfacher, da der Schnee noch nicht beginnt zu schmelzen. Am Ende der Strecke erwartete uns aber noch der recht berühmte Rotang Pass, welcher dafür bekannt ist, dass er durch die ständig wechselnden Streckenverhältnisse nicht ganz einfach sein soll. An diesem Tage war aber alles halb so wild. Wir sahen unter anderem ein Skigebiet und trafen auf tausende von Indischen Skitouristen, die lange Konvois den Berg herauf bildeten. Wie immer zeigen sie, dass sie im Verkehr einfach nicht teamfähig sind. Vor jeder Brücke, die nur für ein Fahrzeug passierbar ist, bildeten sich ellenlange Staus, da beide Seiten nach jedem Fahrzeug versuchten auf die Brücke zu fahren. Ich sah mir das Ganze eine Weile an. Dann stellte ich mich vor das vorderste Auto und ließ die Fahrzeuge der anderen Seite passieren. Das beschleunigte die Geschichte deutlich. Natürlich begleitet von Protest-Hupkonzerten der Fahrzeuge hinter mir. Auch nach Monaten in Indien kann ich mir die Verkehrsdynamik immer noch nicht wirklich erklären. Lustig war auch anzuschauen, dass mein Kollege mit T-Shirt herunter fuhr, im Gegensatz dazu die Inder eingemummelt in Ski-Anzügen aus den 80ern in beheizten Autos saßen und dieses nur in Gummistiefeln, Mütze und Handschuhen verließen.

An jeder Ecke wollten uns Leute permanent Safran verkaufen. So verlor die Landschaft um einen herum auch schnell an Reiz und wir wollten nichts wie weiter. Auf dem Pass traf ich auch einen Deutschen auf dem Fahrrad wieder, den ich zwei Monate zuvor in Nepal traf. Und er verfluchte die Strecke verständlicherweise aufs Übelste. Als Fahrradfahrer verliert man in diesem Verkehr jegliche Daseinsberechtigung. Es kursiert ein Gerücht: Falls einen Jemand über den Haufen fahren sollte, dreht dieser noch einmal um und fährt ein weiteres mal drüber, um sicher zu sein das man auch wirklich tot ist, da es viel zu teuer wäre das Krankenhaus zu bezahlen. Keine Ahnung ob das stimmt, aber ich möchte auch nicht versuchen, es heraus zu finden.

Angekommen in Manali bzw. Vashisht traf ich direkt in der ersten Stunde viele Leute, die ich zuvor in verschiedensten Orten kennen gelernt hatte. Somit hatte man natürlich viel zu erzählen und es wurde auch erst mal ein Belohnungsbierchen für die letzten 2 Wochen geopfert.

Nun bin ich seit knapp 2 ½ Wochen hier und tue das, was viele andere Touristen im Norden Indiens tun. Nicht sehr viel. Man verbringt die Tage mit Gesprächen und kleineren Ausflügen in die Umgebung. Ich habe hier auch eine Palästinenserin kennen gelernt, die doch ein wenig Eindruck auf mich macht. Aber auch auf Andere. Sie ist seit zwei Jahren mit ihrer Enfield in Indien unterwegs und macht das Ganze nicht alleine, sondern mit ihrem Hund. Es sollte durchaus mehr solcher Frauen auf der Welt geben.

Leider existiert hier oben auch eine ausgeprägte Drogenkultur weshalb es besser ist, sich mit Leuten am Morgen zu unterhalten, denn am Abend spricht man oft verschiedene Sprachen. Schade ist nur, dass hier nahezu Jeder damit zu tun hat. Ich habe auch endlich mal wieder ein paar sehr nette Inder kennen gelernt, mit denen ich gute Gespräche über das Land und seine Leute hatte. Ich habe endlich mal wieder exzessiv ein Fitness-Studio besucht, um körperlich nicht völlig zu verfallen. Man möchte ja in Thailand am Strand keinen gar zu schlechten Eindruck hinterlassen. Das war es wahrscheinlich auch, was mich so lange hier gehalten hatte. Ich wollte eigentlich nur eine Woche hier bleiben, aber jeden Tag kam man nicht so wirklich in die Schwünge. Ich denke, dass ich morgen nun endlich wieder unterwegs sein werde und mich auf den Weg nach Leh begeben werde.

Leider kamen mir aber schlechte Nachrichten über das Kashmirgebiet zu Ohren. Vor zwei Wochen wurden neun Menschen in diesem Gebiet wegen der Pakistanisch – Indischen Auseinandersetzungen hingerichtet. Jedoch soll das ganze nicht gegen Touristen gerichtet sein. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ich mich in solche Gebiete begebe und sich im Nachhinein herausstellt, dass es sich um eines der interessantesten der Reise handelt. Aber ich werde die Nachrichten verfolgen und mich bei der Polizei erkundigen. Leh gehört glücklicherweise noch nicht zu diesen Gebieten. Außerdem sind die Pässe dieses Jahr ständig gesperrt da es immer wieder Erdrutsche gibt, welche die Strassen für Tage blockieren. Aber jetzt hat es einige Tage nicht geregnet, was die Chancen erhöhen sollte, ohne Probleme hindurch zu kommen.

Wünscht mir Glück.

Das nächste Mal, wenn ich von mir hören lasse, befinde ich mich dann wohl in Leh.

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Responses

  1. Neeeeidisch! Oh mann, wie gerne waere ich jetzt auch da oben auf der ENfield unterwegs…. 😦 Musste aus gesundheitlichen Gruenden meiner Grosseltern leider doch frueher zurueck nach Deutschland. Beneide Dich wirklich sehr… Asien und das Freiheitsgefuehl fehlt sehr. Wuensche Dir weiterhin eine traumhafte Reise, Kuhfreie Strassen und spannende Eindruecke. Danke fuer die vielen, spannenden Berichte. Namaste, Alina.
    Die Gorkha/Pokhara Bekanntschaft 😉

  2. Ja, viel Glück!! Denke oft an Dich!

  3. hi nico, wollte dir mal liebe grüße dalassen und dir sagen das ich dich nicht vergessen habe!

    glg Katar


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