Verfasst von: Nico Ackermann | 13. August 2010

Auf nach Leh und dessen Umgebung

Nach langer Zeit in Manali hab ich mich nun endlich nach Leh aufgemacht. Schlussendlich alleine, da sonst niemand in die Schwünge kam. Leider hab ich mir dafür einen recht ungünstigen Tag ausgesucht, da es die ganze Zeit leicht regnete. Der Rotang Pass ist dafür bekannt, dass er sich an solchen Tagen nicht gerade von der besten Seite zeigt. Aber ich bin bisher bis hierher gekommen, da sollte dieser Pass auch nur eine kleine Herausforderung darstellen. Die meisten Leute stürzen dort.

Mir passierte das aber leider schon vorher. Die Strassen waren nass und ich wunderte mich schon, warum drei Inder mich so interessiert anschauten, als ich um eine Kurve herum kam. In der nächsten Sekunde lag ich auch schon auf der Nase. Es war ein großer Ölteppich der sich auf der ganzen Strasse breit machte. Es ging so schnell, dass ich gar nicht realisierte wie die Afri wegrutschte. Wie sich später herausstellte, stürzten die Inder auch schon an derselben Stelle. Sie hielten es nicht für nötig, mich zu warnen. Zumindest halfen sie mir wieder auf. Meine Klamotten haben ein wenig gelitten was ich aber durch ein paar Flicken wieder richten kann. Das dümmste ist aber, dass die Maschine so hart aufschlug, dass der eine Sturzbügel nun verbogen ist. Es wird nicht ganz so leicht, die ganze Sache wieder zu richten. Aber dafür sind die Bügel ja gedacht und haben Schlimmeres verhindert.

Mit schlechter Laune ging es schlussendlich weiter auf den Pass, der sich wirklich von seiner unangenehmen Seite zeigte. Glücklicherweise waren die langen Konvois der indischen Skitouristen nicht mehr unterwegs. Die Skigebiete waren mittlerweile geschmolzen. Dennoch machte das die ganze Sache nicht viel einfacher, da die ganze Strecke nun eine einzige Schlammschlacht war. Aber ich habe wenige Tage zuvor meinen Hinterreifen gewechselt, so dass die Afri ganz gut Grip fand. Witzig war, dass man oft mit dem ganzen Stiefel eingesunken ist, wenn man den Fuß zum Abstützen herunter nahm. Und das ganze auch noch im Regen. Aber ich bin ja nicht hier, um Urlaub zu machen. J

Nach dem Pass wurde es einfacher und man kam ganz gut voran. Als es dunkel wurde, versuchte ich ein günstiges Hotel zu finden. Als ich einen Inder auf einem Skooter fragte, meinte er nur, dass ich ihm folgen soll. Und so ging es 10 km weiter zu seinem Teezelt, wo ich die Nacht mit neun anderen Indern verbringen konnte. Der Vorteil von solchen Unterkünften ist einerseits, dass es billig ist. Andererseits geht man früh zu Bett, da um einen herum nach 10 Uhr außer schnarchenden Indern nichts Spannendes passiert. Und es fühlt sich ein wenig wie Campen an.

Am nächsten Tag ging es wieder alleine weiter, aber das sollte nicht lange so bleiben.  Ich traf Jeff, den ich zuvor in Manali kennen lernte. Eigenartigerweise war er in der Gegenrichtung unterwegs. Seine Kollegen hatten Probleme mit einer Enfield und er war auf der Suche nach einem Mechaniker. Nur war der nächste in 100 km Entfernung. Also hab ich mir mal die Enfield genauer angeschaut und nach einer halben Stunde herausgefunden, dass der Zündgeber unter Wasser und Schlamm stand. Also sauber gemacht und sie lief wieder wunderbar. Danach ging es zusammen mit dieser Gruppe, welche aus Jeff, Stu und Mark bestand, weiter bis nach Leh und darüber hinaus. Wir ließen es recht gemütlich angehen, da wir nahezu an jedem Teezelt anhielten und uns 2-3 Tees genehmigten. Die kosten zwar nur um die 20 Cent pro Stück, aber im Nachhinein waren sie, glaube ich, das teuerste auf dem Weg nach Leh. Stu stellte sich als recht lustiger Fahrer heraus, da er fast jeden Tag einen anständigen Unfall baute und immer heil davon kam. So entschied er sich, den einen Tag während der Fahrt ein Video zu drehen. Als er die Kamera während der Fahrt abstellte und wieder auf die Strasse blickte, befand er sich nur noch zwei Meter von einem 1,5 Meter tiefen Graben entfernt. Er entschied sich, das Motorrad in der Flugphase zu verlassen. Ihm passierte nichts und an der Enfield brach nur der Bremshebel und die Fußrasten waren ordentlich verbogen. Also gab es für mich am nächsten Teehaus mal wieder was zu reparieren. Am nächsten Tag ging es kilometerweit über sandige Strassen. Normalerweise ist die Regel auf Sand, dass man ein strauchelndes Motorrad mit etwas mehr Gas wieder stabilisiert. Nur hatte die Afri auf 4800 Meter gar keine Lust, noch mehr Power zu produzieren. Aber wir haben diese Passage ohne Stürze in der ganzen Gruppe gemeistert.

Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch hoch auf den zweithöchsten Pass der Welt, welcher mit 5328 Meter zu Buche schlägt, aber es war schon recht spät und Jeff hatte ordentlich mit der Höhe zu kämpfen. Glücklicherweise gibt es immer mal vereinzelte Armeestationen, welche uns ein wenig Sauerstoff schnüffeln lassen, was ihn erstaunlich schnell wieder auf die Beine brachte. Danach ging es weiter zu unserem Nachtlager auf einer langen, guten Teerstraße. Als wir um eine Kurve herum kamen, rannten 50 Meter neben uns um die 20 Wildpferde, die uns für die nächsten fünf Kilometer begleiteten. Sie rannten mit 40 bis 50 km/h und hinterließen eine riesige Staubfahne. Es war nicht ganz einfach, das Ganze auf Bild fest zu halten, da auch keiner von uns die Pferde überholen wollte, um sie möglicherweise durch die Motorgeräusche zu verschrecken. Und das Ganze auf 4800 Meter Höhe. Keine Ahnung, wie die das durchhalten konnten, aber jeder von uns war von dem Anblick sichtlich bewegt und wir alle waren uns einig, dass es diese Momente sind, die das Reisen besonders machen.

Die Nacht verbrachten wir auf 4750 Meter vor dem Pass. Alle hatten am nächsten Tag ein wenig Kopfschmerzen. Aber wir mussten weiter, da es hier nicht so einfach ist, auf niedrigeres Terrain zu kommen. Also hoch auf den Pass, was sich als gar nicht mal so dramatisch heraus stellte. Nur hatte die Afri nun gar keine rechte Lust mehr und funktionierte nur noch in einem Drehzahlfenster von 3000 bis 4000 Umdrehungen. Und wenn der Motor zu warm wurde, wollte sie auch  nicht mehr so recht. Daher hieß es für mich, dass ich die Gruppe alleine lassen und etwas schneller nach oben fahren musste. Oben wieder vereint, gab es erst mal reichlich Fotos. So einen Erfolg muss man für die Nachwelt ja auch gebührend festhalten. Ich kam auf die Idee, den Höhenweltrekord für einen Handstand zu brechen. Währe schön, wenn das mal jemand für mich recherchieren könnte, ob ich das geschafft habe. Unterwegs sah man auch reichlich Fahrradfahrer, die sich den Berg herauf schleppten. Beeindruckende Leistung, aber wir waren uns alle einig, dass diese Menschen in diesem Augenblick nicht glücklich gewesen sein konnten. Jeder von ihnen war auch erst am Gipfel zu einem Gespräch bereit. Daraufhin ging es nun herunter vom Pass auf einen herrliche Serpentinenstrasse, die allen einen riesigen Spaß machte. Und so langsam hörte auch der Körper damit auf, einem ständig die Frage zu stellen, was man hier oben nur zu suchen hat. Am Abend erreichten wir dann Leh, und nach 2 Stunden Hotelsuche gab es dann endlich auch das verdiente Feierabendbierchen.

Nach zwei Tagen Reparaturen und Erholung entschieden wir uns dann, gemeinsam den höchsten Pass der Welt zu erklimmen. In der Nacht zuvor kamen aber die anderen auf die Idee, die Angst vor dem bevorstehenden Ereignis mit Alkohol zu bekämpfen. Glücklicherweise bin ich da nicht eingestiegen, da ich es sonst nie im Leben geschafft hätte, früh um sieben Uhr aus den Federn zu kommen. Die anderen schienen aber etwas Lebenserfahrung auf diesem Gebiet vorweisen zu können und waren recht munter und nur eine Stunde zu spät. Die Strassen waren bis auf 10 Kilometer über den Pass erstaunlich gut. Wir nahmen noch Tom mit – ein Holländer, der sich zwei Tage zuvor erst eine Enfield zulegte. Leider hatte diese Maschine Kupplungsprobleme und daher mussten wir auf den steilen Passagen ein wenig auf ihn warten. Stu, der am Vorabend beim Biere am meisten zugelangt hatte, nutzte diese Gelegenheiten, um seinen Kater auszuschlafen. Nur war die Bettwahl mit einem Stein vor einem 200 Meter Kliff nicht gerade die cleverste.

Zu meiner Enttäuschung musste ich feststellen, dass die Inder ganz gewaltig mit der Höhenangabe gelogen haben. Denn am zweithöchsten Pass wich mein GPS nur um zwei Meter ab. Hier oben jedoch um etwa 250 Meter. Angeblich soll der Pass 5603 Meter hoch sein aber laut GPS waren es nur 5550. Ich fragte frecherweise einen Soldaten, ob er einen Stift hat, damit ich das Schild berichtigen kann. Er lächelte nur und machte pssssssssssst. Angeblich hatte die indische Regierung erst vor kurzem mit hochpräzisem Armee-GPS den Pass vermessen. Aber ich war auch nicht ganz unglücklich darüber, da weitere 250 Meter der Afri sicherlich ganz ordentlich zugesetzt hätten. Danach ging es herunter in eine leichte Art Wüstenlandschaft inmitten der Berge. Es gab sogar Kamele, die wir aber nicht zu Gesicht bekamen, da wir uns entschieden, den Dalai Lama zu sehen, der in diesen Tagen gerade eine Statue einweihte.

Nach einer Nacht in dem Gebiet ging es also am nächsten Tag wieder zurück mit Zwischenstopp beim Dalai Lama. Dieser posierte während seiner Vorlesung sogar kurz mit Peace-Fingern, als er unsere Kamera erblickte, nur leider war keiner von uns so schnell, das ganze im Bild fest zu halten. Aber ein recht lustiger Geselle. Da er aber in tibetisch redete, wurde das ganze für uns recht schnell langweilig und es ging wieder zurück nach Leh. Stu entschied sich mal wieder, eine seiner ungeplanten Stunt-Einlagen zum Besten zu geben und schmiss sich selbst und sein Motorrad fast in eine Mauer. Wieder einmal blieb er unverletzt und machte sofort Scherze über die ganze Geschichte. Also gab es in Leh mal wieder etwas zu reparieren.

Ich lernte unterwegs auch zwei Inder kennen, die organisierte Motorradtouren in Indien durchführen. Und zu meinem Erstaunen war einer der Beiden eine Inderin, welche ordentlich am Kabel zog. So etwas sieht man hier sehr selten. Die letzten indischen Mädels auf Motorrädern hab ich in Goa gesehen und noch nie eine auf einer Enfield. Es gibt also doch noch vernünftige Frauen in diesem Land.

Am folgenden Tag verließ mich die Gruppe dann, da ihre Visa ausliefen und ich machte mir mit Tom Gedanken, wo es denn als Nächstes hin gehen könnte. Und wir entscheiden uns, uns  zu einem See im Osten von Leh aufzumachen, wobei man über den angeblich dritthöchsten Pass der Welt fahren muss.

Leider gab es morgens zwischen uns ein paar Unstimmigkeiten, da ich nicht so richtig aus den Federn kam und mir auch sonst ein wenig Zeit ließ. Jedenfalls kamen wir erst kurz vor Mittag los und ich fuhr zu Anfang auch noch 5 Kilometer in die falsche Richtung. Daraufhin ist Tom die Lust vergangen und er entschied sich, erst am nächsten Tag zu fahren. Ich wollte aber kein zweites mal packen und entschloss mich, den Weg dennoch anzutreten. Seit Längerem war ich mal wieder alleine unterwegs und ich habe es echt genossen. Es ging über herrliche Strassen und nur die zehn Kilometer über die Spitze des Passes waren ein wenig anspruchsvoller.

Leider hatte die Tankstelle am Weg  mal wieder kein Benzin. So musste ich auf dem Schwarzmarkt ein paar Liter kaufen. Glücklicherweise waren kurz zuvor zwei Inder wegen Benzinmangel gestrandet und ich nahm einen von ihnen mit, um gemeinsam auf die Suche zu gehen. Aber ganz sicher war ich mir dennoch nicht, ob es soweit noch reicht, da die Afri auf dieser Höhe gern mal zehn Liter auf hundert Kilometer zu sich nimmt. Kurz vor dem See traf ich dann noch einen Mönch, dem auch das Benzin in seinem Skooter ausgegangen war. Ich nahm ihn dann 15 Kilometer mit, aber so richtig dankbar war er dafür nicht. Scheint hier oben selbstverständlich zu sein, Mönchen eine Mitfahrgelegenheit zu geben. Der See an sich war wirklich einzigartig und vor allem der Sonnenuntergang ergab herrliche Bilder. Zu meinem Glück war hier oben auch ein anderer Deutscher, der einen recht gescheiten Eindruck machte und auch nicht ins typische Touristenbild passte. So hatte ich für ein paar Stunden mal wieder eine vernünftige Unterhaltung.

Am nächsten Tag ging es dann wieder zurück nach Leh, um dort noch ein paar Tage zu verbringen und auch Reparaturen an der Afri zu erledigen. So gingen dann für mich drei Tage mir nichts, dir nichts mit Erhitzen, Biegen, Sägen, Hämmern und Schweißen ins Land, um den rechten Schutzbügel der Afri wieder hin zu biegen. Ist schlussendlich auch geglückt. Er macht nun fast wieder einen neuen Eindruck. Während dieser Tage habe ich Frank wieder getroffen, den ich schon in Vashischt kennen gelernt habe. Obwohl wir beide vollkommen unterschiedlicher Natur sind, kommen wir erstaunlich gut klar und beschlossen, mal gemeinsam ein wenig Strecke zu machen. Glücklicherweise gesellten sich den einen Abend noch Nina und Lisa, zwei deutsche Mädels, dazu, die auch schon nach wenigen Tagen vom Touristenleben in Leh die Nase voll hatten. Also bin ich mit dieser Truppe noch mal ins Nubra Tal gefahren, was sich im Nachhinein mehrmals als eine geniale Idee und Glücksfall herausgestellte.

Irgendwie passte die Chemie der ganzen Truppe erstaunlich gut und wir hatten alle einen riesigen Spaß. Wir haben versucht, alle Seitentäler abzufahren und kamen teils weiter, als wir eigentlich durften, was man an der Reaktion des etwas entsetzten Militärs sehen konnte. Es scheint auch unheimlich zu helfen, weibliche Mitfahrer zu haben, da die Leute der Dörfer viel gelassener reagieren. Somit schauten wir uns viele Täler an und verbrachten einen Abend in den Sanddünen, was einem in diesem Augenblick einfach nur unwirklich erscheint, da man teils noch von Schneegipfeln umringt ist. Ich habe versucht, Lisa beizubringen, wie man eine große Maschine bedient, indem sie hinten saß und den Lenker übernahm. Dabei stellte sie sich so gut an, dass ich sie habe vorn sitzen lassen und nur in Notfällen eingriff.

Als dann eine Wasserdurchfahrt kam, wollte ich sie das in ihrer jungen Motorradkarriere doch nicht versuchen lassen und wir hielten an. Als ich die Afri wieder starten wollte, sprang sie nicht an. Das erste Mal nach über 25.000 km und 9 ½ Monaten. Und das nachdem ich jemand anderen nur 500 Meter habe fahren lassen. Scheinbar mag sie keine Mädels. Glücklicherweise war es aber nur der Lichtmaschinenregler, eine Kinderkrankheit der Afri, der nun nach 87.000 Kilometern den Geist aufgegeben hat. Ich hatte aber schon vorgesorgt und hatte einen zweiten dabei. Somit war sie nach 20 Minuten wieder flott und die Reise konnte weiter gehen.

Die Abende wurde durchgequatscht, so dass wir am nächsten Morgen immer etwas gerädert waren. Aber die Szenerie um einen herum weckte einen schnell wieder auf. Scheinbar hatten wir mit den Mädels auch unsere persönlichen Glücksbringer dabei, da wir fast immer herrliches Wetter über uns hatten, während es wenige Kilometer um uns herum vom Anblick der Wolken her zu stürmen schien.

Und damit hatten wir auch nicht ganz Unrecht. Denn in der Nacht desselben Tages, an dem wir Leh verließen, wütete ein Sturm über der Stadt und der restlichen Umgebung. Schlammlawinen brachen um Mitternacht los und begruben Teile der Stadt und ganze Dörfer in naher Entfernung. Täglich steigen die Todeszahlen und es scheinen wohl schon mehrere hundert zu sein, da auch noch etliche vermisst werden.

Das ganze haben wir aber erst 2 Tage später erfahren, da mit zusammengebrochenem Stromnetz nur wenige Nachrichten dieses Tal erreichten. Also beschlossen wir, am nächsten Tag den Rückweg anzutreten, um der Verwandtschaft der anderen mitzuteilen, dass man noch am Leben ist. Auf dem Weg zurück gibt es vor dem Pass eine kilometerlange Gerade und ich dachte mir, dass ich Lisa noch mal eine Chance gebe, die Afri zu fahren. Dabei stellte sie sich so gut an, dass sie die Hälfte des höchsten Passes der Welt im Alleingang bewältigte. Das sorgte für eine Menge Adrenalin auf beiden Seiten, aber so hatte ich wenigstens auch mal die Gelegenheit, die Landschaft genauer anzuschauen.

Als wir dann nach Leh kamen, hatte man den Eindruck, als ob man in eine Art Geisterstadt fahren würde. Jeder, den man sah, machte einen eigenartig verstörten Eindruck. Vier Tage lang hatten wir nur sehr wenige Menschen um uns herum und jetzt waren wir wieder in der Touristenmetropole gefangen. Wir fühlten uns alle fehl am Platz, aber alle Strassen, welche aus Ladakh heraus führen, waren zum Teil zerstört, so dass man erst einmal gefangen war.

So entschied ich mich am nächsten Tag, bei den Aufräumarbeiten mit anzupacken. Und da gibt es reichlich zu tun. Bisher habe ich die Dörfer noch nicht gesehen, aber alleine in der Stadt reicht die Zerstörung schon aus. Mehrere Häuser wurden einfach weggespült oder verwüstet. Und das Krankenhaus, welches ich mit vom Schlamm befreie, ist in nahezu jedem Raum einen halben Meter hoch mit Schlamm gefüllt. Wir haben versucht, teures Gerät aus den Räumen zu bergen und die Notaufnahme wieder frei zu legen, da die Regierung den Ausbruch von Infektionskrankheiten befürchtet. Dabei habe ich nun zwei Tage mitgeschaufelt und jetzt liege ich selber flach. Schlammpackungen auf der Haut sind wohl doch nicht so gesund.

Etwas mulmig wurde mir auch, als wir ein Röntgengerät aus dem Schlamm befreiten. Als das Militär davon Wind bekam, rannten sie mit Metalldetektoren in den Raum und untersuchten ihn. Wir vermuteten zuerst, dass sie damit nach Körpern suchen würden. Wie sich aber herausstellte, suchten sie nach Landminen, die  vom Hügel herunter gespült wurden. Mittlerweile wurden schon vier davon in den Räumen des Krankenhauses ausfindig gemacht. Bisher hatte aber noch nie jemand darüber ein Wort verloren.

Nahezu jeder Tourist versucht derzeit schnellstmöglich aus Leh zu verschwinden, obwohl das Leben hier langsam wieder normale Zustände annimmt. Und jeden Tag verstärkt sich das Gefühl, dass Leh zur Geisterstadt wird, da kaum noch Touristen da sind. Es wurde auch ein Kerzenmarsch organisiert, an dem sich zu meiner Überraschung fast die ganze Stadt beteiligte. Das ergab schöne Bilder der Anteilnahme.

Ich werde wohl so lange warten, bis eine Strasse aus diesem Gebiet wieder geöffnet wird und mich dann auch wieder Richtung Nepal aufmachen, um endlich nach Südostasien auszufliegen. Aber so lange das nicht geht, werde ich wohl bei den Arbeiten mit tätig sein – sobald es mir wieder besser geht.

So long…

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Responses

  1. Echtes Abenteuer … schön, dass euch nichts passiert ist !!!

  2. Schön zu hören das es dir gut geht!
    Gute Weiterfahrt 🙂
    Lg

  3. oh mann… wahnsinn was du erlebst und wenn ich mir vorstelle bei der tour dabei zu sein…imm er wieder meinen respekt. Freue mich zu hören dass es Dir gut geht, wobei m ich die Bilder der Menschen und Umstände in Pakistan und da oben eher zum weinen bringen. In die Augen der Menschen zu sehen… Hoffe Du hast DIr bei all den guten Taten keine schlimme Krankheit zugezogen. Weiterhin alles Gute, in Gedanken oft mit Dir auf Tour.
    Alina

  4. mal wieder ein toller bericht. viele grüsse

  5. Wirklich wunderschöne Bilder!

  6. Also, ich sag nur, du brauchst einfach nur ganz viel Prügel! Pass auf dich auf Bliguu, keine Dummheiten und dabei immer schön genießen!! Die Bilder sind echt der Knaller!!

    :p

  7. Du lässt dir ja viel Zeit mit neuen Texten 😉

    Weiterhin viel Spass !!!

    LG Carsten

    PS: Du hast deine Lieblingsband verpasst. Als Ersatz musste Andy sie mit mir geniessen 😛

  8. Eeeeeeh… Entschuldigung, aber wann genau kommen hier die nächsten Texte noch mal rein?

  9. …hey nico,
    wann gehts denn hier mal weiter?

  10. Wann schreibst du denn mal wieder was, du faules Stück???

  11. Nischöööö, lebst du überhaupt noch?

  12. Niggö lass mal wieder was von Dir hören!

  13. hallo meld dich ma wieder keule. ich wäre berreit für nen thailand trip………………………

  14. bin gerade dabei einen neuen artikel zu schreiben. kommt noch vor ende dieser woche online. bin gerade auf phuket in thailand. aber wie ich dahin gekommen bin könnt ihr dann lesen.
    gruss an alle

    • „bin gerade auf phuket in thailand. aber wie ich dahin gekommen bin könnt ihr dann lesen.
      gruss an alle“

      Ich vermute mal, du bist auf Motorrad dahin 😀

  15. wie lange biste noch in thailand? hätte evtl im dezember zeit mal runter zu kommen. meld dich mal wieder, du faules stück!!!!

    gruß dani

    • Dani, Du sollst DA schreiben und nicht hier rumsurfen 😉 Spaß beiseite, Nico, ich hoffe es geht Dir soweit gut. Der Spot scheint nicht mehr so gut zu funktionieren, oder bewegst Du Dich einfach nicht mehr? 🙂

      Gruß,
      Martin


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