Verfasst von: Nico Ackermann | 29. März 2010

Varanasi

Die Geschichte mit den Reifen hat sich mal wieder geändert. Zu Anfang war dir Rede davon, dass die Reifen innerhalb von zwei Tagen in Indien sein könnten. Das ist nun 2 Wochen her. Angekommen ist noch nichts. Soll aber angeblich am Donnerstag so weit sein. Ich schaue der Sache jedoch ein wenig skeptisch entgegen. So habe ich entschieden, dass ich erst mal mit meinen abgefahrenen Reifen versuchen werde, bis nach Varanasi zu fahren. Und das hat nach 3 Tagen Ungewissheit, Hoffen und Bangen auch geklappt. Jedoch sind die Reifen nun hoffnungslos herunter und ich bin hier wirklich gefangen, bis ich was Neues bekomme.

Die Fahrt hierher war anstrengend. Zum einen nimmt es einen schon ganz schön mit, wenn man mit voller Montur bei Temperaturen von 35 bis 42 Grad im Schatten täglich für 8 bis 9 Stunden fährt. Zum anderen macht es einem der Indische Verkehr alles Andere als leicht.

Je weiter ich in den Norden komme, umso verrückter wird es. Ich habe nun auch meinen ersten Unfall hinter mir, der aber glücklicherweise nicht weiter tragisch war. Ein anderer Motorradfahrer hat, während ich ihn überholte, einfach zur Seite ausgeschert und ich konnte einen Zusammenstoss nicht mehr verhindern. Dabei hat es mir eine Seitentasche abgerissen, die ich nun wieder flicken muss. Und dieser Kerl hält noch nicht mal an, tat so, als wäre gar nix passiert. Er war nicht allein, denn zwei seiner Freunde saßen hinten drauf. Aber keiner von ihnen reagierte. Ich hoffe dass ich ihnen wenigstens ein paar ordentliche blaue Flecke verpasst habe, so dass sie die nächsten Tage noch ein wenig an mich denken dürfen.

Ansonsten scheint es so, als ob die Leute einfach keinen Willen zum Leben haben. So gut wie niemand schaut auf die Strasse, bevor er diese überquert. Würde ich nicht hupen, hätte ich schon Hunderte überfahren. Sie versuchen immer cool zu sein, indem sie bis zur letzen Sekunde warten, bevor sie anfangen loszurennen. LKWs interessiert es überhaupt nicht, ob sich irgendjemand auf der Strasse befindet, der kleiner ist als ihr Fahrzeug. Soll heißen, dass sie mich ständig von der Strasse drängen. Und das machen sie sogar noch mit einem Lächeln auf den Lippen. Scheint sich aber auch zu rächen, da man täglich vielleicht 50 verunfallte LKWs entlang der Strasse sieht. Diese Unfälle müssen erst an dem Tag entstanden sein, da bei den Meisten noch die Ladung drauf ist.

Die ersten beiden Tage auf der Fahrt nach Varanasi war ich wirklich übel gelaunt da ich kaum geschlafen hatte. Alles um Einen herum stresst nur. Man muss sich in Indien wirklich bemühen, ruhig zu bleiben, sonst schaltet man schnell auf Blockade. Man meint, dass Alle einen nur in den Wahnsinn treiben wollen. Halte ich in einem Dorf wo man keine Touristen gewöhnt ist, dann stehen permanent 50 Leute um mich herum und schauen. Im Zoo von Hyderabad kam es mir auch so vor, dass nicht die Tiere, sondern ich die Attraktion bin. Da laufen die Tiger in zwei Meter Entfernung herum, aber alles schaut nur auf mich. Der Tiger schaute mich nur an, als ob er sagen wollte: „jetzt weißt du, wie sich das anfühlt“. Mir war schon klar, dass es in Indien schwierig werden kann, etwas Privatsphäre zu haben. Das heißt aber ja noch lange nicht, dass ich es mögen muss. Nach drei Monaten hat man dann wirklich so langsam die Nase voll. In Gasthäusern wird man jedes Mal wenn man außer  Haus geht gefragt, wo man denn hin will, kommt man zurück, wo man denn gewesen ist. Wenn ich spät noch hinaus möchte, muss ich mich rechtfertigen, was ich vorhabe. Aber alles was ich brauchte war mal eine ordentliche Mütze voll Schlaf. Denn am dritten Tag war ich ausgeschlafen und somit viel toleranter. Nun bin ich hier in Varanasi angekommen und habe es auch die erste Nacht genossen.

Diese Stadt ist entlang des Ganges erbaut und gehört zu den ältesten Städten der Welt. Und die Besonderheit dieser Stadt sind die so genannten „Ghats“. Dies sind Treppen vor Tempelanlagen entlang des Flusses, wobei jeder einzelne Tempel eine besondere Bedeutung hat. Zwei sind besonders Interessant. Hier finden 24 Stunden am Tag Leichenverbrennungen statt. Das ist eigentlich der Hauptgrund, warum sich hier so viele Touristen einfinden. Eigentlich habe ich schon seit zwei Wochen keine mehr gesehen. Hier ist jeder Dritte einer. Daher wird man auch nicht mehr so angeschaut, als ob man ein Außerirdischer wäre.

Es war dieses mal relativ einfach, ein Hotel zu finden. Gleich zu Anfang war ein Inder so nett und hat mir den Weg gezeigt, indem er mit seinem Motorrad vorausgefahren ist. War aber dennoch nicht ganz einfach. Dies bedeutete, dass ich fünfzehn Minuten lang durch einen Meter breite Strassen fahren musste, durch die die Afri gerade so hindurchpasste. Wenn irgendwo ein Fußgänger kam, musste er sich in einen Hauseingang flüchten. Im Abstand von 500 Metern zum Fluss gibt es nur noch solche engen Gassen. Glücklicherweise hat das Hotel auch einen kleinen Parkplatz für mich, auf dem die Afri nicht ganz öffentlich sichtbar ist. Später habe ich mich dann auf einen Spaziergang begeben, der länger dauerte als ich vermutete. Man kommt von einem Ghat direkt zum nächsten. An diesem Tag war ein besonderes Festival weswegen auch noch nachts um zwei Uhr viele Leute vor einem Tempel saßen, beteten und sangen. Um diese Uhrzeit war ich natürlich mal wieder der einzige Tourist. Dabei führte mein Weg auch an einem Verbrennungs-Ghat vorbei, das eigentlich das Wichtigste ganz Indiens ist. Hier werden am Tag im Schnitt 500 Menschen öffentlich verbrannt. Ich muss schon sagen, dass dies etwas ganz Besonderes ist.

Irgendwie kommt man zur Ruhe und kann stundenlang nicht wegschauen. Dabei denkt man sehr intensiv über das Leben nach. Zu welchen Erkenntnissen ich dabei gekommen bin, möchte ich euch lieber vorenthalten. Aber ich kann Euch schildern wie sich das Ganze abspielt.

Die Leichen kommen aus dem ganzen Land, da jeder Hindu gern hier verbrannt werden möchte. Vielen ist es aber aus finanziellen Gründen nicht möglich, so dass sie in ihrem Heimatort verbrannt werden und bei Gelegenheit bringt dann ein Verwandter die Asche zum Ganges.

Hier wird am Anfang der Körper, welcher in Leinen gewickelt und mit einem meist goldenen Tuch bedeckt ist, zum Wasser getragen, wo er kurz gebadet wird. Währenddessen wird das Feuerholz aufgestapelt, an dessen Höhe man erkennen kann, welchen sozialen Status ein Verstorbener hatte. Dann wird der Leichnam daneben gelegt und die Familie versammelt sich ein letztes Mal. Einer der nahesten Verwandten ist in ein weißes Tuch gekleidet und hat sich die Haare bis auf einen kleinen Bürzel am Hinterkopf abrasiert. Zumeist ist es der Sohn des Verstorbenen. Dieser entzündet das Feuer nachdem der Leichnam auf das Feuer gelegt wurde. Dabei wird immer Feuer von einer anderen bereits brennenden Feuerstelle genommen da die Flammen an diesem Ghat niemals ausgehen dürfen. Angeblich brennen sie schon seit Tausenden Jahren. Meist sind diese Leute dabei aber sehr aufgeregt, so das sie sich öfters die Kleidung ansengen, oder sie auch gern verlieren, indem sie darauf treten. Gibt dann immer ein kurzes Gelächter.

Ist der Leichnam dann einmal entzündet dauert es ungefähr eine Stunde bis nicht mehr viel übrig ist. Was man dabei sieht, ist nur schwer mit Worten zu beschreiben. Etwas Zartbesaitete Gemüter sollten jetzt besser zum letzten Absatz wechseln, weil ich im Folgenden doch ein wenig ins Detail gehe, da es viele sicherlich interessiert, wie man sich das Ganze vorstellen muss.

Nach kurzer Zeit ist der Leichnam vom Feuer umschlossen und es dauert auch nicht lang bis das Leinentuch verbrannt ist, so dass man alles sehen kann. Nicht lange und das Geräusch der Verbrennung wechselt, da das Körperfett anfängt zu brennen was ein gewöhnungsbedürftiges Knistern ist, ein wenig vergleichbar mit dem einer Friteuse. Zudem steht man öfters im Rauch. Schnell verfärbt sich der Leichnam schwarz und nach einer Weile treten an manchen Stellen die Knochen hervor. Danach wird der Körper vom Feuerwart mit einem Stock nach vorn gebeugt, da das Feuer auch kleiner wird. Eigenartigerweise scheinen die Inder selbst die Sache mit einer gewissen Seelenruhe zu sehen. Es ist kaum so etwas wie Trauer zu spüren. Die meisten der Leute sind Angehörige, die nicht selten in ein Gespräch vertieft sind. Später wenn der Leichnam fast vollständig verbrannt ist, schlagen die Feuerwärter mit einem Stock auf den Schädel so dass dieser in sich zusammenfällt. Ist aber nicht immer nötig, da öfters auch ein Schädel durch das darin befindliche Wasser explodiert. Dies gibt einen lauten Knall, der auch noch von einem Kilometer Entfernung zu vernehmen ist und einen am Einschlafen in der Nacht hindert. Ist der Körper fast vollständig verbrannt, werden die letzten Überreste vom Verwandten, welcher in das weiße Tuch gekleidet ist, mit 2 Stöcken in den Ganges geschoben. Bei einer billigen Verbrennung ist das Feuer aber meist klein und es wird auch nicht allzu lange gewartet, so dass die Überreste doch nicht ganz unerheblich sind. Und es werden ständig neue Leichen gebracht. Zudem werden Menschen welche unehelich geboren wurden, nicht verbrannt, sondern direkt in den Fluss geworfen. Deswegen warnt der Lonely Planet auch davor eine Bootstour entlang des Ganges zu unternehmen.  Ich habe aber noch keine Leichen treiben sehen. Zumindest muss ich mir zweimal überlegen, im Ganges baden zu gehen. Drum herum befinden sich eine Menge Hunde, die sich um die letzten nicht weggebrachten Reste kümmern und Kühe fressen die Pflanzenketten, welche um die Leichen gehängt wurden. Zudem werden die Leichname durch die Stadt zur Feuerstelle getragen, so dass man oft solchen Zügen in den engen Gassen begegnet.

Irgendwann gewöhnt man sich an die Sache und findet es auch nicht mehr so abstoßend. Sogar im Gegenteil. Durch die Reaktionen der Inder um einen herum, kommt man total zur Ruhe und realisiert, dass der Tot ganz einfach zum Leben gehört. Daher möchte ich diese Erfahrung auch nicht missen und werde sicherlich noch ein paar Mal in den nächsten Abenden zu den Feuern gehen. Würde man an diesem Ort Tiere verbrennen, würden es sich wohl noch mehr Leute anschauen, da sie dann nicht die Befangenheit hätten, dass es sich hier um Menschen handelt.

Jedoch wenn der Feuerwärter im Leichnam herumstochert und mit den Knochen hantiert, vergisst man diese Ruhe auch ganz schnell wieder. Sobald das Feuer angezündet wurde, scheinen die Leute jeden Respekt gegenüber dem Verstorbenen zu verlieren. Mich erstaunte, dass ein Inder mir alle meine Fragen erklärte, obwohl gerade eine seiner nahen Verwandten verbrannt wurde. Ein wenig konnte es man ihm schon anmerken, dass er Trauer empfand. Dennoch war er am Gespräch mit mir interessierter.

In den nächsten Tagen werde ich jedenfalls noch hier in Varanasi sein, da ich immer noch auf die Reifen warte und sozusagen zum Aufenthalt gezwungen bin. Aber dafür werde ich hier sicherlich um einige Erfahrungen reicher.

Bis die Tage…
Bilder folgen.

Verfasst von: Nico Ackermann | 22. März 2010

Hyderabad

Den letzten Artikel schrieb ich noch in Goa. Das ist schon eine ganze Weile her. Leider hatte ich die ganze Zeit keinen Internetzugang.

Aus Goa hab ich mich erst mal auf den Weg nach Hampi gemacht. Ist ja nur 350 km entfernt und ich dachte schon, dass ich das an einem Tag schaffen würde. Aber in Indien kommt grundsätzlich alles anders, als man denkt. Zeitpläne funktionieren hier einfach nicht. In sieben Stunden Fahrzeit habe ich gerade mal die Hälfte geschafft. Aber das war auch nicht weiter tragisch. Endlich konnte ich mal die Geländetauglichkeit der Afri testen.

Ich war zum ersten Mal seit meiner Zeit in Indien auf Strassen unterwegs, die mit Sicherheit nicht von Touristen heimgesucht werden. Es wäre ganz einfach für Touristenbusse nicht möglich, diese Strassen zu befahren. Anfangs war das noch normaler Asphalt. Das änderte sich schnell, sobald man etwas höher in die Berge kam. Dann wurde daraus ein Dreckweg mit Schlaglöchern von gut einem halben Meter Tiefe. Hat aber einen riesigen Spaß gemacht. Ich kam leider dabei im Schnitt nur mit 20 km/h voran.

Schön war, dass die Leute einfach keine Touristen gewöhnt und somit nicht vorbelastet waren. Soll heißen, man wurde nicht als wandelnder Mammon angeschaut, sondern nur wie ein ganz normaler Außerirdischer. Da weiß man, welch stressiges Leben ein Superstar haben muss. Englisch sprach so gut wie Keiner. Machte die Sache aber nur lustiger, da ich mich mal wieder in Pantomime üben konnte. Ganz zur Belustigung aller Beteiligter. Nur leider werden Gesten in Indien immer ganz anderes interpretiert, was es mir auch schwer macht, wenn die Leute einem etwas erklären wollen. Aber wie ich mitbekommen habe, verstehen sich die Inder untereinander auch nicht besser. Schön war es, dass man als Ausländer auch mal mit Respekt behandelt wurde. Schlussendlich habe ich mir ein Hotel für die Nacht gesucht. Den Namen der Stadt kenne ich bis heute noch nicht. Die Leute an sich waren recht nett. Nur als ich nachts gegen ein Uhr noch mal außer Haus gegangen bin, um ein bisschen herumzuschlendern, erschien es mir, als ob die ganze Stadt betrunken wäre. Ständig wurde man blöd angemacht. Wenn man die Jungs zur Rede stellte, entschuldigten sie sich auch gleich wieder. Scheinbar gibt es hier nicht gerade all zu viele Beschäftigungsmöglichkeiten.

In der Nacht parkte ich die Afri in der Tiefgarage des Hotels, wo sie an und für sich sicher stehen sollte. Am Morgen war der Lenker in einer völlig falschen Position. Das schafft man nur, indem man versucht das Lenkerschloss aufzubrechen oder sie umschmeißt. Jedenfalls bin ich erst mal ein wenig ausgeflippt und hab die Jungs vom Hotel aufgefordert die Polizei zu rufen. Wollten sie natürlich nicht machen, da es für sie nur Unannehmlichkeiten machen würde. Ich hab so lange darauf bestanden bis sie sich endlich mal durchgerungen hatten, anzurufen. Da das aber sicherlich Stunden gedauert hätte, bin ich zurück auf die Strasse und hab ein wenig herumgeschraubt, um den Schaden zu beseitigen. Aber wie jedes Mal hier in Indien, wenn man einen Schraubenschlüssel in die Hand nimmt, wird man von einer Menschenmasse umringt. Die Ersten konnte ich noch vertreiben aber nach einer Minute waren es schon um die 50 Leute. Und die konnten es natürlich nicht unterlassen dumme Fragen zu stellen. Aber in dieser Situation hatte ich keine Nerven mehr dafür und ich sagte ihnen immer wieder, dass sie mich in Ruhe lassen sollen. Hätte schnell unangenehm werden können.

Am nächsten Tag ging es dann nach Hampi.

Und die Landschaft entlang der Strecke war wirklich sehr schön. Riesige leuchtend grüne Reisfelder und im Hintergrund schöne Felsformationen. In Hampi angekommen bemerkte ich, dass das Navi mich auf die falsche Seite des Dorfes geleitet hatte. Es ist durch einen Fluss unterteilt.

Aber ich wollte gern in der Mitte des Geschehens sein und deswegen habe mich mich auf den Weg zur anderen Seite gemacht. 50 km Umweg. Die Brücke, die das Dorf verbunden hatte, ist vor zwei Jahren während des Monsun-Hochwassers eingestürzt und hatte dabei 30 Leute mit in den Tod gerissen. Seitdem wollte keiner die Brücke wieder aufbauen. Sie glauben, dass es der Wille der Götter war. Es gab auch eine kleine Floßverbindung, aber ich wollte mein Motorrad wirklich nicht in eines der kleinen Nussschalen unterbringen. Sie taten das zwar mit den kleinen Rollern, aber die Afri hat ungefähr das Zweieinhalbfache.

Daher ging es auf den Strassen nach drüben. Kostete mich ungefähr 90 Minuten. Dort angekommen, habe ich mich gleich wieder geärgert, da es auf dieser Seite sehr viel hektischer zuging. Die meisten Sehenswürdigkeiten jedenfalls waren ebenfalls auf dieser Seite. Also blieb ich zwei Nächte und sah mir viele Sachen an. Die meisten Tempel sind um die 500 Jahre alt und wirklich schön anzuschauen.

Nach einer Weile wird man dann Tempelmüde. Es gleicht sich letztendlich alles doch sehr. Ich habe ein paar Finnen wieder gesehen, die ich schon in Goa kennen lernte. Deshalb bin ich am nächsten Tag wieder rüber auf die andere Seite gefahren.

Hier lernte ich noch ein paar andere Gruppen kennen, mit denen ich dann die nächsten Tage verbrachte. Es war wirklich ein gemütliches Plätzchen. Die Zeit verschwendeten wir mit Baden, Tempelbesichtigungen und Quatschen. Ich genoss es sehr und der Abschied fiel mir schon ein wenig schwer. Aber mit etwas Glück treffen wir uns in Varanassi wieder. Wäre echt schön, da man dort wahrscheinlich ungern allein herumläuft. Ist wohl ein sehr religiöser Ort,  an dem den ganzen Tag Leichenverbrennungen stattfinden. Es soll von Bettlern die einen permanent belästigen nur so wimmeln. Aber wir werden sehen, wie es ist, wenn ich dort bin.

Aber irgendwann ist alles mal vorbei und ich musste mich nach Hyderabad aufmachen um mich mit Sabine zu treffen, die mir den Kupplungskorb aus Deutschland mitgebracht hatte.

Jedenfalls ging es erst mal zum Flughafen von Hyderabad, wo Sabine ihr Hotel hat. Habe es nicht gleich auf Anhieb gefunden und die Gelegenheit genutzt, mir erst mal eine Unterkunft zu suchen, die sich in der Nähe befindet. Ist aber gar nicht mal so einfach. Das Naheste war in 25 km Entfernung. Trotzdem gar nicht mal so schlimm, da sich dieser Ort als perfekt herausstellte. Ich bin hier im Muslimischen Viertel der Stadt. Die Leute sind nahezu alle unheimlich nett. Habe auch ein paar Einheimische getroffen, mit denen ich nun fast jeden Abend Essen gehe. Ich habe sie auf der Suche nach einer Werkstatt kennen gelernt. War gar nicht so einfach.  Fünf Versuche brauchte das schon. Entweder wollten sie nicht oder entschuldigten sich damit, dass sie ja keine Honda-Werkstatt wären und rechtliche Probleme befürchteten, falls ein Motorrad eines anderen Fabrikats in ihrer Werkstadt stehen würde. Andererseits muss man sich mal vorstellen, dass ein Kunde in eine Deutsche Werkstadt gehen und fragen würde, ob er ein paar Tage Werkzeuge benutzen und Platz für seine Arbeit bekommen kann. Währe wohl eine ziemlich aussichtslose Sache.

Schon ein wenig deprimiert ging ich dann zum Fünften. Dort lernte ich gleich den Chef des Ladens kennen. Der war von der Idee ganz begeistert. Er meinte nur, dass ich so lange bleiben könnte wie ich wollte. Bei Problemen würde er mir ein paar Mitarbeiter zu Seite stellen. Also habe ich das die nächsten Tage gemacht. Und mittlerweile habe ich hier nahezu alle Freiheiten, sitze beim stellvertretenden Manager im Büro und benutze deren Internet.

Durch ihn habe ich die ganzen Leute hier kennen gelernt. Er und seine Freunde sind mittlerweile echt gute Kollegen geworden. Sie gehören zur finanziell etwas besser gestellten Gesellschaft Indiens. Oder sagen wir mal anders. Ich habe in meinem Leben noch nie so wohlhabende Menschen kennen gelernt. Der Vater seines einen Freundes ist der Chef einer Firma mit 3000 Angestellten. Dementsprechend beeindruckend sieht auch das Haus der Familie aus. Aber sind dennoch wirklich nette Leute die nie damit angeben. Hatte immerhin 2 Tage gedauert bis ich herausgefunden hatte, mit welchen Leuten ich es da zu tun habe. Lustigerweise sagte ich noch kurz bevor wir das Haus erreichten, dass ich glaube, Indien sei eher ein armes Land.

Als der Pförtner dann das Tor öffnete, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Einer seiner Brüder hat einen Porsche Boxter S. Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte auf dem Beifahrersitz eine kleine Runde durch die Stadt zu drehen. Ich meinte nur, warum denn nicht, Da wusste ich noch nicht, bei was für einem Verrückten ich da eingestiegen bin. Denn wir fuhren dann mit um die 200 durch die Stadt und nahmen die Kurven im Drift. In Deutschland würde ich mir das Ganze ja noch gefallen lassen, da der Verkehr eher berechenbar ist, aber hier in Indien kann zu jeder Zeit Alles passieren. Ich bat ihn, er möge doch bitte bisschen langsamer fahren. Und diese Worte kommen nicht oft über meine Lippen. Es interessierte ihn recht wenig. Zu alledem wurden wir noch von einem Aston Martin überholt welcher noch bekloppter unterwegs war. Die Jungs brauchen ganz dringend eine Rennstrecke.

Dazu war der Porsche keiner in einer normalen Fassung sondern auf knappe 400 PS getunt,  mit allem möglichen Schnickschnack versehen. In acht Tagen bekommt er übrigens den neuen Nissan Skyline GTR der derzeit den Rundenrekord für Serienwagen auf dem Nürburgring hält. Jedoch auch nicht in normal sondern in eine getunten 600 PS Version. Sind schon bissel verrückt die Reichen hier. Vielleicht bin ich ja noch hier zu dieser Zeit, aber ich denke mal nicht. In jedem Restaurant, in dem wir Essen gehen, wird er sehr herzlich empfangen. War aber auch kein Wunder. Wie sich herausstellte, gehört das Gebäude seiner Familie.

Das Allerbeste aber ist, dass sie Leute kennen, die mir wahrscheinlich Reifen besorgen können, da es mit dem Typen in Pune schlussendlich doch nicht funktionierte. Angeblich hatte er die Reifen vor 2 Wochen gekauft, aber durch einen Nachfrage beim Händler in Singapur habe ich herausgefunden dass dort niemand irgendetwas gekauft hat. Aber auch hier halte ich die Reifen noch nicht in meinen Händen. Und so lange man das noch nicht kann, sollte man sich hier in Indien auf nichts verlassen.

Lustig ist auch, dass andauernd irgendwelche Leute für mich in der Gegend herum rennen. Durch meine Bekanntschaften wird versucht, alle Probleme für mich zu lösen. Sie haben immer ein paar Laufburschen, die für mich durch die Stadt gejagt werden. Somit habe ich die Afri sowie ein paar Kleinteile an meiner Ausrüstung reparieren können und bin bis auf die Reifen wieder vollkommen fit, so dass es die nächsten paar tausend Kilometer zu keinen größeren Schwierigkeiten kommen sollte. Leider ist das Problem, dass trotz ausgetauschter Kupplung nach wie vor ein seltsames Geräusch übrig geblieben ist, welches sich aber nur bemerkbar macht wenn ich die Kupplung ziehe. Und ich kann mir schwer vorstellen, was das wirkliche Problem sein soll. Aber so lange es nur bei einem Geräusch bleibt, ist alles OK.

Aber ich lasse mich überraschen.

Habe auch Sabine besucht, um mal wieder jemanden vertrautes um mich herum zu haben. Bin einen Tag lang mit Ihr und ihren Arbeitskollegen in die Innenstadt gefahren um ein wenig Shoppen zu gehen. Am Wochenende ist sie auch mit mir und meinen neuen Kollegen ein wenig um die Häuser gezogen und ich hoffe dass sie das auch genossen hat.

Jetzt bleibe ich noch so lange hier bis sich auch mein Reifenproblem erledigt hat. Dann geht es weiter auf den Weg nach Varanassi. Aber das wird wohl wieder 5 Tage Fahrzeit bedeuten.

Bis denne.
Und geniesst den Frühling in Deutschland.

Verfasst von: Nico Ackermann | 7. März 2010

Goa

Jetzt wird es aber langsam allerhöchste Eisenbahn, dass ich mal wieder einen neuen Artikel schreibe. Der Grund warum ich das bisher noch nicht getan habe ist ganz einfach der, dass ich kaum etwas gemacht habe, sondern eher das langweilige Touristenleben gelebt habe, um mich mal wieder bisschen zu erholen. Aber ein wenig ist schon passiert. Vor allem, dass ich sehr viele sehr spezielle Leute kennen gelernt hatte.

Erst mal habe ich 2 Wochen an dem Strand in Arambol verbracht, welcher als *die* Hippie Hochburg Goa’s gilt. In der ersten Woche war dies auch der Fall. Hippies weit und breit. War immer lustig anzuschauen, wie die Leute vom Flughafen in ganz normaler Kleidung ankamen, dann aber am nächsten Tag nur noch mit organischen Sachen herumgerannt sind. Hatten lustiges Zeugs wie Federn und künstliche Dread Locks in den Haaren. Obwohl man zugeben muss, dass manche Mädels damit durchaus einen guten Eindruck machten. Mein Problem war nur, dass man sich kaum mit jemand unterhalten konnte, ohne dass der andere versuchte, das Thema auf irgendetwas Spirituelles zu lenken. Soll bedeuten, dass die Leute sich dort meist im Drogenrausch nur über irgendwelche Schakras und universale Energien unterhalten wollten. Ist schon beeindruckend, auf was für einen Blödsinn manche im Drogenexzess kommen.

Vor Lachen konnte ich mich kaum halten, als sich eine Gruppe eine Stunde lang darüber unterhielt, dass Einer am Tage zuvor etwas eine Stunde lang im Mund behalten hatte und es ihn dabei mit Glücksgefühlen überhäufte. Klingt jetzt vielleicht ein wenig bekloppt. Ist es auch. Faszinierenderweise war ich aber der Einzige, der darüber lachen musste. Die Anderen hatten vollstes Verständnis. Es scheint so, dass man an diesem Ort als qualifizierter Therapeut oder Drogenberater eine Menge Geld verdienen könnte. Nahezu Jeder scheint schwere psychische Probleme zu haben, da sie von einem Selbstheilungskurs zum nächsten rennen.

Überhaupt gibt es dort allerhand Kurse, die man belegen kann, um alle seine Schakras oder was auch immer neu zu ordnen. Mein Eindruck war einfach, dass die Leute im Urlaub versuchen, sich in eine ganz andere Persönlichkeit zu flüchten. Beispielsweise habe ich mich eine Nacht lang mit einer Australierin unterhalten. Und dabei konnten wir eigentlich kein Thema so richtig beenden, da wir schon wieder ein Neues angefangen haben. Am nächsten Tag lernte sie aber irgendwelche Hippies aus alten Zeiten kennen. Von da an war sie zu keinem Gespräch mehr fähig, da sie nur noch mit einer Rassel im Kreis herum sprang und mit den Anderen zusammen seltsame Instrumente spielte. Hab noch nie so eine dramatische Verwandlung innerhalb von 24 Stunden erlebt.

Mir ist aber an diesem Strand klar geworden, dass es mir im Geiste eigentlich gut geht und ich nicht versuchen muss, mein Glück im Spirituellen zu finden. Man hat sowieso zu viel gesehen, um zu begreifen, dass das meiste allein aus finanziellen Gründen passiert. Leute, die sich hier niedergelassen haben, geben meist irgendeine Art Kurs und verdienen für indische Verhältnisse damit in einer Stunde so viel wie ein normaler indischer Arbeiter in 2 Wochen. Aus diesem Grunde betreiben das ganze Spiel natürlich auch die Inder. Aber ich hab noch keinen Inder selbst zu solch einem Kurs gehen sehen. Aber wenn man unbedingt versucht, Hilfe zu finden und darin sein Glück zu finden, dann sieht man das Ganze auch nicht mehr mit kritischen Augen und nimmt wahrscheinlich alles als gottgegeben hin. Und ich war auch nicht der Einzige, der die ganze Geschichte so sah. Auch die Engländer, die mit im selben Hotel waren, sahen die ganze Sache genau so. Sie haben sich sogar noch mehr darüber lustig gemacht. Eigentlich haben sie nur ausgespannt und sich jeden Abend einen netten Drink genehmigt. Können halt ihre englischen Gene auch nicht ganz verbergen.

Mir ging es die ersten 4 Tage auch ganz nett. Dann riss ich mich aber zusammen. Bin mal wieder viel ins Fitnessstudio gegangen. Leider ging das nicht allzu oft, da es mich immer mal durch Krankheiten flach gelegt hatte. Ich hatte in meinem Leben noch nie so viele Erkältungen wie hier in dem kurzen Zeitraum in Indien. Eine leichte Art Durchfall ist ständiger Begleiter, den man irgendwann einfach als normal hinnimmt. Man ist eher überrascht, wenn der Körper mal im Stande ist, etwas mit normaler Konsistenz zu entwickeln. Manchmal war das Zeug in meiner Nase das, was mein Körper an härtester Konsistenz aus Körperöffnungen erzeugen konnte. Derzeit liege ich auch mal wieder flach. Sollte ich mal nach Deutschland zurückkommen, wird mich so schnell nichts mehr aus der Bahn werfen. Oder der Körper ist dann die europäischen Viren nicht mehr gewohnt. Jedenfalls habe ich das Kranksein so langsam satt.

Nach Arambol hat es mich dann wieder nach Anjuna verschlagen, da hier das ganze Hippie-Dasein nicht so präsent ist und man es eher mit normalen Urlaubern zu tun hat. Zumindest die ersten Tage, wenn sie ankommen. Dann hat man ein paar darunter, die auch wieder allerhand Kurse belegen. Zumindest kann man sich recht sicher sein, dass bald alle Mädels des Hostels dort hin rennen werden. So auch hier.

Ich kam in eine wirklich nette Gruppe rein, in der wir uns prächtig verstanden. Hatte echt Jeder Spaß.

Darunter befand sich auch eine Australierin mit dem schönen Namen Emily, die es mir ein wenig angetan hatte. Nur leider war sie diejenige, welche alle anderen zu den ganzen Sachen überredete. Bald stand das halbe Hostel früh halb sieben auf, um zum Yoga zu gehen. Alle wollten mich immer überreden, das mal mitzumachen. Und ich hätte mich ja nicht unbedingt dagegen gewehrt, da es schon mal interessant gewesen wäre, zu erfahren, was die denn alle so toll daran finden. Aber um diese Uhrzeit wird es bestimmt kein Yogi schaffen, mich aus dem Bett zu holen.

Am Ende habe ich mich dazu breit schlagen lassen, mal mit in einen Aschram zu gehen. Das sind eigentlich Yoga-, Meditations- und Religionsstätten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die einen mehr Das, die anderen mehr Jenes. Der Aschram lag etwas im Süden. Jedenfalls wollten Emily und ein anderes Mädel, dessen schwedischen Namen ich nicht fähig bin, zu schreiben, gern da runter. Zugerfahrung wollte ich eh gern mal in Indien machen. Da ungefähr 50 % der Touristen in solche Aschrams pilgern, muss man sich so was natürlich auch mal angeschaut haben. Die Zugfahrt an sich war schon schön. Man konnte die Türen öffnen und sich aus dem Zug heraushängen. Ist zwar nicht ganz ungefährlich, da man dabei auch mal schnell an irgendwas kleben bleiben kann, wie zum Beispiel Tunnelwände oder Signale oder so. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich so was nicht lassen kann. Und landschaftlich war es wirklich wunderschön.

Wer die Zugfahrt-Szene aus ‚Slumdog Millionär’ kennt, der kann sich ungefähr vorstellen, wie das ausgesehen hat. Ich hatte auch ein paar nette Gespräche mit Indern. Wir waren auf dem Weg nach Kerala, Richtung südlichste Spitze Indiens. Hier soll wirklich der beste Ort Indiens sein, was die Menschen angeht. Und so kam es mir auch vor. Hier wurde endlich mal nicht aufs Geld gesehen, sondern sich mal wieder unterhalten. Hin und wieder wurden die Mädels zwar durch starrende Kerle belästigt, wenn ich gerade nicht in der Nähe war. Insgesamt hielt sich das aber in einem erträglichem Maße.

Im Ashram, früh morgens sieben Uhr angekommen, ging ich erst mal paar Stunden ins Bett. Ich kann in Zügen einfach so gut wie nicht schlafen. Dann hab ich mir den ganzen Spaß da mal angeschaut. Also zu allererst mal muss ich dazu ein oder zwei Regeln erwähnen. Man sollte von 21 bis 6 Uhr morgens und während des Essens nicht reden, da das die Konzentration auf die Meditation stören würde. Dann war es nicht gestattet, das Gelände ohne eine Erlaubnis zu verlassen. Frauen und Männer durften sich nicht umarmen oder sonstige körperliche Neigungen zeigen. Es gab nur zweimal am Tag etwas Vegetarisches zu essen und ansonsten sollte man das Essen doch bitte unterlassen. Handys waren nicht erlaubt.

Früh morgens sechs Uhr gab es eine Stunde lang Harre Krishna Lieder, bei denen die meisten lautstark mitsangen. Dabei hatten sie keine Ahnung, was sie da eigentlich sangen. Am Abend ab 8 Uhr dann dasselbe Spiel. Ich meinte nur zu Emily, dass sie im Internet doch mal nach den Regeln in einem Gefängnis suchen soll und mir dann die Unterschiede aufzeigt. Wären wohl nicht ganz so viele gewesen.

Aber ich wollte ja mal offen sein für so was. Irgendwo muss ja auch was dahinter stecken. Also hab ich mal einen Yogakurs mitgemacht. War wirklich nicht ganz schlecht. Damit kann ich durchaus etwas gegen meine kaputten Knochen tun, indem ich etwas mehr Flexibilität erhalte.

Der Rest war für mich eher ein wirtschaftliches Unternehmen mit genialem Geschäftssinn und intelligenter Gehirnwäsche. Möchte mich jetzt nicht zu sehr darüber auslassen, aber es waren zu viele Sachen für mich zu sehen, die eigentlich nur darauf abzielten, Geld zu verdienen. 90 % der Leute waren Ausländer. Der geringe Anteil Inder machte eigentlich nur seinen Yoga-Lehrer-Abschluss. Aber gerade die beachteten die ganzen Regeln überhaupt nicht. Wollten ja eigentlich nur ihr Zertifikat. Aber die Inder sind es ja eigentlich, die am ehesten mit der ganzen Religion zu tun haben und wirklich etwas damit anfangen können müssten. Stattdessen singen die Ausländer lautstark mit, obwohl sie 5 Minuten zuvor noch nie mit der Religion in Kontakt waren.

Vielleicht bin ich aber einfach nur zu skeptisch an die ganze Geschichte herangegangen. Jedenfalls wurde mir in der Nacht klar, dass ich hier nicht hin gehöre und habe den Mädels schweren Herzens verkündet, dass ich am nächsten Tag wieder zurück fahren werde. Ich hätte ihnen auch nur den Spaß an der ganzen Sache verdorben. Somit war das auch besser für alle Beteiligten. Sie blieben dann noch eine Woche und es scheint ihnen recht gut gefallen zu haben. Für mich hieß es aber am nächsten Tag, mal wieder 20 Stunden Zug zu fahren. Leider konnte ich kein Ticket mit Bett im Zug organisieren. Es waren alle schon seit 2 Wochen ausgebucht. Das bedeutete, dass ich bei den ganz normalen Sitzplätzen Platz nehmen musste. Das heißt, dass sich ungefähr 1000 Inder auf 3 Waggons aufteilen. An Sitzen war überhaupt gar nicht zu denken. Eher an stundenlanges verschwitztes, eingequetschtes Stehen. Das hab ich mir nur von außen kurz angeschaut. Dann habe ich entschlossen, mein Glück in den Schlafabteilen zu suchen.

Glücklicherweise hab ich paar nette Inder kennen gelernt, die mir einen Sitzplatz anboten. Somit konnte ich die erste Hälfte der Fahrt dort verbringen – mit netten Gesprächen. Nur leider legten sich dann alle zu Bett und für mich war ja leider keines frei. Jedenfalls nicht offiziell. Dann lernte ich einen netten Engländer kennen, der genau dasselbe Problem hatte. Wir verbrachten ein paar Stunden zwischen den Abteilen. Aber irgendwann wird man dann schon ein wenig müde. Also haben wir uns einfach in irgendwelche freien Betten gelegt, in der Hoffnung, nicht all zu schnell vertrieben zu werden. Nur leider klappte das meist nicht. Aber so kam ich hin und wieder mal zu einer halben Stunde Schlaf. Eigenartigerweise jagte uns der Schaffner nie aus dem Abteil, sondern nur aus dem Bett. Der hatte wahrscheinlich Verständnis für unsere Situation.

Und da ich genug Zeit hatte wollte ich auch mal paar Bilder vom Zug aus machen, aber leider hatte meine Kamera angefangen zu spinnen, und ohne Laptop konnte ich das Problem nicht lösen. Daher sind nicht allzu viele entstanden

Angekommen in Anjuna, habe ich die restlichen Tage hier verbracht. Eigentlich wollte ich weiter in den Süden zu zwei anderen Stränden. Aber so langsam bricht das Reisefieber wieder in mir aus und ich will eigentlich keine weitere Zeit damit verbringen, mich an Stränden herumzutreiben. Jedoch brachte Sabine, das Mädchen welches in Indien arbeitet, mal wieder ein neues Teil für mich mit. Um genauer zu sein eine fast komplett neue Kupplung. Denn meine gibt so langsam den Geist auf, was neben meinen Reifen mein derzeit größtes Problem darstellt. Also wollte ich es mir hier her liefern lassen, jedoch gestaltet sich das diesmal etwas komplizierter, weswegen ich wohl meine Reisepläne ein wenig abändern und nicht in den Süden Indiens reisen werde. So langsam will ich auch mal wieder ein neues Land sehen. Und um aus Indien raus zu kommen werde ich auch noch gut 2 Monate benötigen. Und nach 5 Wochen Wartezeit scheint sich nun auch bei den Reifen etwas Neues zu tun. Wenn ich Glück habe, sind diese Mitte nächster Woche in Indien.

Daher war scheinbar die Auszeit am Strand doch nicht ganz unnütz. Und aus dem obigen Geschriebenen soll auch nicht hervorgehen, dass ich die Zeit hier nicht schön gefunden hätte. Eher ganz im Gegenteil, da ich die Auszeit durchaus gebraucht habe. Ich denke das nächste Mal, wenn ich mich wieder mal für ein oder zwei Wochen niederlassen werde, wird dann wohl in Nepal sein. Aber wir werden sehen. Und in Zukunft wird es auch wieder mehr Berichte geben.

Oder sagen wir mal, dass ich mir Mühe geben werde. Versprochen!!!

Verfasst von: Nico Ackermann | 3. Februar 2010

Von Udaipur nach Goa

Nicole, die Schweizerin, war krank. Leider hatte sie sich am nächsten Tag noch nicht recht erholt, wollte sich aber trotzdem auf den Weg zu ihrem Meditations-Ort begeben. Es lag leider gar nicht auf meinem Weg, weshalb sie allein fahren musste. Mir gefiel es nicht, dass sie Motorrad fuhr, obwohl sie recht schwach war, aber sie muss selber wissen was sie tut. Also hab ich mich auf den Weg gemacht.

Ich hatte 850 Kilometer vor mir. Und das im Indischen Verkehr. Trotzdem habe ich, ohne viel Pause zu machen, am ersten Tag gute 600 Kilometer in elf Stunden hinter mich gebracht.

Ihr könnt Euch vorstellen, dass man danach ein wenig fertig ist mit der Welt. Indien hat sich auch mal wieder was für mich einfallen lassen, denn alle Hotels waren voll, bzw. akzeptierten keine Ausländer.

Irgendwann fand ich dann doch noch was. Man wollte mir zuerst ein Zimmer geben, aber als ich meine Taschen vom Motorrad abnahm änderte sich die Situation auf einmal. Nach langer hektischer Diskussion meinte man, dass doch keine Zimmer mehr frei wären und ich doch auf den Chef warten soll. Der würde besser Englisch verstehen. Leider sollte das erst in einer Stunde sein. Nun verlor ich ein wenig die Fassung nach so einem langen Tag und nahm den Zimmerschlüssel, den sie mir vorher geben wollten, und schaute mir das Zimmer schon mal an. Zumindest hat das geholfen, den Chef etwas schneller herzubeordern. Der war aber glücklicherweise etwas netter und hat mir das Zimmer überlassen. Damit war der Spuck noch lange nicht vorbei. Ich wollte nur noch schnell Duschen und dann ins Bett. Dreimal kamen die Angestellten in mein Zimmer und wollten jedes Mal erneut meinen Reisepass ansehen. Das kann einem schon gewaltig auf die Nerven gehen. Damit aber noch nicht genug. Als ich gerade unter der Dusche stand, klopfte es erneut an der Tür. Da dachte ich mir, dass es nun nicht nötig wäre, mir erneut etwas anzuziehen. Diesmal war es die Polizei, die natürlich auch noch mal einen Blick in meinen Pass werfen wollte. Damit aber immer noch nicht genug. Viele Freunde in Form von Moskitos in meinem Zimmer schafften es tatsächlich, mir ungefähr 200 Stiche zu verpassen. Ich hatte zwar mit einer Art Räucherstäbchen vorgesorgt, was normalerweise wirklich Wunder wirkt. Leider ging dieses in der Nacht aus. So war ich für die nächsten Tage schon mal gezeichnet.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Mumbai. War ja nicht mehr so weit weg. Ich wollte mich mit einer Freundin aus Deutschland treffen, die mir einige dringend benötigte Motorradteile mitbrachte. Glücklicherweise war es diesmal einfach, eine brauchbare Unterkunft zu finden. In der Nacht bin ich in ihr Hotel gefahren, um sie zu treffen. Sie hatte es tatsächlich geschafft, alles nach Indien zu bekommen.

Nach Mitternacht ging ich dann zurück und hatte noch etwas Hunger. Aufgrund der Anschläge vor zwei Jahren auf das Hotel ‚Taj Mahal’ hier in der Stadt musste alles gegen 24:00 Uhr schließen. Glücklicherweise wusste einer der Hotelpagen, wo noch etwas, nicht ganz offiziell, geöffnet hat. Also hat er mich ganz selbstverständlich hinten auf seinem Fahrrad mitgenommen. Das Restaurant sah zwar sehr geschlossen aus, aber durch eine Hintertüre sind wir dann hinein gelangt. Es gab doch noch ein recht geschäftiges Treiben. Endlich hatte ich mal wieder Gelegenheit, mich etwas näher mit einem Inder über sein Land zu unterhalten. Er hatte schon ein recht bescheidenes Leben. Er arbeitet zwölf Stunden am Tag im Hotel. Dabei arbeitet er ungefähr 10 Monate jeden Tag. Den Rest des Jahres verbringt er in seinem Dorf, wo seine Frau und seine Tochter leben. Das ist ungefähr 1500 km entfernt, so dass er da nicht mal eben hinfahren könnte. Alles was er verdient, schickt er seiner Familie. Er selbst verbraucht nichts. Im Hotel hat er freie Unterkunft und Logis. Täglich bekommt er dafür ungefähr 1,50 Euro. In seiner knappen Freizeit gondelt er gern nachts um drei Uhr Ausländer auf seinem Fahrrad herum. Faszinierend war aber, dass er, der kaum etwas hat, meinte, dass das Leben auf dem Land viel besser ist. Dort hat man keinen Stress und denkt nicht immer nur an Geld. Es gibt in seinem Dorf noch nicht einmal Strom. Man steht mit der Sonne auf und geht mit ihr zu Bett. Er wollte nie das Leben seines Chefs haben, der zwar reich ist, aber keine Freizeit hat und nie einen zufriedenen Eindruck macht. Meist hört man das nur von Menschen, die schon Karriere gemacht haben und erst später begreifen, dass Geld nicht Alles im Leben ist.

Den Rest der Nacht schlief ich zwar recht gut, aber früh gegen acht Uhr fing man an, im Hotel herumzuschreien. Ausschlafen war also nicht. Für die nächsten Tage habe ich mir deshalb etwas Bequemeres in Form eines gemütlichen Hostels gesucht. Dort war es so bequem, dass ich gleich mal noch weitere 3 Tage dort blieb. Nur wurde am ersten Tag auch hier nichts aus dem erholsamen Schlaf. Morgens sieben Uhr unterhielten sich zwei Bauarbeiter lautstark neben meinem Bett. Die richteten gerade das Nachbarzimmer vor. Eine Stunde später aßen zwei Andere direkt neben meinem Bett zu Frühstück. Am nächsten Morgen sollte es ruhiger sein, da keiner mehr da wäre. Stimmte nur theoretisch. Mitten in der Nacht wurde es um mich herum ein wenig unruhig, da sich im ganzen Zimmer ein hübscher kleiner See gebildet hatte. Diagnose Rohrbruch. Wieder zwei Bauarbeiter. Laute Gespräche. Frühstück.

In der folgenden Nacht machte ich den Besitzer des Hostels aufmerksam, dass es wieder von der Decke regnet, aber er meinte, das wäre ja noch lange nicht so schlimm wie die Nacht zuvor. Lustige Gelassenheit der Inder. Aber wehe, wenn ich mich mit dem Motorrad auf einen großen leeren Parkplatz stelle, der nicht für Motorräder gekennzeichnet ist. Sofort kommen gleich drei ‚Securities’ auf einmal gerannt, die Dich vertreiben wollen. Aber mittlerweile reagiere ich da schon gar nicht mehr drauf. Ist schon drollig, dass sie nicht wissen wie sie reagieren sollen, wenn einer einfach mal nicht tut, was sie sagen.

Die Tage hab ich mir mit einer anderen Touristin einen Nationalpark angeschaut, der sich an der Stadtgrenze befindet. Wie immer hatte ich Glück. Genau an diesem Tag waren mal wieder alle Besonderheiten, wie das Löwen und Tigergehege, geschlossen. Wir sind trotzdem ein wenig herumgelaufen und haben nach einer Weile im Park ein Dorf entdeckt, das schon eher afrikanisch aussah.

Also fragte ich, ob wir es uns anschauen und ein paar Bilder machen dürften. Davon waren die ersten Bewohner recht angetan und haben uns herumgeführt. Ein paar Männer, die vor den Hütten zusammen saßen, machten zuerst keinen so begeisterten Eindruck. Einer von ihnen sprang auf und gab uns zu verstehen, dass wir warten sollten. Als er zu uns kam war er aber sehr freundlich und zeigte uns auch seine Hütte. Wir wurden zum Tee eingeladen und später auch noch zum Essen.

Wir wussten zwar nicht, ob das so eine gute Idee sei, aber das würden wir die nächsten Tage schon noch auf der Toilette herausfinden. Als wir dann aus der Hütte kamen war schon das ganze Dorf versammelt. Man erzählte uns, dass manche Leute im Dorf den Nationalpark nie verlassen, da sie so eine Art Eingeborenenstamm darstellen und hier ihre Tradition leben.

Und wie sich später herausstellte, waren wir bisher die bisher Einzigen, die sich für die Menschen dort interessierten und auch bei ihnen aßen. Am Ende hatte ich den Eindruck dass es eine größere Ehre für sie als für uns war. Man wollte uns auch überreden dort zu übernachten. Das wäre aber einfach zu anstrengend. Das ganze Dorf  beobachtet einen und man wird ständig neuen Leuten vorgestellt. Zudem war die Verständigung doch recht schwierig. Zuletzt wurde mir dann auch noch ein wenig schlecht da mir das Wasser des Tees erwartungsgemäß nicht so richtig bekommen ist. Hatte sich im laufe des Abends aber glücklicherweise wieder bisschen gebessert.

Am folgenden Tag ging es dann endlich weiter. Ich konnte auch gar nicht länger bleiben da der Hausbesitzer unbedingt mein Motorrad vor der Türe weghaben wollte, da es ihm zu viel Aufmerksamkeit erregt hatte. Angeblich würde das mal wieder Ärger mit der Polizei geben. Ich hatte noch keine Probleme. Gut, das eine Mal haben sie mich mit 108 gelasert, erlaubt waren für Zweiräder aber nur 50. Autos jedoch durften 90 fahren. Jedenfalls wollten mich die Polizisten dazu überreden, etwas Geld in ihren Taschen zu hinterlassen. Aber ich sagte immer nur dass ich kein Wort Englisch verstehe. Jedes Mal wenn sie 50 sagten malte ich eine 90 in die Luft. Kann schon von Vorteil sein dass alle denken, die Ausländer hätten eh von nix Ahnung. Nach fünf Minuten und unzähligen verzweifelten Versuchen, mir das beizubringen, gaben sie schließlich auf und ließen von mir ab. Das hätte auch schön teuer ausgehen können. Ansonsten werde ich auch gern angehalten wenn ich auf dem Express Highway fahre. Motorräder sich dort gar nicht erlaubt. Ist aber so extrem praktisch. Ich höre das natürlich immer zum ersten Mal, und so lassen sie mich ziehen. Bin bisher eh recht glücklich unterwegs, da ich noch nie Strafe zahlen musste.

So ging es nun nach Pune. Endlich gab es mal wieder einige Kurven. Das Fahren machte mal wieder richtig Spaß. Laut Navi sollte das die nächsten Tage sogar noch viel besser werden. Jedoch musste ich in Pune erst mal der Afri ein wenig Pflege gönnen. Zum Glück lernte ich vor ein paar Tagen in Jaipur ein paar Deutsche kennen, die hier für die Automobilindustrie arbeiten.

Ihre Firma spendierte ihnen ein Haus, in dem es sich gut leben lässt. Zudem bietet es auch noch Platz für verirrte Typen wie mich. Sie haben ein Gästezimmer, das später mal als Kinderzimmer dienen soll. Die beiden waren wirklich recht locker und sehr nett. Nachts, während die Beiden schliefen, hing ich vorm Internet und schaute Fernsehen. Hatte fast schon was von ein wenig Privatsphäre. Daher an dieser Stelle noch mal vielen Dank, falls ihr beiden das lesen solltet. Ich hatte es also sehr bequem und fand auch noch eine recht gute Werkstatt, in der ich drei Tage lang die Afri wieder auf Vordermann bringen konnte.

Am ersten Tag gab es einen kleinen Zwischenfall. Ich hatte den Leuten gesagt, dass ich gern Alles alleine machen möchte und lediglich hin und wieder vielleicht mal eine helfende Hand benötigen könnte. Sie meinten immer, dass sie das Alles ja in einer Minute erledigt hätten. Ich solle sie nur machen lassen. Also war ich die hälfte des Tages damit beschäftigt, sie von der Afri fernzuhalten. Als ich mir einmal kurz für 5 Minuten ein Wasser holte, haben sie mal eben die Lagerschalen des Lenkkopflagers aus den Lagersitzen geschlagen. Dabei haben sie aber extrem schöne Spuren und Grate hinterlassen und mir fast meinen Rahmen ruiniert. Nach einer etwas nachdrücklichen Ansage hat Keiner mehr ohne mein Beisein etwas an der Afri angefasst. Hätten sie sich noch ein wenig mehr Kraft aufgewendet, hätte es das Ende der Reise sein können. Am Tag darauf war es dann sehr viel besser. Sie kapierten langsam, dass ich weiß was ich da tue, und dass es mir nicht darauf ankommt ob ich nur eine Stunde oder drei Tage dafür brauche. Wir wurden sogar recht gute Freunde. Einen Tag habe ich beim Chef im Haus geschlafen, da mich kein Hotel mehr aufnehmen wollte, weil es ja eh nur ärger mit der Polizei bedeuten würde. Er ist ein wirklich netter Typ und führt ein recht lockeres Leben. Um nicht früh aufstehen zu müssen, gibt er seinem Mechaniker jeden Monat ein wenig Geld um den Laden zu öffnen und zu schließen. Dieser repariert auch alle indischen Motorräder und darf alles Geld, was er damit macht, behalten. Der Chef macht offenbar mit dem Import von großen Motorrädern genug Geld.

Nachdem ich dann endlich alles fertig hatte, ging es nun endlich  nach Goa. Endlich mal ein wenig ausspannen. Ich überlegte noch kurz, in den Norden zu fahren, um mich dort mit der Schweizerin bei den Ellora Caves zu treffen. Einerseits wären das hinzu zwei Tage Fahrt gewesen, andererseits hätte es dort noch mindestens eine Woche gedauert, da Nicole noch mal so richtig krank geworden ist. So lange wollte ich doch nicht warten. So entschied ich, dass ich mir nach all den Kilometern so langsam ein wenig Ruhe am Strand verdient hätte. Derzeit bin ich immerhin schon an die 16.000 km gefahren.

Der Weg war das Ziel. Es gab herrliche Kurven welche einen  riesigen Spaß machten. Auch wenn es nicht ganz ungefährlich ist. Ein Reisebus überholt auch gern mal einen LKW mitten in einer Kurve. Für ein Motorrad bleibt da leider oft herzlich wenig Platz. Aber wenn man sich darauf einstellt, geht das schon.

Zuvor hatte ich noch im ‚Lonely Planet’ gelesen, dass es auf kleinen Strassen entlang der Küste besonders reizvoll sein soll. Angeblich sind die Wege gelegentlich nicht leicht zu finden. Aber ich hatte ja mein Navi. Dachte ich zumindest. Es passierte ständig, dass eine Strasse zum Trampelpfad wurde, gar nicht mehr weiter ging oder gar nicht existierte. Als es dann dunkel wurde, befand ich mich in einem Gebiet, in dem es im Umkreis von 50 Kilometern kein Hotel gäbe. Wollte ich zwar nicht  so recht glauben, aber es wurde mir von vielen Leuten bestätigt. Als hieß es weiter fahren. Und das bis 10 Uhr nachts. Das ganze wahrscheinlich auch noch unter Fieber, da ich mir eine recht anständige Erkältung eingefangen habe. Aber das ist bei der Hitze schlecht einzuschätzen. Jedenfalls ging es mir nicht besonders und ich wurde die folgenden drei Tage immer schwächer. Jede Bewegung fiel schwer. Eigenartigerweise ging das Fahren noch und es lenkte auch ein wenig ab. Witzigerweise rief mein Vater mich während der Fahrt an und meinte, dass sie die Engländer, mit denen ich gemeinsam durch Pakistan gefahren bin, gerade ganz in meiner Nähe wären. Er verfolgte meine Fahrt per GPS-Spot. Leider ist es nicht ganz so einfach, die Beiden in den vielen Gasthäusern in einem Ort an der Küste zu finden. Daher bin ich erst mal zu meinem ursprünglich geplanten Ziel gefahren.

Am nächsten Tag trafen wir uns aber nach ein wenig E-Mail Kontakt schnell wieder und hatten uns eine Menge zu erzählen. So erfuhr ich, dass Alex, der Grieche mit dem wir in Pakistan gemeinsam fuhren, einen Unfall hatte. Ihm selbst und dem Motorrad ist nicht viel passiert, aber er hatte seine Freundin mit hinten drauf. Die wollte eigentlich am nächsten Morgen zurückfliegen. Also kein so toller letzter Abend.

Das zeigt mir aber wieder, dass ich hier in Indien recht vorsichtig sein sollte. Mehr zu Goa gibt es später mal, da ich mich hier erst mal zurechtfinden muss. So wie es aussieht, werde ich hier wohl ein wenig länger bleiben. Ich brauche jetzt auch erst mal das ganz normale Touristenleben und will mich ein wenig am Strand ausruhen. Sicher wird mir das irgendwann ein auf die Nerven gehen. Bis dahin werde ich es mir hier aber gut gehen lassen. Also wer gerade noch ein wenig Urlaub übrig hat und nicht weiß, wohin es gehen soll, der kann mich hier gern mal besuchen. Bin sicherlich die nächsten zwei bis drei Wochen hier in der Gegend.

Verfasst von: Nico Ackermann | 19. Januar 2010

Delhi, Agra, Ajmer, Jaipur, Udaipur

Es ist mal wieder eine Weile her, seit ich von mir etwas hören ließ. Mir geht es so weit gut. So langsam finde ich mich in das Leben hier in Indien hinein. Aber schön Eins nach dem Anderen.

Als ich in Delhi nach einem langen Tag ankam, erschreckte mich erst mal der ganze Staub und Dreck. Der Verkehr lief recht schleppend, aber ich habe ja auch nichts anders erwartet. Jetzt sah man auch mehr und mehr Kühe, aber eher in den Seitenstrassen. Denen geht ja wirklich alles am Arsch vorbei. Hab noch nie so relaxte Tiere gesehen. Die schlafen auch gern mitten auf der Strasse. Selbst wenn die mal einer mit dem Auto berührt, zucken die noch nicht mal.

Als Erstes hab ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft für die nächsten Tage gemacht. Das wurde schwerer, als ich dachte. Ich rannte von Hostel zu Hostel. Es gab dabei aber nur Probleme. Die Einen nahmen keine Ausländer auf, die Anderen waren nur für Militär, Polizei oder Beamte, und ein weiters wollte zwar mich, aber nicht die Afri. Sie hatten Platz für zwanzig Autos im inneren, aber natürlich nicht für mein Motorrad. Ich wollte die Afri aber ganz sicher nicht draußen stehen lassen. Dafür gibt es einen sehr traurigen Grund.

In der vorigen Stadt habe ich einen tragischen Verlust erlitten. Obwohl der Wächter des Hotels angeblich die ganze Nacht zwei Meter von der Afri campierte, wurde Wacki gestohlen. Irgendein Drecksack hat es wohl als witzig empfunden. Ich wünschte, den hätte ich erwischt. Aber vielleicht hat ihn ja jetzt auch ein Straßenkind und hat wenigstens etwas Freude daran.

Tut mir leid Antje, dass aus Deinem gewünschten Foto von Wacki vorm Taj Mahal und dem Mount Everest nun wohl nichts mehr wird. Aber vielleicht läuft mir ja auf meiner Reise ein kleiner Welpe zu, wir werden sehen.

Jedenfalls wollte ich aus diesem Grund die Afri nicht auf der Strasse stehen lassen. Also habe ich in diesem Hostel erst mal etwas gegessen und im Internet nach anderen Hostels geforscht. Dabei habe ich ein wirklich Nettes gefunden. Also schnell mal angerufen und mich auf den Weg gemacht. Nur leider stellte sich heraus, dass niemand in dem Stadtviertel wusste, wo sich dieses Hotel befinden sollte. Also suchte ich weiter. Nach einer Stunde kam ich zufällig ins Gespräch mit einem recht stark betrunkenen Royal Enfield Fahrer. Er suchte weitere zwei Stunden mit mir gemeinsam das ganze Gebiet ab. Er war dabei nicht allein. Seine Frau und seine beiden Kinder waren auch  mit auf der Maschine. Und der war richtig schnell unterwegs. Ich hatte fast schon Mühe mitzuhalten. Irgendwann gaben wir dann auf und gingen in sein Büro, um im Internet noch mal die Telefonnummer herauszufinden und noch mal anzurufen. Daraufhin klappte es dann auch recht einfach, das Hostel zu finden. Ich kannte ja schon die gesamte Gegend. Es stellte sich heraus, dass es eine neue Strasse war und die Adresse überhaupt nicht zum Gebiet passte. Also bin ich nach sieben Stunden Herumkurven endlich angekommen. Leider war das Hotel schon völlig ausgebucht, so dass ich auf der Couch schlafen musste. (Anm. d. Red.: Couchsurfing eben… )

War mir aber nach dreizehn Stunden Fahrt nun auch egal. Leider bekam mir das Essen aus dem vorherigen Hostel gar nicht, so dass mir mein Körper nach zwei Stunden alle Nachteile schlechten Essens zeigte. Daher konnte ich auch die ganze Nacht nicht schlafen. Was für ein großartiger Tag.

Den nächsten Tag hab ich dann natürlich auch noch flach gelegen und konnte vielleicht gerade mal zwei Stunden schlafen. Dennoch habe ich telefonisch versucht, ein paar Sachen zu erledigen. Ich musste versuchen, in Delhi ein paar Teile für die Afri zu besorgen. Eigentlich recht simples Zeugs, aber in diesen Ländern gestaltet sich das zur Herausforderung. Um es relativ kurz zu machen: Ich habe insgesamt 6 Tage versucht, an Teile zu kommen. Ein Händler hatte wohl meine benötigten Teile. Er sagte mir, ich solle ihm eine E-Mail schreiben. Er würde die Nacht noch antworten. Das wiederholte sich dann die nächsten 4 Tage, ohne je eine Rückantwort zu erhalten. Dann wurde ich am Telefon mal etwas unfreundlich und meinte, er solle doch einfach mal ins Lager schauen und mir einfach sagen, ob sie es haben oder nicht. Klappte dann nach langen Diskussionen auch. Also wollte ich gleich vorbei schauen. Sie schlossen jedoch kurze Zeit später und meinten, ich solle in 2 Tagen vorbei kommen, um es abzuholen. Das tat ich dann auch, nur leider führte mich die GPS-Position ihrer Webseite auf eine schöne große Wiese. Als ich sie dann anrief, meinten sie, dass sie heute sowieso geschlossen hätten. Da bin ich dann ein wenig ausgetickt und habe Ihnen in wohl gewählten Worten erzählt, wie lieb ich sie doch habe. Ich bin mir sicher, dass die mir nichts mehr verkaufen möchten.

Ich habe es auch auf den Märkten der Stadt versucht. Dabei wird man von einem Laden zum nächsten geschickt. Ohne jegliche Aussicht auf Erfolg. Man erfährt, dass die auch nichts haben, aber sie wüssten, dass ein Händler auf dem anderen Markt, 15 km entfernt, ganz sicher die benötigten Sachen hat. Das habe ich 2 Tage lang zelebriert. Bis ich schließlich aufgab.

Und dabei sind die Menschen auch noch so unglaublich freundlich.

Geht man beispielsweise zu einem Reifenhändler, spielt sich das folgendermaßen ab: Der Händler hat nur chinesische Reifen. Man fragt ob er einen Kollegen kennt, der eine bestimmte Marke führt. Man macht ihm auch klar, dass man keine anderen Reifen fahren wolle, sondern nur den einen bestimmten. Daraufhin fragt er ausdauernd immer wieder nach der Größe der Reifen. Woraufhin man ihm abermals deutlich macht, dass man die chinesischen Reifen nicht braucht, die er führt. Wenn er das dann mal kapiert hat, wechselt er kein einziges Wort mehr mit Dir und ignoriert Dich vollkommen. Kein ‚Auf wieder sehen oder Danke’. Selbst wenn Dich die Leute auf der Strasse ansprechen, sagen sie kein ‚Hallo’, sondern fragen direkt nach Daten des Motorrads. Wenn sie mit ihren Fragen fertig sind, gehen sie einfach. So entwickelt man doch langsam eine gewisse Abneigung gegen die Menschen in dieser Stadt. Da sie wirklich nur an deinem Geld interessiert sind und dich sonst zum Teufel wünschen. Ich habe zuvor auch schon mit anderen Reisenden gesprochen, die schon in Delhi waren. Sie meinten nur, dass sie da nichts mehr hinziehen würde. Jetzt kann ich sie recht gut verstehen. Zu meinem Glück war das Hostel, in dem ich schlief, eines der Besten in denen ich je gewesen war. Der Besitzer betrieb es wirklich nur aus Freude an der Arbeit und nicht aus finanziellen Gründen. Es lag ihm wirklich am Herzen das man sich dort so wohl wie möglich fühlte. Daher war der Aufenthalt in Delhi trotzdem noch erträglich. Im Hotel lernte man aber auch nette Menschen kennen. Es passierte nicht selten, dass ich mich bis morgens sechs Uhr unterhalten hatte, um dann todmüde ins Bett zu fallen.

Zu meinem Glück arbeitet eine gute Freundin aus Deutschland von Zeit zu Zeit in Hyderabad in Indien. Sie fliegt in den nächsten Tagen rüber, so dass sie mir hoffentlich ein paar Ersatzteile aus Deutschland mitbringen kann. Die Arme muss schon Leute aus ihrer Firma für mich belästigen, da sie nicht Alles alleine weg bekommt. Hoffentlich kommt sie damit durch den Zoll, ohne dass sie in Erklärungsnot gerät.

Einmal hatte ich auch einen platten Reifen. Mitten in der Stadt. War aber eigentlich nicht so schlimm, da es überall Reparatur-Shops gibt. Sie haben keine schlechte Arbeit gemacht, da sie das Ganze vernünftig vulkanisieren können. Am Anfang war ich zu den Leuten in der Werkstatt noch recht unfreundlich. Ich dachte, dass ich denen jetzt wieder tausend Mal auf die Finger klopfen muss, so dass sie keine unnötigen Kratzer machen. Habe mich aber mit den Leuten recht gut angefreundet und wurde sogar noch vom Ladenbesitzer eingeladen. Ich könnte doch in seinem Haus wohnen, sollte ich nochmals nach Indien kommen. Er war ein Sikh. Meiner Meinung nach bisher die scheinbar einzig netten Menschen hier in Indien. Hoffentlich habe ich nicht Recht.

Schließlich ging es dann nach sechs sinnlosen Tagen heraus aus Delhi Richtung Agra zum Taj Mahal.

Dort angekommen war es leider schon zu spät, es noch zu besichtigen. Daher konnte ich nur einen Blick aus der Entfernung darauf werfen. Dabei quatschte mich ein Typ an, der mich dann zu seinem Hotel führte. Ich wollte mir den Tag nicht wieder mit der stundenlangen Suche nach einer vernünftigen Herberge verderben. Ich staunte nicht schlecht als ich dort ankam. Da stand eine KTM 950 Adventure vor der Tür. Für alle die jetzt nichts verstehen: Das ist ein Motorrad. Natürlich wollte ich erst mal herausfinden, wem das Ding denn gehört. Man sagte mir, dass sie einer Frau gehört. Leider war sie gerade unterwegs. Also erst mal ins Zimmer einziehen. Nach einer Weile klopfte sie dann an meiner Türe. Sie ist 31, Schweizerin und schon seit 7 Monaten unterwegs. Ist über Italien, Griechenland, Türkei, Iran, Pakistan, Indien, Nepal nun wieder nach Indien gefahren. Zu alledem heißt sie noch Nicole. (Als ich das hörte, musste ich auch ein wenig schmunzeln). Ich muss schon sagen, dass sie meinen vollen Respekt dafür hat. Für die nächste Zeit haben wir grob denselben Weg. Daher schien es uns Beiden von ganz allein klar zu sein, dass wir wohl eine Weile zusammen reisen werden. Zu ihrem Glück konnte ich für sie noch ein Lenkkopflager besorgen, da ihres auch so langsam den Geist aufgibt.

Am nächsten Tag ging es also gemeinsam Richtung Jaipur. Zuvor schauten wir uns noch das Taj Mahal an. Ich bin ja wirklich nicht so sehr an den Sehenswürdigkeiten interessiert, aber es ist schon was Besonderes. Sehr beeindruckend. Die ganze Anlage ist sehr schön gemacht und umso mehr die Sonne darauf scheint, wechselt  die Farbe. Leider musste man als Tourist mal wieder zwanzigmal mehr als Einheimische zahlen. So wirklich engagiert sich die indische Regierung auch nicht, ihre größte Touristeneinnahmequelle ein wenig in Stand zu halten. Überall Schmutz auf den Wänden vom ständigen Antatschen. Aber trotz alledem haben wir eine Menge wirklich schöner Bilder gemacht.

Dann schwangen wir uns auf die Motorräder. Nicole hatte leider die Tage zuvor einen kleinen Zwischenfall. Sie fuhr durch eine Drachenleine, die ihr Visier zerkratzte. Als sie die Schnur, die dabei nicht gerissen ist, hochheben wollte, schnitt sie sich sehr tief in den Finger. Der musste dann genäht werden. Dabei konnte ich sehen, dass man hier lieber keine größeren körperlichen Probleme bekommen sollte. Es wurde mehr als saumäßig genäht. Das Problem dieses Tages war, dass ihre Pechsträhne einfach noch nicht aufhörte. Zuerst stach sie eine Biene ins Kinn. Dann fuhr sie sich einen Nagel ins Hinterrad, so dass wir dieses erst mal flicken lassen mussten. Leider hatten die eine schlechte Arbeit gemacht, so dass nach 20 Kilometern das Rad wieder platt war. Die nächste Reparaturwerkstatt war ein wenig weiter weg. Also bedeutete das für mich, dass ich bei den Motorrädern blieb und sie sich mit dem Hinterrad bewaffnet eine Rikscha nahm, um den Schlauch flicken zu lassen. Das dauerte aber diesmal doch ein wenig länger. So durfte ich 90 Minuten lang eine fünfzigköpfige Meute unterhalten. Immer wieder die gleichen Fragen.

Einer versuchte, mich die ganze Zeit dumm anzumachen und zu provozieren, obwohl ich wirklich nichts getan hatte. Irgendwann drehte ich den spieß um und machte ihn vor versammelter Mannschaft lächerlich, indem ich ihn nachäffte. Das wurde ihm schnell unangenehm und daher suchte er das Weite. Ständig betatschten die Leute alles und nahmen es in die Hand. Daher hab ich schnell alle Kleinteile in den Taschen verstaut. Leider habe ich nicht gut genug aufgepasst. Irgendwer hatte Nicols Handschuhe aus dem Helm gestohlen, was wir leider erst nach ihrer Rückkehr bemerkten. Da musste ich dann mal bisschen böse werden und ein paar Leute zusammenstauchen. Aber der Dieb selbst war sicher schon lange weg. Aber ich bin mir sicher, dass Jeder bescheid wusste. Dann ging es im Dunkeln weiter, was man ja eigentlich vermeiden sollte. An dem Abend war ich schon recht froh, endlich im Hostel anzukommen. Noch schnell was zu Essen besorgt und einen Film geguckt, um den ganzen Mist schnell zu vergessen.

An den folgenden beiden Tagen schauten wir uns die Stadt an, welche doch recht schön ist. Vor vielen Jahren strich der Maharadscha die Altstadt komplett pink an, da irgendein König zu Besuch kam, der diese Farbe wohl ganz dufte fand.  Ist schon komisch, was Männer in diesen Ländern für andere Männer tun 🙂 Heutzutage schaut das jedenfalls nicht mehr so recht frisch aus, aber man kann die Farbe zumindest noch erahnen. Es gibt viele Tempel und besondere Gebäude wie den „Palast der Winde“ falls ich den Namen noch recht in Erinnerung habe, in dem der Maharadscha damals seine 108 Frauen beherbergte. Scheinen wohl doch nicht genug gewesen zu sein. Wegen der Farbe. Oder vielleicht einfach zu viele 🙂

Den zweiten Tag verbrachten wir damit, uns in Läden umzuschauen, die mit Schmucksteinen handelten. Nicole möchte später nach ihrer Rückkehr mit verschieden Dingen aus aller Welt handeln, indem sie so eine Art spirituellen Laden eröffnet. Jaipur ist für seine Schmucksteine ja bekannt. Muss mal schauen, wie die Preise so bei Ebay liegen, vielleicht lohnt sich die ganze Geschichte ja.

Den darauf folgenden Tag wollten wir nach Udaipur. Als wir früh starteten gab der Hostelbesitzer gerade ein paar Strassenkindern Süssigkeiten.

Leider war der Verkehr recht zäh. Wir sind auch relativ spät gestartet, so dass wir nur die halbe Strecke schafften. Außerdem haben wir uns zwischendurch noch die muslimischen Tempelanlagen in Ajmer angeschaut. Gab recht nette Bilder.

Wer findet den Fehler im obrigen Bild?

Wir mussten dort 20 Minuten durch Straßen fahren, in denen gerade mal zwei Motorräder nebeneinander Platz hatten. Leider gab es gerade dort ein recht starkes Straßenleben. Und die Inder ignorieren ja sowieso alles. Das Einzige was ein bisschen hilft: Mit dem Motor etwas Krawall machen. Wenn das bewusst ignoriert wird, muss man halt hin und wieder mal Jemanden ein wenig sanft anstupsen. Es war auch nicht so leicht, ein Hotel zu finden. So sind wir wieder ein paar Minuten im Dunkeln gefahren.

Dabei verstehe ich die Inder einfach nicht. Am Tag weisen Dich vielleicht 200 Leute jeden einzelnen Tag darauf hin, dass Du das Licht anhast. Sie fahren fast in andere Leute rein, während sie versuchen Dir das begreiflich zu machen. In der Nacht jedoch schaltet niemand das Licht ein. Bis es wirklich richtig dunkel ist. Wenn es dann dunkel ist, fahren sie entweder komplett ohne oder mit Fernlicht herum. Die sind einfach nur völlig bekloppt. Da kann ich dann auch kein Verständnis mehr entwickeln, da jetzt wieder einige Leute sagen werden, dass es eben andere Kulturen sind.

Am Morgen ging es dann weiter. Wir haben am Abend Udaipur auch erreicht. Diese Stadt ist wirklich schön. Man hat auf dem Hotel eine Dachterrasse, von der aus man das Ufer des Sees sehen kann. In der Nacht sind immer wieder irgendwo Feuerwerke, da es hier ein paar sehr große Hotels gibt, von denen eines das Beste der Welt sein soll. Aber es ist vielleicht wie in jeder Stadt. Die Leute erzählen immer irgendwelches Zeugs, es sei die älteste der Welt oder die schönste, oder die mit den intelligentesten Einwohnern und so weiter.

Gestern sind wir noch in der Gegend herum gerannt. Haben uns ein paar Sachen angeschaut und dabei von einem Aussichtspunkt ein paar echt schöne Bilder gemacht.

Heute wollten wir uns eigentlich auch ein wenig umsehen, aber Nicole liegt flach. Hat wohl gestern irgendwas Schlechtes gegessen. Sie meinte auch noch, dass das Essen nicht gut wäre. Das lehrt mich mal wieder, dass man seinem Bauchgefühl vertrauen sollte und im Notfall einfach etwas stehen lässt. Komisch ist auch, dass so viele Touristen sagen, wie gut doch das Essen in Indien sei. Ich kann da wirklich nicht so recht zustimmen. Eher alles recht fad und zerkocht. Die Kellner kann man auch nicht gerade als Leuchten bezeichnen. Wie ihr sicherlich merkt, kann ich mich noch nicht so richtig an Indien gewöhnen. Das Problem hatten aber viele Menschen die ersten Wochen. Irgendwann fingen sie an, es zu mögen. Daher sollte ich schauen, dass es nicht allzu lange dauert, bis ich in Goa ankomme.

Übrigens habe ich auch ein paar schlechte Nachrichten erhalten. Der Typ, der mit seinem Pflanzenöl-Bus unterwegs war und auf den wir bei jedem Eskortenwechsel warten mussten, befindet sich derzeit im Gefängnis. Er führte ein Satellitentelefon bei sich, welches scheinbar in Indien verboten ist. Und wenn er Pech hat muss er die nächsten beiden Jahre auch noch dort verbringen, falls eine evtl. Verhandlung schlecht für ihn  ausgehen sollte. Aber ich muss mich noch mal informieren was da genau passiert ist.

http://www.net-tribune.de/nt/node/18257/news/Umweltaktivist-in-Indien-unter-Terrorverdacht

Hoffen wir dass mir das nicht auch noch aus irgendwelchen sinnlosen Gründen passiert.

Die nächsten Tage werde ich mich auf den Weg nach Mumbai machen, um meine Freundin aus Deutschland mit den Ersatzteilen zu treffen. Nicole fährt in einen Tempel, um dort für eine Woche einen Meditationskurs zu nehmen. Klingt vielleicht ein bisschen komisch. Ist auch so. Dann werden wir uns wohl wieder im Osten von Mumbai treffen, um weiterhin gemeinsam zu fahren. Ich denke, das ich aus Mumbai mal wieder was von mir hören lasse. Also bis dahin, lasst es euch allen gut gehen.

Verfasst von: Nico Ackermann | 11. Januar 2010

Endlich in Indien

Nach der doch recht langweiligen Zeit in Islamabad ist es in den letzen Tagen doch bedeutend interessanter gewesen. Irgendwann konnte ich Islamabad nicht mehr so recht sehen, da nichts wirklich Spannendes passierte. Auch der Silvesterabend war der wohl schlechteste meines Lebens. Simon und Lisa sind recht zeitig eingeschlafen. Vielleicht hatten sie auch andere Sachen zu tun, von denen ich nichts wissen sollte und sicherlich auch nicht wissen will. 😉

Somit habe ich um 12 Uhr nachts allein im Hotel gesessen. Ich wollte eigentlich ins Mariott Hotel gehen, das auch eine Diskothek hat, wo eine Party stattfand. Zum einen war aber der Eintrittspreis zu hoch, zum anderen konnte man nur als Pärchen hinein. Außerdem wurde auf dieses Hotel erst ein Jahr zuvor ein Bombenattentat verübt, so dass es vielleicht keine so gute Idee gewesen wäre, gerade in dieser Nacht dort hin zu gehen. Wenn man in Pakistan sagt, das auf der letzten Party eine Bombenstimmung herrschte, ist das kein gutes Zeichen. War insofern kein guter start ins Jahr, aber was soll’s.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Lahore. Und zwar allein. Simon und Lisa bekommen ein neues Zelt zugeschickt, aber es dauerte noch 3 weitere Tage bis es eingetroffen ist. Ich hatte wirklich keine Lust mehr, noch eine weitere Nacht in Islamabad zu verbringen. Da ich aber recht spät gestartet bin, habe ich es an dem Tag nicht mehr geschafft, über die Grenze zu kommen. Daher bin ich in einem recht simplen aber netten Hostel untergekommen, wo man nur Ausländer akzeptiert. Da traf man mal wieder andere Leute und konnte sich ein wenig austauschen. Zu meiner Überraschung waren das gar nicht mal so Wenige.

Hab mich ganz gut mit einem Mädchen verstanden, das allein durch den Iran und Pakistan gereist ist. Sie beschwerte sich darüber, dass die Männer in diesen Ländern ständig ihren Hintern betatschen. Kaum hatte sie das gesagt tat es auch schon wieder einer. Daher hab ich den Idioten erst mal festgehalten und sie hat ihm ein paar saftige Ohrfeigen verpasst. Ich glaube, das ist für die Männer hier das Schlimmste, wenn sie von einer Frau in aller Öffentlichkeit verprügelt werden. Aber das hat er sich schließlich selbst eingehandelt. Und wie immer in diesem Land, wenn es irgendwo ein wenig Stress gibt, stehen sofort 50 andere Leute bereit, die einen versuchen zu beruhigen. Aber wir haben dann der Menge recht lautstark mitgeteilt, was der Typ getan hat. Daraufhin haben ihn die Meisten noch mal zur Rede gestellt.

Im Hostel hab ich dann noch einen anderen Deutschen kennen gelernt, der ohne Marihuana gar nicht reden wollte. Es ist auch der einzige Grund warum er in dieses Land kam, da es hier recht üblich ist, es zu rauchen. Obwohl es eigentlich verboten ist. Aber man scheint es hier überall zu tolerieren. Auch die anderen im Hostel waren scheinbar jede Nacht bekifft. Daher ein guter Grund am nächsten Tag weiter zu fahren.

Endlich ging es, nach zweieinhalb Monaten, nach Indien. Zuerst natürlich das Grenzüberquerungsprozedere in Wagah. Das ging aber dieses Mal recht schnell, da hier jeden Abend zur Grenzschließung ein großes Spektakel veranstaltet wird. Die pakistanische und indische Armee möchten sich unheimlich gern gegenseitig zeigen, wie stark sie doch sind. Deshalb wird jeden Abend zur Flaggeneinholung wie wild herumgestampft und geschrieen. Wer von Monty Pyton den Sketch „Dumm gelaufen“ kennt, kann sich so ungefähr vorstellen, wie das aussieht. Herausgeputzte 2 Meter große Soldaten schleudern ihre Beine umher und tun so als wären sie unheimlich gefährlich. Glücklicherweise haben Ausländer einen VIP Platz in vorderster Reihe. Zuerst jedoch musste ich vorher meine Taschen abgeben und einen sicheren Parkplatz für die Afri finden. So bin ich mal, wie so oft, als Letzter eingetroffen und konnte das Ganze nur auf einem der letzten VIP Plätze beobachten, die gar nicht mehr so VIP waren. Aber ich habe es wenigstens gesehen. Das Problem ist, dass man überhaupt nicht versteht warum die Massen so ausrasten und die Soldaten wie verrückt anfeuern. Gegen Ende schreit dann jeweils ein Soldat abwechselnd auf Pakistanischer und Indischer Seite so lange in ein Mikro bis ihm die Luft ausgeht. Und das natürlich unter tobendem Applaus der vielleicht 6000 Zuschauer auf indischer Seite. Aber war schon witzig das Ganze zu sehen, auch wenn man überhaupt nichts kapiert.

Aber seht selbst:      Video1 Video2

Dann ging es weiter nach Amritsar. Und das sehr vorsichtig, da ich zuvor sehr viel über den indischen Verkehr gelesen, und eine Menge Respekt davor hatte. Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass es nicht das große Ding ist. Es gibt mal wieder nur eine Regel, nämlich dass es keine Regel gibt. So kann man machen, was immer man will. Aber alle verhalten sich eigentlich sehr diszipliniert und recht vorsichtig. Na ja vielleicht nicht gerade vorsichtig, aber jedenfalls rennen sie einen nicht direkt üb er den Haufen. Man darf eben in keiner Sekunde zurückschrecken und nie zeigen, dass man eventuell aus Angst bremsen könnte, weil man dann gar nicht vorankommen würde. Aber auf Landstrassen ist es alles recht ok. In den Städten ist es eher ein Kampf. Aber es geht eigentlich nie um Leben und Tod. Wenn es sehr eng wird und jeder macht was er will, ist man eigentlich immer langsam. Und auch die Kühe sind nicht so das große Problem, da diese doch recht groß und damit gut zu erkennen sind. Andererseits versuchen die das Wort Lahmarschigkeit neu zu definieren. Ist schon lustig zu sehen, wie alles zum Erliegen kommt, wenn eine Kuh denkt, sie schlendert mal eben über die Strasse. Problematisch wird das nur in der Nacht. Und das vor allem in den kleineren Städten, die unter ständigem Stromausfall leiden. Eine größtenteils schwarze oder dunkelbraune Kuh ist im Dunkeln doch recht schwer zu erkennen.

In Amritsar angekommen, habe ich mich gleich auf die Suche nach dem Goldenen Tempel gemacht. Dieser ist die Attraktion der Stadt. Wenn nicht sogar die Einzige.

Die Stadt an sich war einfach nur dreckig und staubig, aber im Gelände des Goldenen Tempels angekommen vergisst man das alles sehr schnell. Ich wurde gleich direkt ohne auch nur ein Wort mit irgendwem zu wechseln in ein Gebäude geleitet. Und das mit Motorrad. Könnte immer so laufen das man immer gleich direkt in die Lobby eines Hotels geleitet wird. Dann wurde mir auch gleich mein Schlafplatz gezeigt. Im Gelände des Goldenen Tempels kann man kostenlos übernachten. Und nicht nur das, man bekommt auch 24 Stunden lang gratis Essen. Also erreichte ich meinen Schlafraum, den ich mit vielleicht zehn anderen Leuten teilte. War sehr simpel aber völlig ausreichend. In diesem Gebäude haben in der Nacht hunderte Menschen einfach in der Halle auf dem Boden geschlafen. War schon witzig wenn man über einige Menschen steigen musste um die Toilette zu erreichen. Ein lustiges Bild war auch, dass die Leute direkt um die Afri herum schliefen und sie auch gern mal als Fußablage missbraucht wurde.

Daher bleib es auch nicht aus, dass tagsüber ständig Menschen um die Maschine herum standen, Probe saßen und alles berühren mussten.

Komischerweise scheinen die Inder recht viele Nervenzellen in den Füssen zu besitzen da sie ständig mit den Füssen auf die Reifen und den Motor treten. Leider hat es noch keiner ohne Schuhe am mehrere Hundert Grad heißen Krümmer versucht. Irgendwann einmal werd ich auch mal jemandem mit prüfendem Gesicht ständig auf den Füssen herumtreten, damit die mal sehen wie bekloppt das ist.

Der Goldene Tempel an sich war eines der schönsten Dinge, die ich je gesehen habe. Zuerst muss man seine Schuhe ausziehen und betritt das Areal. Dann wird man gleich zum großen Speisesaal geleitet, wo hunderte Menschen nebeneinander in einer Reihe auf dem Fußboden sitzen und zusammen essen. Zu Anfang bekommt man einen Teller, eine Schüssel für das Wasser und einen Löffel. Dieses stellt man auf den Boden. Dann bekommt man von Leuten, die zwischen den Reihen umherlaufen aus Eimern etwas auf den Teller geklatscht. Und es schmeckte wirklich nicht schlecht. Übrigens essen dort am Tag um die 80.000 bis 90.000 Menschen. An besonderen Feiertagen sind es locker doppelt so viele.  Anschließend gibt man seinen Teller an der Waschstrasse ab, wo vielleicht 50 Leute rund um die Uhr jeden Teller fünfmal waschen, so dass er wirklich sauber ist.

Alle Menschen, die hier arbeiten bekommen übrigens kein Geld dafür, dennoch tun sie es mit Freude. Denn in der Sikh-Religion ist es Pflicht, eine Woche im Leben in diesem Tempel geholfen zu haben.

Dann ging es hinein in die eigentliche Tempelanlage. Diese besteht aus einem großen quadratischen Teich, in dem eine Menge Kois schwimmen. Rund herum ist ein Weg, den man im Uhrzeigersinn beschreitet.


Und der Mitte des Teichs befindet sich der eigentliche Tempel, zu dem ein Steg führt.

Aber das eigentlich wirklich Einzigartige an dieser Anlage, ist die Stimmung die dort herrscht. Die ganze Zeit wird leise spirituelle Musik gespielt, die einen ganz ruhig werden lässt. Viele Menschen singen leise mit, um sich in eine Art Meditation zu bringen. Alles ist vollkommen friedlich und es gibt keinen Stress, kein lautes Wort. Jeder hat ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht. Überhaupt sind die Gesichter hier einzigartig. Den Männern dieser Religion ist es nicht erlaubt, ihre Haare zu schneiden. Daher haben die Älteren lange Bärte und tragen einen Turban. Sieht manchmal stark nach Weihnachtsmann aus.

Das ist übrigens der Wärter der Schlafplätze für die Ausländer:

Ziemlich lustiger Typ, da er auch gern mal zur Musik von einem Handyklingelton tanzt und jeden umarmt den er sieht.

Jeder muss eine Kopfbedeckung innerhalb des Tempels tragen und es  ist nicht erlaubt zu rauchen  oder zu trinken. Daher wieder mal kein Alkohol. Ich hab das Gefühl ich bin von Deutschland aus in die vollkommen falsche Richtung gefahren. Auf dem Steg zum Tempel wird es dann recht eng, da eine menge Menschen hinein wollen. Es wird recht stark gedrängelt. Und das ist kein Spaß in Indien. Jeder versucht auf unaufdringliche Art, der Erste zu sein. Soll heißen, man möchte ständig jemanden Zusammenstauchen, aber die machen das irgendwie auf eine besondere Art und Weise, so dass man Keinem so richtig böse sein kann. Und dennoch wird man nur nach hinten durchgereicht.

Drinnen angekommen, habe ich gesehen, dass die Musik, welche durchgehend gespielt wird nicht vom Band kam, sondern live war. Die Band saß drinnen vor einem Altar. Ein Anderer machte diesen ständig sauber, da die Menschen permanent Geld darauf warfen. Andere leiten einen zu einer Stelle, wo man aus dem heiligen Teich einen Schluck nehmen soll und bekommt dabei eine kleine Süßigkeit gereicht, welche man essen soll. Erklären konnte mir leider Keiner, welchen Sinn das Ganze hat, da man auch recht schnell wieder ist. Schließlich wollen Zehntausende jeden Tag dort hinein.

Auf dem Rückweg zum Schlafraum traf ich dann einen Typ, der meinte, ich solle noch eine halbe Stunde bleiben, da man dann das heilige Buch zurück in seinen Raum bringen würde. Und dieses Spektakel solle ich nicht verpassen. Also bin ich noch mal zurück und habe dabei einen weiteren Typen kennen gelernt, der mich daraufhin zwei Stunden überallhin begleitet und mir alles Mögliche über die Religion und die besonderen Abschnitte des Tempels zeigte und erklärte. Am interessantesten war für mich die große Küche, in der sie die vielen Essen zubereiteten. Und sie hatten eine moderne, mit Gas betriebene, aber auch eine traditionelle, in der noch mit Holz befeuert wird.

Wenn das Buch dann zurück in seinen Raum gebracht wird, werden alle Leute sehr religiös und man kann sich mit Niemandem mehr unerhalten. Jemand trägt das Buch entlang des Steges zurück in ein anderes Gebäude und die Menschen singen und werfen sich vor dem Buch zu Boden. Wenn es dann in seinem Raum angekommen und mit Decken belegt wird, wird es auf einmal sehr laut, da sich alle mit einem Lied noch mal lautstark verabschieden. Erst danach sind die Leute wieder ansprechbar. Das Buch hat in diesem Raum sogar eine Klimaanlage für den Sommer damit es ihm nicht zu warm wird.

Am nächsten Tag bin ich noch da geblieben um die Atmosphäre noch ein wenig zu genießen. Mit zwei anderen Reisenden, beide Vegetarier, ging ich ein wenig in die Stadt. Als wir in einem Restaurant was gegessen hatten, meinten sie nur, wie gut das doch schmeckt. Ich kann nur sagen, dass Vegetarier und Veganer arme Leute sind, da sie scheinbar schon vergessen haben was Geschmack ist. Ich habe schon Insekten gegessen die besser schmeckten. Daher wieder zurück zum Tempel und dort noch mal was Vernünftiges gegessen. Wundert mich eh, dass es um den Tempel herum Restaurants gibt.

Am nächsten Tag wollte ich weiter nach Chandigarph. Gerade als ich aufbrechen wollte, versammelten sich vor dem Tempel auf einmal viele Kinder von verschiedenen Schulen, in einer Art Schuluniform gekleidet, und aßen auf den Strassen.

Dann führten sie eine art Formationstanz auf, sangen und musizierten dazu.

Später, als ich endlich aus der Stadt wollte, waren wieder zu viele Menschen auf den Strassen. Das Heilige Buch wurde aufgrund eines besonderen Feiertages durch die Strassen getragen.

So hab ich mich natürlich mal wieder gewaltig verspätet und konnte die Fahrt nicht recht genießen, da man es möglichst vermeiden sollte, bei Nacht zu fahren. Glücklicherweise erreichte ich die Stadt noch mit den letzten Sonnenstrahlen.

Chandigarph wurde angeblich vor 60 Jahren errichtet, um die neue Hauptstadt von Indien zu werden. Man wollte alle Regierungsgebäude an einem Platz versammeln. So wie es in den USA zum Bespiel in Washington D.C. oder in Brasilien mit Brasilia ist. Daher wurde ein Designer beauftragt, die Stadt zu entwerfen. Deswegen schaut es wirklich für Indische Verhältnisse recht modern aus. Irgendwie ging der ganze Plan damals nicht auf und es ist heute einfach nur eine ganz normale Stadt. Aber es ist relativ sauber und es gibt kaum Staus, da das ganze Straßennetz sehr viel weiträumiger und intelligenter gestaltet ist. Aber das war es scheinbar auch schon mit dieser Stadt, denn ansonsten war es einfach nur ein wenig langweilig. Habe zwar ein paar Leute kennen gelernt, aber die meinten auch nur, dass hier nix los wäre. Ich bin zwar ein wenig in der großen Marktsraße herumgelaufen, aber die meisten Geschäfte waren schon geschlossen.

Daher am nächsten Tag, nach einer langen Nacht, weiter nach Delhi.

Darüber aber mehr das nächste Mal, da ich morgen versuchen will Delhi zu verlassen, und deswegen zeitig aufstehen muss. Denn es ist wirklich nicht meine Stadt. Und nachträglich Allen noch ein schönes neues Jahr.

Verfasst von: Nico Ackermann | 29. Dezember 2009

Weihnachten in Islamabad

So die Weihnachtsfeiertage sind um. Na ja, wenn man es hier Feiertage nennen kann. Aber davon später mehr.

Jedenfalls sind wir am Morgen aufgebrochen nach Multan. Diesmal hatten wir großes Glück, denn wir mussten auf niemanden mehr warten. Zufällig hatten wir den Chef der Elite-Polizei in Sukkur kennen gelernt, welcher ohne unser Wissen organisierte, dass wir von nun an nur noch von der Elite eskortiert werden. Das bedeutet, dass von nun an alles recht schnell von statten geht. Daher hatten wir auch etwas Zeit, mal wieder unterwegs etwas zu essen. Es ging deutlich entspannter zu. Wir konnten auch mal ein paar Bilder schießen.

Angekommen in Multan fing der ganze Spaß erst mal so richtig an. Hier bekam man ein sehr gutes Training, wie der Verkehr in Indien später annähernd aussehen könnte. Es existieren eigentlich überhaupt keine Regeln mehr. Wenn keine Barriere zwischen den Fahrbahnen vorhanden ist, wird die komplette Fahrbahn für beide Richtungen benutzt. Man muss sich immer seinen Weg suchen. Dazu kommt noch, dass man eigentlich nicht wirklich Bremsen kann, da die Strasse überhaupt keinen Grip hat. Sie ist wirklich absolut eben und überhaupt nicht rau. Der große Vorteil daran ist aber, dass man so spitzenmäßig herumdriften kann. Jedes Mal wenn man abbiegen muss, komme ich quer um die Kurve. Ist natürlich nur allzu förderlich für meinen Reifenverschleiß. Aber Spaß muss sein. Und es macht natürlich vor den Einwohnern eine Menge Eindruck.

Als Erstes versuchten wir ein Hotel in Multan zu organisieren. Die Polizei leitete uns zu einem, in der Hoffnung dass uns dieses aufnehmen würde. Sie meinten aber nur, dass sie derzeit vollkommen belegt wären. Das konnte eigentlich nur bedeuten, dass Ausländer nicht erwünscht sind, da sie eine Menge Aufmerksamkeit erregen und somit ein Risiko in diesem Land darstellen.

So haben wir ungefähr eine Stunde damit zugebracht, in aller Öffentlichkeit herauszufinden, wo wir hin und was wir als nächstes tun könnten. Ich hab mich da aber herausgehalten, da ich erst mal die Atmosphäre der Stadt genießen wollte. Ich beobachtete einfach nur, wie die Menschen auf uns reagieren.

Die Polizei hatte dabei jedoch keinen Spaß. Am Anfang waren sie zwar noch entspannt, wurden aber mit der Zeit immer beunruhigter. Also hab ich mit Hilfe der Rezeption andere Hotels angerufen bis uns endlich eines aufnehmen wollte.

Am nächsten Morgen wollten wir zwar starten, jedoch hatte sich Alex irgendetwas eingefangen, so dass er die ganze Nacht hindurch brechen musste. Also entschieden wir, noch einen Tag zu bleiben, in der Hoffnung dass es ihm dann besser geht und er reisefähig ist. Also haben wir den Tag in der Stadt mit der Suche nach Medizin und ein bisschen Abwechslung verbracht.

Das geht natürlich nie ohne Eskorte. Nachdem wir alles besorgt hatten, luden uns die Polizisten erst mal zu einem Tee ein. Das Ganze hat dann mal locker eine Stunde gedauert, da die ganze Zeit nur Fotos geschossen wurden. War auch ne recht lockere Stimmung. Als ich aber einmal nur zehn Sekunden aus dem Laden gegangen bin, um ein paar Bilder von Kindern zu machen, war der Spaß ganz schnell vorbei, als sie realisierten, dass sie keine Ahnung hatten, wo ich mich befinde. Wie Simon und Lisa mir später berichteten, schnappte sich jeder sofort sein Gewehr und rannte auf die Strasse. Ich fragte mich natürlich warum da auf einmal 5 Kerle mit Gewehren auf mich zu rennen. Danach durfte ich dann nur noch im Stuhl sitzen und nicht mehr aufstehen. Hat natürlich nicht lange funktioniert.

Über Nacht ist dann auch noch Simon ein wenig krank geworden. Aber am nächsten Tag waren dann alle so weit fit, das wir nach Lahore fahren konnten. Auf dem Weg dorthin haben uns dann zehn Kilometer vor der Stadt die Eskorten verlassen. Wir dachten erst, dass diese einen Fehler gemacht haben müssen, aber keiner verfolgte oder stoppte uns. Also waren wir endlich wieder frei.

Jedoch machte das die Hotelsuche innerhalb der Stadt nicht gerade einfacher. Simon und ich warteten bei den Motorrädern, währen Lisa und Alex zu den Hotels in der Umgebung liefen. Das dauerte aber gut eine halbe Stunde. So hatten um die hundert Menschen Gelegenheit, uns nacheinander zu befragen. Ich wurde noch nie in so kurzer Zeit, von so vielen Menschen, so oft darum gebeten den Koran zu lesen.

Ein Gespräch mit einem Typen war sehr skurril. Innerhalb von einer Minute redeten wir über den Grund meiner Reise, über Ringen, über Olympia, über die Freiheit der Menschen in dieser Nation und über den Koran. Beim letzten Thema angekommen, wollte er gar nicht mehr aufhören. Ich dachte nur: haben denn die Menschen hier kein anderes Thema. Aber sie haben durchaus ein anderes. Als Nächster redete ein Pastor mit uns, der meinte, wir sollen doch die Bibel jede Nacht lesen, und er würde für uns beten. Haben die hier denn nichts anderes im Kopf. Ich rede ja gern über Religion und den Sinn des Ganzen, aber nicht mit Fanatikern die einen gar nicht mehr zu Wort kommen lassen und keine andere Meinung darüber akzeptieren können. Wenn ich ihnen dann erzählte, dass ich nicht gläubig bin, können sie es zuerst nicht verstehen und fühlen sich danach um so mehr dazu berufen, mich zu bekehren. Aber zum Glück hatte das irgendwann auch ein Ende und wir haben unser neues Hotel bezogen.

Zuerst bin ich mal raus gegangen und wollte etwas Essen und meine neue zurückgewonnene Freiheit ein wenig auskosten. Schließlich hatten wir seit rund 9 Tagen immer nur Polizeieskorte um uns herum. Und ich habe hier das bisher günstigste Essen der Reise an einem Straßenstand ergattert. War so eine Art gebratenes Hackfleisch mit Ei und sonst irgendwas, und dazu ein wenig Brot. Hat satt gemacht und gerade mal umgerechnet 30 Cent gekostet. Als ich jedoch sah, wie eine Katze aus dem Wasser, in dem sie die Teller abwaschen getrunken hatte, wünschte ich mir ich hätte es lieber gelassen. Aber so wird mein Immunsystem wenigstens gut auf Indien vorbereitet.

Später sind wir noch ein wenig in der Stadt herumgelaufen. Diesmal war es vollkommen anders. Die Leute haben uns in Ruhe gelassen, anders als wenn wir mit den Motorrädern unterwegs gewesen wären. In normalen Klamotten ist das gar kein Problem, sie schauen zwar und haben hin und wieder mal eine Frage.

Am nächsten Tag gab es dann ein wenig Stress. Denn auf dem Weg von Lahore nach Islamabad hatten uns mehrmals irgendwelche Autofahrer bedrängt, indem sie extrem nah aufgefahren sind und dann ein Hupkonzert veranstalteten. Und ich rede hier von vielleicht 10 cm Abstand bei 100 km/h. Einer von ihnen hat es wirklich übertrieben. Zuerst hatte er mich bedrängt, dann auch noch Lisa. Zusätzlich lies er sich immer wieder zurück fallen, um uns aufs Neue zu bedrängen. Dann rastete Lisa aus und bedrängte ihn. War wirklich ne gefährliche Situation, da der Autofahrer auch nicht klein bei geben wollte. Das Ganze brachte dann Simon zum Ausrasten und er stoppte schließlich mit dem Motorrad das Auto. Dieses hatte ihn dabei mehrmals berührt. Zum Glück hat er Aluboxen am Heck, so dass das Auto nicht gleich das Hinterrad erwischte. Ich wollte dem Typen eigentlich gleich eins drauf geben da er uns absichtlich fast ins Grab gebracht hätte, aber ich wollte nicht gleich völlig überreagieren. Deshalb hab ich ihn erst mal bisschen herumgeschubst. Simon hingegen warf ihn gleich gegen das Auto und hinderte ihn daran die Polizei zu rufen. Nach kurzer Zeit haben sich ne Menge Menschen eingemischt die uns alle beruhigen wollten. Somit ist er noch recht glimpflich davongekommen. In Deutschland hätte ich ihn angezeigt, aber ich denke hier interessiert das gar keinen. Alex hingegen kam mit der Situation gar nicht zurecht und versuchte die Situation durch das übliche Fragenbeantwortungsprozedere zu entschärfen. Lieber lässt er sich über den Haufen fahren als mal jemanden zusammenzustauchen. In seinen Augen haben wir uns alle falsch verhalten. Aber ich bleibe dabei, dass wir viel zu sanft mit diesem Autofahrer umgegangen sind. Aber genug davon.

Angekommen in Islamabad haben wir uns auf dem Campingplatz nahe dem Zentrum der Stadt einquartiert. Dieser ist Speziell für Touristen, da keine Einheimischen hier schlafen dürfen. Ich denke aber auch nicht, dass das einer möchte. Es gibt keinen Strom, kein warmes Wasser und die Toiletten wurden schon seit Monaten nicht mehr gereinigt. Aber die Preise von umgerechnet 40 Cent sind schon nicht schlecht. Zu unserem Erstaunen waren um die 15 Leute auf dem Zeltplatz, welche aber nicht wirklich nach Touristen ausschauten. Die waren nicht freiwillig hier. Denn es sind Armee-Soldaten, die zum Schutz der Ausländer 24 Stunden am Tag auf diese aufpassen. Seit einem Monat war nur ein einziger Tourist auf dem Zeltplatz. Nun hatten sie wenigstens 4 weitere. Früh morgens ergibt das schon ein sehr eigenartiges Bild wenn man aus dem kalten Zelt kriecht und das erste was man sieht ist das:

Aber man gewöhnt sich daran. Nach einem Tag ist man mit den Soldaten auf einer ganz freundschaftlichen Ebene. Wenn sie nur nicht immer versuchen würden, einen zum Islam zu bekehren.

Früh morgens ging es dann zur indischen Botschaft. Zuerst mussten wir dazu in den Sektor in dem sich die Botschaft befand. Dieser ist aber mehrfach durch Straßenkontrollen abgesichert. Zudem kann man ihn mit dem eigenen Fahrzeug nicht befahren. Deswegen muss man zu einem Shuttleservice. Ich dachte, dass man von hier aus dann nur noch zu den Botschaftsgebäuden fahren würde, aber weit gefehlt. Man kommt in eine abgegrenzte Stadt innerhalb der Stadt. Alles was hier herein und herauskommt unterliegt strengsten Kontrollen, und es dauert eine ganze Weile, bis man das ganze Straßenleben passiert hat und endlich in das Gebiet der Botschaften gelangt. Hier gibt es wiederum vielleicht fünf verschiedene Straßenkontrollen, bis man endlich mal zu einer Botschaft gelangt. Diese wiederum sehen aus wie Hochsicherheitsgefängnisse. Es war mir noch nicht einmal erlaubt eine Packung Kaugummis mit in das Botschaftsgebäude zu nehmen. Ich war nur froh, dass sie mich nicht hundertprozentig untersuchen wollten J

Wir haben dann herausgefunden, dass wir uns diesen ganzen Blödsinn hätten ersparen können, da die Formulare am Eingang des Shuttleservice erhältlich waren und auch nur dort zu bekommen sind. Dann brauchten wir diese noch in maschinengedruckter Form. Das bedeutet hier nicht Drucker, sondern Schreibmaschine. Getippt von neun armen Kerlen die den ganzen Tag nichts anderes machen. Irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, seitdem ich Deutschland verlassen habe, hat das digitale Zeitalter aufgehört zu existieren. Vielleicht ist das Ganze aber auch eher so eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Jedenfalls hatten wir dann alles nach 3-mal hin- und herrennen erledigt.

Leider ist jedoch die indische Botschaft vom 25. bis 28. Dezember zu, was die Bearbeitungsdauer unserer Visa voraussichtlich bis zum 31. Dezember hinauszögert. Also bedeutet das wohl, nicht nur Weihnachten in Islamabad, sondern auch noch Silvester. Ich hatte eigentlich vor, das neue Jahr in einem nicht wirklich nüchternen Zustand willkommen zu heißen. Aber das wird in Islamabad recht schwierig sein.

Nach dem Visalauf hatten wir uns noch auf die Suche nach einem netten Hotel begeben, um die Weihnachtstage nicht auf dem Zeltplatz verbringen zu müssen. Jedenfalls haben wir nach einer sehr kalten Nacht unsere Sachen zusammengepackt und wollten eigentlich gehen, als sich auf einmal eine Menge Vögel versammelten. Also haben wir uns als Heinz Sielmann versucht und ein paar Tieraufnahmen gemacht.

Auf einmal verschwanden alle Vögel um uns herum von einer Sekunde zur anderen. Aber ein Blick nach oben brachte Aufschluss. Denn über uns kamen aus dem nichts etwa 50 große Falken welche die anderen Vögel attackierten.

Es gesellten sich auch noch ein paar Eichhörnchen dazu welche sich doch recht stark für die Brotkrümel interessierten, die wir auf den Boden geworfen hatten, um Vögel anzulocken.

Wir lernten einen etwas verrückten Schweizer kennen, der schon seit drei Jahren in der Welt herum reist. Seine Geschichte ist schon ein wenig speziell, da er mit seiner Frau per Anhalter nach Indien gereist ist, um sich dort dann Esel zu kaufen und zu versuchen, damit nach China zu kommen. Das klappte aber nicht. Deswegen sind sie mit den Eseln für ein paar Monate nach Pakistan gereist. Schlussendlich haben sie diese nun verkauft. Er hat sich nun einen VW Käfer gekauft und richtet diesen nun schon seit sechs Wochen für die Rückreise in die Schweiz her.

Er hat auch einen Hund dabei, den er schon seit Russland bei sich hat.

Dann sind wir im Hotel eingezogen. Das Gute ist, dass die Motorräder im Restaurant stehen, das derzeit renoviert wird. So kann ich einen kleinen Service wie Ventile einstellen und Putzen machen, was mich sonst auch 2 Tage gekostet hatte.

Weihnachten wollten wir dann in einer etwas heimeligeren Atmosphäre verbringen. Daher sind wir in ein 5 Sterne Hotel gegangen. Der eigentliche Grund war, dass wir wussten, dass man dort an Alkohol heran kommt. So kam es, dass wir den Weihnachtsabend bei einem Gin Tonic und einer runde Pool Billard zu Hip Hop Musik haben ausklingen lassen. Nicht sehr festlich, aber dennoch ganz nett.

Am ersten Tag im Hotel sind wir auch zum Aussichtspunkt der Stadt in den Bergen gefahren, um mal wieder ohne das ganze Gepäck mit den Motorrädern ein wenig Spaß zu haben. Das hatten wir auch, denn zum einen waren schöne Kurven mit rutschigem Asphalt vorhanden die mal wieder zum Driften einluden und zum anderen waren auf einmal Affen neben der Fahrbahn. Ich wollte meinen Augen kaum trauen, aber da saßen wirklich große Affen am Straßenrand. Dennoch sind wir erst mal zum Gipfel gefahren, da wir uns diese später beim Herunterfahren anschauen wollten. Simon hatte mal Lust auf ein wenig Offroad und so sind wir ein wenig einem Wanderweg gefolgt der mit den schweren Maschinen doch gar nicht mal so einfach zu befahren war. Wir drehten aber bald wieder um, da wir nicht wussten, wo uns der Weg hinführen würde. Glücklicherweise taten wir das, denn ich hatte am Anfang des Weges meine Kamera verloren, welche wir nun überhaupt erst bemerkten. Leider ist das Umhängeband gerissen. Also noch mal Glück gehabt.

Am Gipfel angekommen, haben wir ein bisschen was gegessen und uns mit verschiedenen Leuten unterhalten. In Deutschland würde ich denken, dass ein Wildfremder, der sich zu dir an den Tisch setzt während du etwas isst, um sich mit dir zu unterhalten, schon ein kleiner Psycho sein muss. Hier ist das jedoch völlig normal. Irgendwann werde ich das auch mal bei ein paar Leuten hier machen und mal schauen wie diese dann reagieren. Aber das Ganze war nicht ganz unnütz, denn wir wurden von einem netten Kerl am nächsten Abend zum Essen eingeladen.

Also nichts wie hin und mal schauen, wie sich das Familienleben in Pakistan so abspielt. Jedoch war dies für mich recht langweilig, da der soziale Status in dieser Familie einen hohen Stellenwert hatte. Wenn man mich fragte, was mein derzeitiger Beruf wäre, konnte ich ja nur ehrlich antworten, dass ich keinen habe. Somit war ich wohl aus dem Spiel. Es wurde immer versucht, ein Gespräch mit Simon zu führen und nicht mit mir. Auch die anderen jungen Leute der Familie, welche derzeit studierten, hatten nichts zu melden. Somit war das ganze recht seriös. Jedes Mal wenn Simon und ich versuchten, die Sache ein wenig aufzulockern, indem wir ein paar andere Themen versuchten aufzugreifen, wurde das gleich wieder mit einer neuen langweiligen Frage im Keim erstickt. Zudem war es für mich recht langweilig da sich nur Männer im Raum befanden, denn Männer und Frauen essen bei Familienzusammenkünften getrennt. Seit Tagen sehe ich eigentlich nur noch Männer. Irgendwann ist mal gut.

Und in den letzten Tagen ist es hier auch recht langweilig da sich so langsam ein gewisser Alltag einschleicht. Alles was man versucht am Tage zu erledigen wird von den ansässigen Geschäftsleuten vereitelt, da man hier keine vernünftigen Aussagen bekommt. Alles was die sagen ist immer nur: „Yes, Yes“. Auch wenn sie keine Ahnung haben was du von ihnen willst sagen sie das. Selbst wenn du sie 3-mal fragst ob sie das verstanden haben kommt keine andere Antwort. Ich kann dann immer nicht anders und muss erzieherisch tätig werden indem ich sie in die Falle tappen lasse, bis ich ein „No“ aus ihnen herausbekomme. Um eine aussagefähige Antwort zu bekommen, muss man schon ein wenig Ausdauer mitbringen. So kam es dann auch, dass ich stunden mit der vergeblichen Suche nach Motorradteilen verbracht habe. Hoffentlich lässt sich in Indien etwas besorgen. Und ich will endlich mal wieder weiter, da es hier wirklich nicht viel zu sehn gibt.

Heute gab es einen kleinen Schreck da Simon einen epileptischen Anfall bekam. Er hatte dies wohl ab und zu schon als Kind. So langsam wird er im Laufe des Tages wieder der alte, so dass wir hoffentlich am 31. entweder nach Lahore fahren können oder hier irgendwo in Islamabad eine Party finden, auf die wir gehen können. Beispielsweise soll es einen Club neben der amerikanischen Botschaft geben. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Aber wir werden sehen.

Wünsche euch allen bis dahin nachträglich frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ich schätze mal, dass ich spätestens am zweiten Januar endlich in Indien sein werde. Ich schätze mal, dass die erste Nacht sicherlich recht feucht fröhlich ausfallen wird. Aber feiert alle schön und stoßt mal auf mich an.

Verfasst von: Nico Ackermann | 19. Dezember 2009

Raus aus dem Iran und auf nach Pakistan

Das Ende des Aufenthaltes im Iran war leider nicht ganz so erfreulich. Vom Silk Road Hotel sind wir weiter nach Bam gefahren. Bis dahin war es ganz OK. Ich habe dabei mal wieder eine Menge Kilometer an einem Tag hinter mich gebracht. Die beiden Langzeitreisenden bringen es an einem Tag so auf 500 bis 600 Kilometer. Wenn man gemeinsam fährt, ist das nicht so ermüdend.

Angekommen in Bam, wurde man erst mal mit einer Kalaschnikow begrüßt. Ist nicht gerade die beste Art zu jemandem Hallo zu sagen. Aber Simon weiß mit solchen Situationen umzugehen. Er sagte dem Polizisten, dass er in England auch denselben Job hätte, was natürlich nicht wahr ist, aber so bildet man schnell ein Vertrauensverhältnis. So konnten wir uns das ganze Ausweisprozedere ersparen und wurden zu einem Hotel geleitet. Dort lernten wir Alex kennen, der auch mit einem Motorrad unterwegs ist und sich in den folgenden Tagen unserem Team angeschlossen hat.

Am nächsten Morgen fingen aber die ganzen Schwierigkeiten an. Es war uns nicht mehr erlaubt, ohne Polizeieskorte zu fahren. Manchmal mussten wir 2 Stunden auf die Anschlusseskorte warten. Zudem sind sie manchmal wie die Bekloppten gefahren und haben immer unsere Ausweise einbehalten, so dass wir nicht unsere eigenen Wege gehen konnten. Manchmal hat einen das schon zur Weißglut getrieben. Zudem war es auch unnötig. Die Krönung war, als wir fünf Kilometer vor der pakistanischen Grenze zurück beordert wurden, da die Polizei der Meinung war, dass die Grenze schon geschlossen sei. Das Einzige, wohin die Strasse führte, war aber die Grenze. Eine Menge Fahrzeuge fuhren zur Grenze und kamen von dort. Alle Versuche, unsere Ausweise zurück zu bekommen und es auf eigene Faust zu versuchen, blieben erfolglos.

Wir wurden also zu einem Hotel eskortiert. Uns war klar, dass die Polizisten ein wenig Geld damit verdienen, die Touristen zum Hotel zu bringen, da es völlig unnötig war. Dieser sinnlose Spaß hat uns also einen Tag gekostet. Eigentlich wollte jeder von uns den Polizisten einen gewaltigen Arschtritt geben. Als wir das Hotel in der Nacht kurz verlassen hatten, wollte man uns gleich zurück beordern, da wir ohne Eskorte nirgendwo hin durften, aber das war uns mal herzlich egal.

Die Nacht zuvor hatte mich ein vielleicht 16 jähriger Junge eskortiert, wobei ich eher das Gefühl hatte, ihn beschützen zu müssen. Also alles großer Blödsinn. Außerdem ging es einem ganz gewaltig auf die Nerven, dass wir öfters eine halbe Stunde warten mussten, obwohl die Eskorte schon da war. Plötzlich, ohne Vorwarnung sprangen die Polizisten auf und versuchten uns anzutreiben. Ist ja wohl klar, dass es nicht ganz so schnell geht, auf die Motorräder zu kommen, da man ja keine halbe Stunde mit voller Montur herumsteht. Teilweise sind sie einfach mit unseren Ausweisen losgefahren.

Simon und Lisa sind in solchen Situationen gute Schauspieler und versuchen alles mit Charme zu lösen, obwohl sie eine Mordswut im Bauch haben. Für mich als üblicherweise Alleinreisender ist das allerdings nicht so einfach, da ich mich nicht ständig verkaufen kann, indem ich jedem nur ins Gesicht lächele. Ich ärgere mich dann den ganzen Tag darüber, demjenigen nicht die Meinung gesagt zu haben. So kam es dann leider auch, dass ich einen Geldwechsler auf der pakistanischen Seite ziemlich blöd angemacht habe. Mich hatten ja Leute seines Schlags auf der türkischen Seite fast eine Stunde und viel Nerven gekostet. Ich wollte mir dieses Prozedere gerne ein weiteres Mal ersparen. Im Nachhinein tut mir das schon leid, denn er hatte es wirklich nicht verdient. Ich musste mich aber mal an irgendeinem abreagieren, der keine Uniform trug.

Angekommen in Pakistan änderte sich alles sehr schnell. Polizei und die Armee sind sehr freundlich und versuchen einem den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Wir berieten uns zum Beispiel in einem Büro an der pakistanischen Grenze, wo wir als nächstes etwas Essen könnten. Prompt lud uns ein Grenzpolizist ein. Zu unserer aller Überraschung hat das endlich mal wieder geschmeckt. Im Iran bekommt man eigentlich nur Hühnchen und Kebap mit trockenem Reis.

Danach ging es ins Land hinein. Wir waren alle sprachlos, da wir uns Pakistan so nicht vorgestellt hatten. Im Iran ist landschaftlich alles recht eintönig, aber hier in Pakistan ist es einfach nur wunderschön. Nicht selten hatten wir alle das Gefühl, gerade in Afrika zu sein. Simon und Lisa haben dort nahezu ein Jahr verbracht, also wissen sie wovon sie reden.

Leider schafften wir unser Tagesziel nicht ganz, weswegen wir in einem kleinen Dorf zum Übernachten anhielten. Man wollte uns zwar in einer Polizeistation übernachten lassen, aber diese Orte wollen wir alle meiden, da dies die Hauptziele der Talibanangriffe sind. Also haben wir in einem Motel Halt gemacht, welches uns die Polizei zugewiesen hat. Ich möchte mal vorsichtig sagen, dass dies wohl das zauberhafteste Motel gewesen ist, was ich je gesehen habe. Schnell haben wir uns alle entschieden, draußen auf dem Hof zu zelten, denn drinnen gab es eigentlich nur Staub und Rattenkot. Da hatte mit Sicherheit die letzten 2 Jahre Keiner mehr übernachtet.

Zuerst mal wollten wir etwas essen. Also ab ins mehr als spärlich ausgestattete Restaurant gegenüber. Während des Essens gesellten sich noch zwei weitere Personen auf unseren Teppich und aßen mit und gemeinsam. Wie sich dann später herausstellte, mussten wir für diese Beiden mit bezahlen obwohl wir sie gar nicht kannten. Und der Clou war, dass die 30 Euro für das Essen wollten. Nur für ein bisschen Reis, etwas Brot, 3 Kartoffeln und etwas knöcheriges Hühnchen. Also diskutierten wir fast eine Stunde über den Preis. Am Ende haben wir das Ganze für die Hälfte inklusive der Campinggebühren bekommen. Also in Zukunft immer vorher nach dem Preis fragen.

In der Nacht hatten wir einen Soldaten als Leibwache, der zu Anfang doch einen recht gebrechlichen Eindruck machte. Am nächsten Tag zeigte er uns all seine Schusswunden und Verletzungen aus Kämpfen mit der Taliban. Und das waren nicht wenige. Beispielsweise war sein Kieferknochen in zwei Teile geschossen worden und  ist nie wieder richtig zusammengewachsen. Auch der Respekt der ihm von den Anwohnern gegenüber gebracht wurde, zeigte uns doch, dass er wohl der richtige für diesen Job gewesen sein musste.

Abends kam dann noch ein Jeep mit einem gewaltigen Maschinengewehr vorbei um nach dem Rechten zu sehen. Aber irgendwie macht mich das nie so richtig froh, wenn so viele Waffen um einen herum sind, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Quetta. Die Landschaft wurde einfach nur noch besser.

Zwischendurch haben wir in einem kleinen Ort Halt gemacht und etwas gegessen.Dabei haben wir einen Typen kennen gelernt, der für die UNESCO arbeitet. Er konnte uns etwas über die Gefahren der Gegend erzählen. Er meinte, die Strasse, die wir von der Armee vorgegeben bekommen haben, sollten wir wirklich einhalten. Drum herum kann es schnell gefährlich werden. Aber ehrlich gesagt, habe ich bisher noch nie das Gefühl gehabt, mich in Gefahr zu befinden. Eigentlich ist das Land wunderschön und die Menschen sind unheimlich freundlich. Das ist diesmal nicht diese aufgesetzte Höflichkeit, wie sie hauptsächlich im Iran vorgekommen ist, sondern man meint es ehrlich. Nach dem Essen haben wir uns noch einen Einblick in die Küche verschafft. Wir haben wirklich sehr schöne Bilder davon geschossen, die ich Euch bei Gelegenheit mal noch hochladen.

Auf dem Platz stoppte später ein Bus. Hinter seiner Windschutzscheibe sah man zwei Lämmer, die stark mit der Hitze der Sonne zu kämpfen hatten. War wirklich kein schöner Anblick. Der UNESCO-Typ meinte aber, ich solle mal einen Blick ins Innere werfen. Der gesamte Bus war voll mit Ziegen und Schafen. Dieses Foto müsst Ihr gesehen haben.

Weiter ging es dann nach Quetta. Leider erreichten wir die Stadt nicht bei Tageslicht. Also weiter in der Nacht.

Für Lisa stellt dies ein gewaltiges Problem dar, da sie nachts keine Entfernungen abschätzen kann. Die berühmte Nachtblindheit. Angekommen in der Stadt, traut man seinen Augen nicht, da alles einfach nur verrückt erscheint. Wagen, die von Eseln gezogen werden, Kamele auf Pickups, überall Menschen, tausende Gerüche, Staub wohin man sieht (wenn man noch etwas sieht), Geschrei, Armee und Polizei überall. Simon und Lisa meinten, dass sie derzeit nicht genau sagen könnten, auf welchem Kontinent sie sich gerade befinden. Aber erst mal völlig geschafft ab ins Hotel und eine Mütze schlaf genießen.

Am nächsten Morgen sahen wir eine Menge Kampfjets über der Stadt kreisen. Das vermittelt einem nicht gerade ein Gefühl von Wohlbehagen. Wir blieben den Tag über in der Stadt, um mal wieder ins Internet zu gehen und ein paar Dinge zu erledigen. Dazu mussten wir aber in ein anderes 5-Sterne Hotel. Dorthin ging es dann mit einer Art Tuk-Tuk, das eigentlich nur für 2 Personen geeignet ist, aber zu Viert geht es zur Not auch. Sah sicherlich bisschen schwul aus, wie ich auf dem Schoss von Alex saß, aber was soll’s.

Im Hotel angekommen, konnte man sich mal wieder ein Bild davon machen, dass es hier doch nicht ganz ungefährlich ist. Wir mussten drei Sicherheitsstationen passieren, die denen einer Flughafenkontrolle gleichen, bevor wir in der Lobby ankamen. Wir wollten dann in die Stadt, um ein wenig Geld zu besorgen und eine Sim-Karte für das Handy zu organisieren. Das ging mal wieder nicht ohne Polizeieskorte. Das war diesmal doch recht eindrucksvoll. Im Iran hatten die Polizisten zwar immer ihr Gewehr dabei, aber nie in einer schussbereiten Position, sondern eher locker um die Schulter gehängt oder auf dem Schoß liegend. Bei dieser Polizeieskorte war das zu Anfang recht ähnlich und man konnte sich locker unterhalten. Als wir aber das Tor des Hotels passierten, entsicherten sie ihre Waffen und waren zu keiner weiteren Konversation fähig, da sie sehr aufmerksam das Straßenleben beobachteten. Im Handyshop durften wir nicht an der Tür stehen bleiben, sondern mussten in eine Ecke gehen, von der man uns von außen nicht sehen konnte. Die Polizisten sicherten das Gebäude von außen. Musstet Ihr schon mal durch einen Metalldetektor wenn ihr einen Handyladen betreten hattet? Die Leute die sich bereits drin befanden, waren nicht so glücklich darüber, dass wir hereingekommen sind.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Sukkur.

Leider war ein Engländer, der einen Bus mit Speiseöl-Antrieb fährt, gerade auch auf unserer Strecke. Also wollte die Polizei uns gemeinsam eskortieren. Das war aber keine gute Idee, denn er war einerseits viel langsamer als wir, andererseits zeigte er sich nicht besonders kooperativ. Er hielt immer mal wieder an, um etwas zu essen. Wir mussten an der nächsten Eskortenwechselstation auf ihn warten. Wir versuchten dann permanent, eine andere zusätzliche Eskorte zu organisieren, was aber nie klappte. Simon versuchte die ganze Zeit, es mit Charme zu lösen. Führte aber auch zu Nichts. Man sagte uns 30 Minuten lang, dass wir noch eine Minute warten sollen. Irgendwann reichte es mir und ich nahm das Zepter in die Hand. Ich weiß, dass das den Anderen nicht gefiel, da ich eine etwas rauere Art habe, mit den Leuten zu reden. Ich machte der Polizei klar, dass ich jetzt keine weitere Minute warte und losfahren werde. Sie könnten ja einen Polizisten hier lassen, der dann im Bus des Engländers Platz nehmen könnte. Das gefiel ihnen natürlich nicht, aber ich startete einfach meinen Motor und auf einmal konnten sie das ganz schnell klären und es passierte so, wie ich vorgeschlagen hatte.

Bei der nächsten Polizeieskorte sollten wir wieder auf den Bus warten. Man versuchte es wieder mit Charme, aber nach einer Minute reichte es mir wieder und ich zog mein Ding noch mal durch. Klappte noch mal. Das tat ich dann auch bei den nächsten beiden Stationen und wir konnten endlich etwas Strecke machen. Nur leider konnte ich dabei von den anderen Mitreisenden kein Lob ernten, denn Lisa mag es scheinbar gar nicht, wenn ein Anderer als Simon das Zepter in die Hand nimmt. Aber manchmal kommt man einfach mit tausendmal Bitte und Danke nicht weiter. Aber ich muss auch sagen, dass die Art, wie Simon und Lisa versuchen, die Dinge mit Charme zu lösen, sehr viele Türen und Tore öffnet. Nur eben nicht immer.

Skurril war auch die Situation, als Alex und Lisa an einem Checkpoint meinten, dass sie die nächsten Kilometer auf alle Fälle nicht ohne Polizeieskorte fahren wollten. Ich meinte nur, dass wir einfach losfahren sollten, um endlich voran zu kommen, da wir die Eskorte eh gleich wieder nach dem Checkpoint verlieren. Als diese eintraf, ist Alex vorausgefahren und alle folgten ihm. Die Eskorte war höchstens halb so schnell wie wir und wir verloren sie nach einem Kilometer.

Aber genug davon. Alles in allem war es eine wirklich schöne Fahrt, denn das Motorradfahren machte endlich mal wieder Spaß. Es gab mal wieder Kurven und die Landschaft war wirklich sagenhaft. Ich habe das erste Mal mein Motorrad umgeschmissen, denn ich wollte das Kabel vom Headset, das sich gelöste hatte, wieder zusammenstecken. Dabei bin ich mit dem Fuß im Dreck ausgerutscht und schon lag die Afri. Aber nichts passiert. Bin also jetzt auf dem Gebiet endlich entjungfert. Gar nicht leicht, sie wieder aufzurichten, da sie mit all den Taschen schon ein ganz ordentliches Gewicht von geschätzten 270 Kilo hat. Aber das erinnert einen daran, in Zukunft besser aufzupassen.

Endlich, nach zehn Stunden Fahrt in Sukkur angekommen, sind wir doch ganz schön geschafft. Wir haben ein nettes Hotel mit gutem Essen, so dass wir wieder bisschen Kraft tanken können.

Demnächst wieder mehr. Leider ist das Internet hier doch recht spärlich vertreten, daher kann es eine Weile dauern.

Verfasst von: Nico Ackermann | 17. Dezember 2009

Silk Road Hotel in Yazd

Ich blieb in den letzten Tagen in dem Hotel und hab mir somit eine kleine Auszeit gegönnt.

War auch mal schön, wieder etwas Privatsphäre zu haben. Das war mit das Beste was ich machen konnte, denn ich habe hier wirklich großartige Leute kennen gelernt.

Zum einen wären da ein englisches Pärchen die ihre Reise mit einem Wohnmobil begonnen haben und es wenigstens bis nach Olympos in der Türkei geschafft haben. Aufmerksame Leser werden sich erinnern, dass ich auch dort war. Aber nach ihnen. Als sie dort waren, stieg das Wasser des Flusses dramatisch an, so dass der ganze Ort überflutet wurde. Dabei wurde ihr Wohnwagen hinaus ins Meer geschwemmt. Und Alles, bis auf ihre Papiere und die Sachen, die sie am Leib trugen, wurde zerstört. Der Wagen wurde zwar später von der Küstenwacht geborgen, aber es war nichts mehr zu retten. Das hat sie aber nicht davon abgehalten, weiter zu reisen. Also haben sie sich neue Sachen gekauft und reisen weiter nach Indien mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Witzigerweise haben sie das komplette Auto so angemalt, dass es aussah wie eine Kuh, so dass ihnen in Indien jeder aus dem Weg geht, da Kühe dort ja als heilige Tiere gelten.

Dann waren da noch mehrere andere normale Reisende, die man so trifft. Jeder hat eine nette Geschichte zu erzählen. So kann man sich sehr leicht die Nächte zum Tag machen.

Gestern kam ein Pärchen zu Tür herein welche in sehr professionellen Motorradklamotten gekleidet waren. Die Frau  rannte erst mal ohne Umwege zur Toilette. Also hab ich erst mal raus geschaut, was sie denn für Motorräder fahren. Ich sah auf ihren Alukoffern die Aufschrift ihrer Internetseite www.2ridetheworld.com. Ich hielt es erst für einen Scherz, aber es ist tatsächlich das Pärchen, das den Weltrekord im Kilometerfressen auf dem Motorrad hält. Unglaubliche 372.000 km in 8 Jahren. Also erst mal über dies und das unterhalten und eine Menge Tipps bekommen, wie man manche Sachen mit dem Motorrad am besten anstellt. Sie haben wirklich eine faszinierende Persönlichkeit und ziehen die Menschen, wahrscheinlich ohne es zu wissen, in ihren Bann. Jeder will die Geschichten hören, die sie zu erzählen haben. Man möchte gar nicht, dass sie damit aufhören. Und sie sind der Sache immer noch nicht müde und sind auch noch an den Geschichten der anderen interessiert. Auch wenn sie solche schon tausende Male gehört haben.

Die Bilder, die sie einem zeigen können, sind echt beeindruckend, da sie wirklich von überall auf der Welt sind. Die meisten Leute finden die Bilder selbst am besten und sehr schön, aber ich möchte am liebsten gleich auch zu all diesen Plätzen fahren und es mit meinen eigenen Augen sehen. Witzigerweise haben sie dieselben Probleme und auch denselben Weg wie ich. Sie benötigen auch Reifen und das indische Visum. Daher werden wir wohl eine Weile zusammen fahren. Ich denke, ich kann dabei eine Menge in kürzester Zeit lernen. Für mich ist es jedenfalls eine riesige Ehre und ich fühle mich wie ein kleiner Junge (ich weiß, ich bin auch so klein) der zusammen mit seinen Superhelden durch die Welt zieht. Aber mal sehen wie lange sie es mit mir aushalten werden, oder ich mit ihnen. Auf jeden Fall fahre ich endlich mal gemeinsam mit anderen Motorradfahrern.

Ich muss morgen leider auch zeitig raus und deswegen erst mal Schluss machen. Ausführlichere Berichte werden die Tage folgen. Erst mal sehen wo ich die Feiertage verbringen muss. Leider haben die Islamisten eine besondere Zeit, wo gar keine Feiern erlaubt sind. Dieses Jahr fällt das auf die Weihnachtszeit. Deswegen wird es wohl auch keine kleineren Festlichkeiten geben.

Auf vielfachen Wunsch hier endlich ein Bild von Wacki.

Wacki

Zuvor war mir das leider nicht möglich, da er in Rumänien seinen Kopf verloren hatte. Aber in einer mehrstündigen komplizierten Operation ist es mir gelungen, ihn wieder zum Leben zu erwecken. Jetzt hat er zwar ein paar Narben, aber so passen wir auch viel besser zusammen. Man sagt ja immer, dass das  Herrchen seinem  Hund ähnelt. Hoffen wir, das sich Wacki nicht noch weiter verändert 🙂

Verfasst von: Nico Ackermann | 8. Dezember 2009

neue Eindrücke über den Iran

Für alle Leute, die regelmäßig meinen Blog verfolgen, tut es mir leid, dass Ihr so lange nichts mehr von mir gehört habt.

Die Iranische Regierung blockt wohl alle möglichen Internetseiten, vermutlich fällt darunter auch dieser Blog. Daher ist es recht schwer, etwas Neues zu veröffentlichen. Zudem ist die Internetverbindung unglaublich langsam und bricht auch ständig zusammen. Daher ist es mir auch kaum möglich, mit ein paar Freunden und der Familie über Skype zu quatschen. Das klappt übrigens auch nicht wirklich über das Telefon, da auch diese Verbindung ständig zusammenbricht. Über die Weihnachtszeit ist das schon bisschen blöd, wenn man keinen Kontakt halten kann. Aber genug der Gefühlsduselei. Ihr wollt ja schließlich wissen, was so Alles passiert ist.

Zuerst einmal, ich bin doch mit dem Motorrad nach Teheran gefahren. Eigentlich wollte ich die Afri beim Cargo Service abgeben. Dabei half mir der Kerl vom Vortag, da ich sonst gewaltige Sprachbarrieren gehabt hätte. Dort angekommen wollte ich mich erst mal informieren und mir auch ein Bild von der ganzen Geschichte machen. Er sprach dann mit den Leuten und fragte, wann ich denn das Motorrad abzugeben hätte und so weiter. Während er das tat, machte ich mir ein Bild von der Arbeitsweise. Und als ich dann sah, wie sie versuchten, einen Karton im Kofferraum eines Autos unterzubringen, bekam ich es mit der Angst zu tun. Denn dieser passte definitiv nicht da rein. Also wurde mit der Kofferraumklappe so lange drauf eingeschlagen bis es passte. Nur leider war der Karton sehr stabil und somit war es die Kofferraumklappe, die nachgegeben hatte. Als sie fertig waren, konnte man anhand der Form der Kofferraumklappe erkennen, was sich darin befand. Daraufhin hab ich zu den Leuten gesagt, dass ich unbedingt dabei sein will, wenn die Afri verladen wird und dass ich auch bestimmen möchte. wie dies geschieht. Aber sie meinten nur. dass sie schon tausende Motorräder verladen hätten und ich mir keine Sorgen machen soll. Aber da haben meine Alarmglocken geschlagen und ich entschied mich. die Strecke selber zu bewältigen. Ansonsten hätte ich in Teheran womöglich nur noch eine halbe Afri gehabt.

Weiter ging es dann nach Teheran. Dort wurde ich über Couchsurfing von einer Familie eingeladen, die eigentlich nahezu nur aus Frauen bestand. Die Mutter lebte zusammen mit ihren beiden Töchtern, da der Vater der Familie vor einigen Jahren verstorben war. Sie waren auch recht wohlhabend, wie man an der Wohnung erkennen konnte. Wir haben erst mal stundenlang gequatscht und uns ein wenig kennen gelernt. Das war wirklich interessant. Die Mutter hatte vor 30 Jahren drei Jahre in Indien studiert und konnte mir daher ein wenig davon berichten.

Abends ging es dann erst einmal zu ein paar Freunden der Tochter. Da fing es an, richtig lustig zu werden.  Es dauerte  nicht lange und die Stimmung wurde recht locker. Also versuchten die Mädels, mir den persischen Tanz beizubringen. Dabei hab ich mich laut der Meinung aller Beteiligten gar nicht mal so blöd angestellt. Vielleicht wollten sie aber auch nur nett sein. Dann holten sie die Gitarre raus und fangen an zu singen und wurden auch recht emotional. Dabei fiel mir auf, dass die jungen Menschen im Iran zwei verschiedene Persönlichkeiten haben. Sobald sich hinter einem die Türe schließt und man sich nicht mehr in der Öffentlichkeit befindet, werden die Leute sehr viel lockerer. Als erstes wird erst mal das Kopftuch abgelegt oder fast schon heruntergerissen, und die Frauen bekommen viel mehr Persönlichkeit und Charakter, da sie in der Öffentlichkeit nur eine untergeordnete Rolle spielen, und auf mich fast schon hilflos wirken. Noch dramatischer ist der Sinneswandel, wenn keine Eltern anwesend sind. Da es bei dieser Familie recht gemütlich und durch die stundenlangen Gespräche über alles auch sehr interessant war, blieb ich dort gleich mal drei Tage.

Die nächsten Tage habe ich dann mit vielen Freunden der Tochter gesprochen und konnte mir auch ein Bild der Stadt machen. Teheran unterscheidet sich doch sehr vom Rest des Irans. Es wirkt vom Denken der Menschen her doch sehr viel moderner als beispielsweise Urmia. Hier ist es nicht das große Problem, dass Mann und Frau zusammen auf der Strasse laufen und sich unterhalten. Das Kopftuch wird auch eher sehr locker getragen. Man sieht somit viel Haar. Da es hier auch ein Fitnessstudio gab, habe ich das natürlich erst mal genutzt. Das hat mich schon ein wenig erschrocken. Denn jeder Zweite in diesem Studio ist sicherlich gedopt. Das sind schon halbe Gorillas. Aber das scheint hier nicht das große Problem zu sein, da es ja jeder macht und es daher wohl in Ordnung ist. Aber dennoch sehr nette Leute. Mir wurde dann auch noch ein Eiweißdrink spendiert. Da es hier verboten ist, so etwas in Fitnessstudios zu verkaufen, hat mir Einer etwas von seinem privaten Vorrat abgegeben.
Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Esfahan. Da der Weg zu weit ist, habe ich eine Nacht Zwischenstopp in Kaschan gemacht. Ich wollte eigentlich nur ins Hotel und dort ein wenig entspannen und zeitig Schlafen gehen. Aber daraus wurde wie immer mal nichts. Ich traf dort einen Belgier, der hier im Iran die Maschinen zur Teppichherstellung wartet. Nach ein wenig Smalltalk nahm er mich dann mit zu seinem Iranischen Kollege, den er über die Wochen kennen gelernt hatte. Dieser wollte mir unbedingt die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen. Also hab ich das Angebot erst mal angenommen. Somit sind wir zu Dritt durch die Stadt gefahren und haben uns erst mal eine Moschee angeschaut. So habe ich erst mal was über deren Bauweise und Bedeutung erfahren.

Später unterhielten wir uns dann, wie so oft im Iran, über die Probleme des Landes. Es war schade zu sehen, dass ein scheinbar doch recht intelligenter Mensch tatsächlich den offiziellen Darstellungen glaubt. Ist bis jetzt aber der Erste, den ich getroffen habe. Eigentlich lebt das ganze Land in einer Lüge, und das erinnert mich doch recht stark an die ehemalige DDR. Aber später Mal mehr dazu aus besagten Gründen im vorherigen Artikel.

Am späten Abend habe ich mich dann noch eine Stunde mit dem Belgier unterhalten und wollte wissen, was er denn so von der ganzen Sache hält und welche Meinung er zu den Iranern und speziell zu deren Arbeitsweise hat. War aber ein wirklich Lustiges und tiefgründiges Gespräch und man bekommt einen besseren Einblick in die Kultur des Irans.

Am nächsten Tag ging es dann nach Esfahan zu den nächsten Cochsurfern. Wir vereinbarten einen Treffpunkt an einer Tankstelle. Dort wartete ich 15 Minuten. Das bedeutete wie immer, dass sich langsam immer mehr Menschen um mich versammeln. Jeder stellt immer dieselben Fragen. Wie heißt du, wie alt, woher, wie heißt das Motorrad, wie groß ist der Motor, wie schnell ist es, wie lange hast du gebraucht um hier her zu kommen, was ist die nächste Stadt, welche Länder willst du noch bereisen. Ist ja alles ganz nett, aber wenn du das immer wieder in wenigen Minuten gefragt wirst, wird es schon recht belastend. Und Keiner geht weiter, nachdem er die Fragen gestellt hat, sondern stellt sich zu den Anderen, die dich schon umringen. Also haben sich nach einer Weile so um die 25 Leute versammelt, die dich alle anstarren. Wie soll das nur in Indien werden? Ich gewöhne mich ja so langsam daran, aber es ist dennoch recht unangenehm. Hätte mich der Couchsurfer nicht abgeholt, würde jetzt wohl die halbe Stadt um mich herum versammelt sein.

Bei ihm angekommen, lernte ich die Eltern und seine Schwester kennen. Es wurde erst mal gegessen und gequatscht. Am nächsten Tag bin ich dann mit der Schwester in der Stadt unterwegs gewesen und konnte mich ausgiebig mit ihr unterhalten und ihre Meinung zu der ganzen Situation im Iran und der Rolle der Frau erfahren. Und es tut mir schon ein wenig Leid, dass ich mit ihr darüber gesprochen habe, denn zu Anfang meinte sie, dass sie ihr Leben hier mag und kein so großes Problem darin sieht. Zum Ende hingegen hatte Sie doch eine deutlich negativere Meinung. Und das ist auch mein Problem bei meiner Reise durch den Iran. Denn ich kann meine deutsche Mentalität nicht abschalten und muss mich natürlich über alles was mir nicht passt aufregen und kann einfach nicht meine Klappe halten.

Leider konnten wir nicht länger reden, da ihr Vater sich dann doch wunderte dass wir zehn Uhr Abends noch nicht zurück sind. Am nächsten Tag nahm mich ihr Bruder zu seinen Kollegen zur Motorrad Crosstrecke mit. Leider waren die Cross-Läufe schon vorbei, aber dafür durften die Leute mit den Rennmaschinen zeigen was sie können. Und das war einerseits sehr lustig und andererseits doch auch traurig. Die Leute wissen einfach nicht, was sie tun. Auf einer Strecke die einem Quadrat gleicht und 3 Meter breit ist, haben sie ein Rennen gefahren. Diese Strasse war sehr dreckig, was sie aber nicht daran gehindert hat, Alles zu geben. So hat es fast dreimal geklappt, dass Einer seine Karre weggeschmissen hätte.

Wie kann man mit Rennmaschinen auf so einer Strecke fahren. Die Zuschauer stehen direkt an der Strecke, so dass es sie voll erwischt hätte, wenn es Einen niederstreckt. Sie tragen auch noch normale Kleidung oder völligen Blödsinn, der nicht auf eine Rennmaschine gehört. Eigentlich haben sie diese Maschinen nur, um damit anzugeben. Denn man kann sie auf diesen Strassen einfach nicht benutzen. Und sie lassen auch die Plastikfolie auf den Sitzbänken, damit das Motorrad neu aussieht. Und das ist wirklich kein Scherz. Wie kann man zum Beispiel auf einer Crossmaschine mit einer Plastiksitzbank fahren. Das ist doch schon Selbstbehinderung. Das machen die übrigens auch in Autos. Aufkleber die bei der Auslieferung auf dem Auto sind, wie beispielsweise die Aufkleber der Spedition, werden am Auto belassen und gehütet, da es somit neuer aussieht. Wenn man in ein Büro geht, sind die Sitzbezüge der Polster mit halb zerrissenen Plastikfolien überzogen. Sieht neuer aus. Wie dämlich ist das denn nur. Als ich die Folie der einen Crossmaschine abziehen wollte, da ich dachte, dass man das einfach vergessen hätte, wollten mich fünf Leute gleichzeitig davon abbringen. Es scheint fast so, dass Männer, die keinen natürlichen Kontakt zu Frauen pflegen dürfen eine Liebe zur Plastikfolie entwickeln. In meinen Augen eine erschreckende Entwicklung.

Da ich schon mal mit so vielen Motorradfahrern zusammen war, könnten die mir vielleicht bei der Beschaffung von passenden Reifen für meine Maschine behilflich sein. Aber das war keine gute Idee. Dies wurde zum ständigen Problem der nächsten Tage. Hier läuft es nicht so, dass man einfach einen Motorradhändler anruft, sondern man braucht einen Freund, der einen Freund kennt, dessen Vater einen Kollegen hat, der mal von einem gehört hatte, dass ein naher Verwandter eines Freundes mal auf die sinnlose Idee kam, sich solche Reifen zu besorgen. Jedenfalls sind wir nach endlosen Telefonaten bei einem Händler gelandet, der auf jeden Fall meine Reifen hätte. Dabei hat sich mal wieder bewiesen, dass man wenig Ahnung hat, was man tut. Sie hatten Reifen, die mal eben grob die Masse, aber sonst auch gar nichts mit den benötigten gemeinsam hatten. Es gab einen Reifen, den ich hätte montieren können, der aber in Pakistan völlig nutzlos, da er für die Strasse ist. Zudem war er noch acht Jahre alt. Als ich auf das Alter aufmerksam gemacht hatte, schaute man mich nur fragend an. Es wurde permanent versucht, mir einzureden, dass die ganzen Angaben an der Seite des Reifens wie Geschwindigkeitsindex und Tragfähigkeit doch gar nichts zu bedeuten hätten. Die haben einfach keine Ahnung.

Man hat dann noch versucht, hier und da herum zu telefonieren. Mir wurde mehrmals gesagt, dass ein anderer Händler doch Reifen hätte, aber das war alles nur großer Blödsinn. Ich wollte die Sache einfach nur abblasen, da es ja zu nix führen würde. Ich meinte dann nur noch, dass, wenn jemand der Meinung ist, dass er einen Reifen für mich aufgetrieben hat, dass ich unbedingt die kompletten Angaben des Reifen benötigen würde. Freudestrahlend wurde mir dann die Nachricht überbracht, dass man es jetzt endlich geschafft hätte. Als ich nach den Angaben des Reifens fragte, sagte man mir nur: „ein Originaler Dunlop“. Es dauerte dann fast eine Stunde, zu erklären, worin der Unterschied eines Reifens abgesehen von seinen Dimensionen besteht. Erst als ich den Vergleich mit verschiedenen Fußballschuhen für verschiedene Untergründe brachte, hat man es dann verstanden. Das machte mich schon wütend. In meinen Augen sind die Motorradhändler ggf. für eine Menge in Unfällen getöteter Motorradfahrer verantwortlich, da sie ihnen einfach Schrott verkaufen.

Irgendwann musste ich dann auch weiter und wollte nicht länger in Esfahan verweilen. Auch wenn es dort sehr angenehm war und die Familie mich ungern gehen lassen wollte. Aber ich musste wieder etwas Neues sehen und wollte auch mal wieder etwas Privatsphäre haben. Daher ging es weiter nach Nain.

In der Stadt angekommen, wollte ich in einem Touristenhotel unterkommen. Als ich davor stand, waren viele Iranische Mädels anwesend und doch sehr interessiert an mir. Was ich natürlich begrüßte. Der Preis jedoch hatte mir dann nicht so recht gefallen, Ich verhandelte mit einem Typen über den Preis, der Ausländer wohl überhaupt nicht leiden konnte. Also hab ich mich auf die Suche nach etwas Anderem begeben. Auf meinem Weg durch die Stadt wurde ich von einem Typen angequatscht, der wirklich sehr gut Englisch konnte. Er besaß auch ein Internetcafe. Also sind wir erst mal dort eingekehrt. Ich wollte paar Dinge im Internet checken. Das war aber mal wieder nicht möglich, da es erneute Demonstrationen im Land gibt und die Regierung so ziemlich alles blockt. Das Gute war aber, dass der Typ den Hotelmanager kannte und mit ihm einen besseren Preis aushandeln konnte. Also bin ich wieder hingefahren und in einer wirklich schönen Suite untergekommen.

Aber die erhofften Gespräche in der Nacht mit den vielen Mädels fielen leider aus, da zwei Tage zuvor Feiertage waren und viele Iraner die Zeit nutzen, um ein wenig im Land herum zu kommen. Nun waren diese vorbei und ich war, bis auf eine Familie, der einzige Gast des Hotels. Übrigens nutzen viele Frauen diese Touristenfahrten innerhalb des Irans, da sie ohne die Erlaubnis des Vaters oder des Ehemanns nicht ins Ausland verreisen dürfen. Männer hingegen können tun und lassen was sie möchten.

Also bin ich wieder zurück ins Internetcafe. Wir kamen immer mehr ins Plaudern und am Ende redeten wir bis ein Uhr in der Nacht. Wir haben uns dabei größtenteils über politische Probleme unterhalten. Das Interessante daran war, dass er für die derzeitige Regierung war und deren Mittel, um diese aufrecht zu erhalten, billigte. Und es war schade zu hören, dass ein intelligenter Mensch so was tatsächlich glaubt und es versucht, zu verteidigen. Ich habe nach unserem Gespräch gedacht, das ich viel zu offen war und vielleicht besser meine Klappe gehalten hätte. Aber wer mich kennt weiß, wie schwer mir das fällt. Jedenfalls rechnete ich die ganze Nacht über mit Besuch der Polizei, aber nichts ist geschehen. Also konnte ich ihm doch trauen. Zum Glück. 🙂

Am nächsten Tag ging es endlich mal wieder ins Fitnessstudio. Dort konnte ich im Spiegel erst mal meinen kümmerlichen Körper betrachten. Daher muss ich in der nächsten Zeit diesem Umstand mal wieder mehr Augenmerk widmen.

Danach ging es weiter nach Yazd. Am Weg dort hin wohnte ein Freund des Typen vom vorherigen Tag, der mich unbedingt kennen lernen wollte, da er ja so interessiert an Ausländern ist. Also dachte ich mir, ich tue ihm diesen Gefallen. Als ich ihn sah, kam er mir schon so ein wenig wie ein Psycho vor. Er organisiert Abenteuerreisen durch den Iran und wollte mir eigentlich nur so eine Tour verkaufen und mich dazu überreden, doch die Nacht über in der Stadt zu bleiben. Aber die Art wie er redete und wie er sich benahm, war schon sehr unheimlich. Schwer zu beschreiben, aber er verhielt sich so ein wenig wie einer der Typen in ‚Clockwork Orange’. Psycho halt. Als er dann realisierte, dass er bei mir an der falschen Adresse war, da ich es hasse, auf einer organisierten Tour zu sein, musste er auf einmal ganz plötzlich los und hatte keine Zeit mehr.

In Yazd angekommen traf ich einen deutschen Fahrradfahrer, der mit einem Iraner zusammen zwei Wochen unterwegs war. Er hatte einen Tag zuvor diesen Typ auch kennen gelernt. Und wir teilten unsere Meinung über ihn.

Und jetzt bin ich hier in einem wirklich großartigen Backpackerhotel. Ich treffe endlich mal ein paar andere Reisende. Es tut gut, sich mal über die Erfahrungen und Meinungen über den Iran auszutauschen. Viele Leute sind sonst politisch nicht interessiert, aber hier im Iran ändert sich das ganz automatisch.

Es sind mal wieder ein paar schön verrückte Leute anwesend. Beispielsweise pennte gerade ein Japaner im Gemeinschafsraum. Neben ihm lag ein Motorradhelm. Und somit hab ich endlich den ersten anderen Motorradreisenden getroffen. Und der ist wirklich mal bekloppt. Er ist von Japan über Russland mit einer 15 Jahre alten Harley Davidson gefahren. Jetzt will er weiter nach Europa. Ein paar Jahre zuvor ist er mit einer ‚Super Tenere’, also einer Maschine, die meiner recht ähnlich ist und dafür gebaut wurde, die Welt zu umrunden, von Alaska nach Südamerika gefahren. Für den jetzigen Trip hat er diese Maschine verkauft, da es, wie er selbst sagt, zu einfach war. Daher will er mit einer Chopper, die eigentlich für so etwas völlig ungeeignet ist, den Weg bestreiten.

Ich habe auch ein verrücktes, aber sehr liebenswürdiges Paar kennen gelernt. Sie reisen zusammen mit ihrem zweijährigen Sohn in einem Wohnwagen von den Niederlanden nach Australien. Wir quatschen seit zwei Tagen die ganze Zeit miteinander und wollen unter Umständen gemeinsam mit anderen Reisenden gemeinsam durch Pakistan fahren. Daher werde ich jetzt auch vielleicht noch ein bis zwei Tage hier bleiben und mir ein wenig Auszeit gönnen. Ich genieße es gerade sehr, mich mit anderen Reisenden zu unterhalten.

Aber auch davon werde ich sicherlich nach einer Weile müde sein und wieder weiter reisen wollen. Das Beste ist, dass ich nie weiß, wann das sein wird. Meistens passiert es, dass ich morgens aufwache und einfach weiß, dass ich weiter muss. Und wenn ich das will, dann tue ich es einfach. Man fühlt sich schon sehr frei, wenn man auf diese Art reist. Man kann tun und lassen was man will. Wenn es einem irgendwo nicht gefällt zieht man einfach weiter. Man weiß nie, was am nächsten Tag passieren wird.

Wie manche von Euch vielleicht noch nicht wissen, habe ich keinen Plan, an den ich mich selbst halten muss, den ich vielleicht in langer Vorbereitungszeit ausgearbeitet hätte. Meistens entscheide ich in der Nacht zuvor, wo ich am nächsten Tag hinfahren werde. Und manchmal fahre ich los und weiß nicht, wo das Ziel am Abend sein wird. Und ich liebe es, nicht zu wissen was in der nächsten Stadt passieren wird. Ich habe auch meist keine Ahnung von irgendeinem Hotel oder sonst was dergleichen. Meistens trifft man in den Städten zuvor ein paar Menschen die einem ein paar Tipps geben was man sich unbedingt anscheuen sollte.

Außerdem schaue ich mir auch sehr selten irgendwelche Sehenswürdigkeiten an. Ist vielleicht ein Fehler, aber irgendwie hab ich einfach keine Lust dazu, da ich an den Menschen am meisten interessiert bin. Ich möchte sehen, wie sie jetzt leben und denken und was ihnen wichtig ist und was nicht. Wo die Unterschiede zu unserer Gesellschaft liegen. Und hin und wieder brauche ich eben andere Reisende um eine andere Sichtweise der Dinge zu erfahren.

Meistens haben diese aber kein so großes Interesse an der Kultur, sondern wollen entweder Party machen, oder sich einfach nur entspannen. Oder eben die Sehenswürdigkeiten sehen. Aber das ist anders bei Reisenden, die man im Iran trifft, da dies mit Sicherheit kein gewöhnliches Urlaubsland ist und man daher eher hier her kommt um andere Kulturen kennen zu lernen. Somit ist es interessant ihre Sichtweise zu sehen da sie sich auch eine Menge Gedanken darüber machen. Denn manchmal habe ich das Gefühl das ich die ganzen Sachen vielleicht zu einseitig interpretiere. Aber meistens teilen die anderen Leute auch meine Meinung.

Was ich auch an dieser Art zu Reisen liebe ist, dass man einen sehr einfachen Lebensstil führt. Man mag beispielsweise keine großen Shoppingstraßen, da man sowieso nichts kaufen kann. Man hat eh keinen Platz auf dem Motorrad für irgendwelchen sinnlosen Plunder. Daher benötigt man sein Geld eigentlich für Essen, Trinken, Benzin und einen Schlafplatz. Es ist faszinierend, wie billig man auf diese Weise leben kann. Eigentlich muss ich nicht so stark aufs Geld achten, aber man tut es einfach, da man sich denkt, dass eine einfache Malzeit auch ausreichend ist. Man verliert einfach das Interesse an all dem sinnlosen Scheiß, den man sonst so den ganzen Tag über kauft und dann eh nicht braucht. Somit habe ich in den letzten zwei Wochen im Iran gerade mal schätzungsweise 200 Euro ausgegeben. Und auf dem Weg von Deutschland zur Osttürkei so um die 1000. Und dabei gingen locker 350 Euro fürs Tanken in der Türkei drauf. Aber vielleicht überkommt mich ja doch noch der Shoppingwahn und ich kaufe mir einen handgeknüpften Perserteppich, den sie mir öfters andrehen wollen. Aber ich sage dann immer, dass ich einen auf jeden Fall einen kaufen möchte, wenn er einen Platz auf meinem Motorrad findet und ich ihn befestigen kann. Ist schon witzig, wie die dann suchen und sich gegenseitig beraten.

Ich hoffe dass es in Zukunft besser mit dem Internet klappt und ich wieder häufiger berichten kann. Daher seid mir nicht böse und lest treu weiter. Bis denne

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